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...Inge Heitmann

Inge Heitmann ist ein Naturmensch durch und durch – und weiß um die guten Eigenschaften der Früchte des
Knicks. Fotos: Henrik Bagdassarian
Von Inge Heitmann eingekochte Marmelade (v. li.): Krete, Birne/Zitrone, Erdbeere/Blaubeere

Ein Geheimrezept hat Inge Heitmann nicht in petto. Die Zutaten für die selbst hergestellten Marmeladen und Gelees gibt die 79-Jährige gern preis: "50 Prozent Gelierzucker, die andere Hälfte besteht aus Frucht pur", sagt die rüstige LandFrau aus Besenthal, Kreis Herzogtum Lauenburg. Lächelnd fügt sie hinzu: "Natürlich benutze ich keine Geschmacksverstärker oder andere Zusatzstoffe."

Den leckeren Brotaufstrich stellt Heitmann aus allem her, was ein Knick hergibt: Brombeeren, Himbeeren, Holunderblüten, Löwen­zahn oder ­Quitten. Und aus Kreten. Die fast vergessene Frucht ähnelt auf den ersten Blick einer Schlehe. Früher hatten die in Knicks angepflanzten Wildsträucher mit der runden, blau­schwarzen Frucht die Aufgabe, zwischen den Feldern die Kraft des Windes zu entschärfen. Später gerieten sie fast vollkommen in Vergessenheit. Geschmacklich erinnert die 1,5 bis 3 cm lange Krete an eine Pflaume. "Eingekocht schmeckt sie eher wie eine Mischung aus Johannesbeere und Kirsche", sagt Heitmann und lacht. "Da Geschmäcker aber bekanntlich verschieden sind, sollte sich jeder eine eigene Meinung bilden."

Unter dem Motto "Alles aus dem Knick" ist die 79-Jährige regelmäßig mit einem Stand auf Gut Segrahn in der Gemeinde Gudow anzutreffen. "Es kommen Kunden allein wegen meiner Marmelade auf den Markt", sagt sie stolz. Nachhaltigkeit spielt für die bekennende Naturliebhaberin eine große Rolle. "Deshalb bitte ich darum, beim nächsten Einkauf den leeren Behälter wieder mitzubringen", sagt sie. "Bei mir gibt es keinen Schnickschnack, lediglich die Marmelade oder das Gelee pur in einem einfachen Glas mit handgeschriebenem Etikett." Ihr Verkaufsstand hat sich ebenfalls als Geheimtipp für schmackhaften Fliederbeersaft und Schlehenlikör etabliert.

Von der Krete, die ihre Reife zwischen Ende September und Anfang Oktober erreicht, hörte Heitmann erstmals vor 18 Jahren. Die Knick-AG der Freien Lauenburgischen Akademie hatte auf Gut Wotersen zu den sogenannten Knicktagen eingeladen. Heitmann kam mit Hermann Genzmer ins Gespräch. Der Flensburger kümmert sich seit Jahren leidenschaftlich um die Erhaltung der ursprünglich in der Türkei beheimateten kleinen Vitaminbomben. Heitmann erlebte eine Überraschung:

"Meine Tochter lebt in der Nähe von Flensburg. Es stellte sich heraus, dass Hermann Genzmer einige der mitgebrachten Kreten im Knick ihres Hofes geerntet hatte", erzählt sie. 2003 pflanzte Heitmann auf dem heimischen Gelände in Besenthal einen Ableger des Knickstrauchs. Dieser entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem stattlichen Baum.

Seit 1961 ist Heitmann Mitglied des LandFrauenvereins Büchen und Umgebung. Manchmal schwärmt sie von alten Zeiten. "Früher war alles ruhiger und gelassener", sagt sie und lächelt. "Die Bälle der LandFrauen waren aber damals schon ein großes Erlebnis. Bis in die Morgenstunden wurde geschwoft, zum Melken waren wir aber wieder pünktlich auf dem Hof." Ihre Vereinskameradinnen hält die 79-Jährige immer noch kräftig auf Trab. "Beim jährlichen dreiwöchigen Stadtradeln bewältigt Inge immer noch die längste Strecke von uns allen", erzählt Monika Tofelde. Sie ist die Vorsitzende der 300 Mitglieder starken Ortsgruppe. Ende Mai waren es exakt 571 km – bei hochsommerlichen Temperaturen von bis zu 30 °C.

Ob gemeinsame Ausflüge mit den LandFrauen in die dänische Hauptstadt Kopenhagen oder Reisen auf den Spuren von Rosamunde Pilcher ins englische Cornwall: Inge Heitmann ist immer gerne unternehmungslustig. Doch etwas anderes als auf dem Land zu leben konnte sie sich nie vorstellen. "Ich bin ein Naturmensch durch und durch", sagt sie. "Sobald ich nicht gut drauf bin, fahre ich mit dem Rad durch den Wald, und alles ist wieder gut." - Henrik Bagdassarian

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