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Pferde sind Fluchttiere – letztlich können ihre Reaktionen nicht vollständig kontrolliert werden. Foto: pixabay

Thies Kaspareit, Leiter der Abteilung Ausbildung und Wissenschaft der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) in Warendorf, referierte im Rahmen des Tierschutzseminars in Neumünster über die verschiedenen Aspekte des Lernverhaltens von Pferden. Denn berücksichtigt man dieses Wissen, lassen sich die Ausbildung und das Training von Pferden sinnvoller und effektiver gestalten.

"Lernen hat viel mit Vertrauen zu tun", betonte Thies Kaspareit. Der 55-Jährige war selbst im Vielseitigkeitssattel erfolgreich und gehörte 1988 zur siegreichen Olympiamannschaft in Seoul. Er erklärte: "Ein größtmögliches Verständnis für das Pferd an sich, aber auch für das Individuum Pferd ist daher für den Reiter wünschenswert – und sehr hilfreich." Angefangen vom arttypischen Verhalten des Fluchttiers über das rassetypische Verhalten bis hin zum individuellen Verhalten gibt das Wissen über das Pferd dem Reiter die Möglichkeit, Charakter und Persönlichkeit in einem gewissen Rahmen zu formen und zu fördern.

Um dieses für die Erziehung des Pferdes notwendige Wissen zu vermitteln, hat die FN den Sachkundenachweis Pferdehaltung entwickelt, der bei der Landwirtschaftskammer abgelegt werden kann. Die Teilnahme an den Kursen steht dabei keineswegs nur Betrieben, sondern auch privaten Pferdehaltern offen.

Thies Kaspareit fand klare Worte für den grundsätzlichen Umgang mit dem Pferd: "Das Pferd ist ein Fluchttier. Wer die Reaktionen eines Fluchttiers komplett vermeiden will, sollte Fahrrad fahren." Damit zielt der Experte darauf ab, dass auch trotz Kenntnis der Pferdenatur und verständnisvoller Ausbildung letzten Endes nicht alle Reaktionen des Pferdes kontrolliert werden können.

Durch Vertrauen zum Menschen kann ein Pferd an Situationen gewöhnt werden, die ihm ohne Training Angst machen und es zur Flucht verleiten würden. Ganz ausschließen kann man jedoch nicht, dass der Fluchtinstinkt in einer Situation trotzdem durchkommt und das Pferd mit einem Satz zur Seite oder einem spontanen Umdrehen reagiert.

Das Pferd lässt sich als Herdentier in der Regel von seinen Artgenossen beeinflussen. Außerdem hat es als Steppentier einen enorm großen Bewegungsbedarf. Diese beiden Faktoren können dem Pferd nicht abtrainiert werden, sondern sollten Berücksichtigung finden. Der verantwortungsvolle Reiter sorgt für Sozialkontakte und ausreichenden Auslauf. Auf diese Weise trägt er maßgeblich dazu bei, dass das Pferd physisch und psychisch ausgeglichen ist. Damit ist eine wichtige Grundlage für die Arbeit geschaffen.

Da das Vertrauen einen entscheidenden Aspekt bei der Gewöhnung des Pferdes an neue Situationen und Aufgaben bildet, kommt der Pferd-Reiter-Beziehung große Bedeutung zu. "Es ist unwahrscheinlich, dass ein Pferd einen Menschen wirklich als Leittier akzeptiert", führte Thies Kaspareit aus und fügte hinzu: "Aber das Sicherheits- und das Vertrauensbedürfnis können vom Menschen schon gepflegt werden." Die Kommunikation mit dem Pferd kann durch den Umgang, Führtraining und Bodenarbeit, aber auch durch das Reiten gefestigt werden.

Um das Training eines Pferdes sinnvoll zu gestalten, ist es wichtig, die individuellen Leistungsfaktoren zu berücksichtigen. Dazu gehören neben der Konstitution, zu der auch die Anatomie und das Gebäude des Pferdes zählen, die aktuelle Kondition im Hinblick auf Kraft und Ausdauer, das Koordinationsvermögen und die Psyche des Pferdes. "Anspruchsvollere Lektionen sollte man beispielsweise direkt nach dem Lösen trainieren und nicht erst am Ende der Trainingseinheit, da die Konzentration des Pferdes dann nicht mehr auf dem Höhepunkt ist", erklärte Thies Kaspareit.

Den kompletten Beitrag finden Sie in der Bauernblattausgabe 15/2019 unter der Rubrik "Pferd & Reiter" und im digitalen Bauernblatt.

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