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Die aktuelle gesellschaftliche Diskussion im Zusammenhang mit der Übernahme von Monsanto nimmt Bayer sehr ernst, betonte Geschäftsführer Peter R. Müller. Foto: Mechthilde Becker-Weigel

In der vorigen Woche fand das Jahrespressegespräch von Bayer CropSciene für die Journalisten der landwirtschaftlichen Fachzeitschriften statt. Bei diesem jährlichen Termin stellen Geschäftsführer, Marketing-, Entwicklungs- und Kommunikationsleiter die Geschäftsentwicklung des abgelaufenen Jahres und die Neuheiten im Pflanzenschutzbereich für die kommende Saison vor.

Die Veranstaltung dauert in der Regel dreieinhalb Stunden. In der vorigen Woche ist dabei etwas Besonderes passiert. Die Vorstellung der Neuheiten in der Produktpipeline benötigte gefühlt eineinhalb Stunden und die anschließende Vorstellung Aktivitäten für Biodiversität, Artenschutz und den Dialog mit der Gesellschaft zwei. Das ist ein ganz neuer Zungenschlag für den Pflanzenschutz- und Agrarriesen.

"Wir können noch so viel in Forschung und Entwicklung investieren, aber wenn am Ende der gesellschaftliche Rückhalt fehlt, kommen Innovationen nicht zur Anwendung", sagte Peter R. Müller, der neue Geschäftsführer von Bayer CropScience Deutschland. Bei den Nachhaltigkeitsthemen konzentriert sich Bayer hierzulande auf vier Kerngebiete, die in der Gesellschaft kritisch diskutiert werden. Das sind die Förderung der Biodiversität, die Erhaltung der Bienengesundheit, der Gewässerschutz und der Anwenderschutz.

In der Öffentlichkeit und vor allem in der Wirtschaftspresse überlagern allerdings die Themen Monsanto und Glyphosat alles andere. In den USA hat erstmals eine Jury eines US-Bundesgerichtes in Kalifornien entschieden, dass Glyphosat ein wesentlicher Faktor für die Krebserkrankung im Fall Edwin Hardeman sei, und den Konzern Mitte der vorigen Woche zu einer Schadenersatzzahlung von 80 Mio. US-$ verurteilt. Dieses Urteil ist für Bayer nicht nur ein herber Schlag, es könnte erst der Anfang einer langen Serie von Schadenersatzzahlungen sein. Denn die zweite Phase, in der geprüft wird, ob Monsanto wissentlich Risiken verschwiegen hat, läuft gerade.

Hardemans Fall gilt als Musterfall. Insgesamt sind es in den USA mittlerweile mehr als 11.000 Klagen wegen Glyphosat. Es scheint, als hätte Bayer mit der Übernahme von Monsanto die Büchse der Pandora geöffnet und etwas in Gang gesetzt, das kaum zu stoppen sein dürfte. Das Bayer-Management hat sich mit allen gleichzeitig angelegt: mit krebskranken Klägern und deren Anwälten, Geschworenenjurys, Umweltschützern und nicht zuletzt mit seinen Aktionären.

Der Aktienwert des Unternehmens ist seit einem Jahr im Sinkflug von 146 € im April 2015 auf jetzt 57 €. Das entspricht noch einer Marktkapitalisierung von 53,2 Mrd. € oder umgerechnet rund 60 Mrd. US-$ . Für Monsanto hatte Bayer 63 Mrd. US-$ gezahlt. Der Absturz des Bayer-Papiers hat auch das Aktienbarometer Dax in diesem Jahr ein Fünftel an Performance gekostet. Ausgerechnet das einst wertvollste Unternehmen der deutschen Börsenwelt ist damit zum Anlegerschreck geworden. Nun erscheint die Gefahr einer feindlichen Übernahme oder Zerschlagung nicht mehr so abwegig. Man kann es auch aber anders sehen. Die drohende Prozesswelle hat das Unternehmen aus Anlegersicht eher vergiftet und macht es unattraktiv für Käufer: zu viele Nebenwirkungen!

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