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Liebe Leser, vor Ostern kamen sie wieder: in bunter Aufmachung, breitem Sortiment, reich bebildert und marktreißerisch schreiend im Ton: Topangebot, superbillig, extragünstig oder Spezialpreis. Die Prospekte des Lebensmittelhandels und der Discounter mit ihren Osterofferten. Eier, Wurst und Käse, Milch und Molkereiprodukte, natürlich der Osterbraten, ob Pute, Hähnchen, Rind, Schwein oder Lamm, süßes Naschwerk und vieles mehr. Alles gibt es in scheinbar bester Qualität, toller Aufmachung und das zum billigsten Preis. Wir Verbraucher schlagen zu und füllen die Einkaufswagen, um es uns dann über die Osterfeiertage am reichlich gedeckten Tisch gut schmecken zu lassen – wie an allen Festtagen. Das sei uns allen gegönnt.

Wäre es doch nur einmal möglich, nachzudenken über das eigene Einkaufs- und Ernährungsverhalten, über das, was uns wirklich wichtig ist! Ostern ist doch ein Zeichen von Aufbruch. Religiös gesprochen, das Sprengen von Fesseln des Todes, das Verlassen dunkler Gedanken in Ermutigung zu einem neuen Licht voller Leben und Zuversicht. Solch österliche Aufbruchstimmung spiegelt auch die frühlingshafte Natur: Knospen springen auf, die braune Erde bricht auf und bringt frisches Grün ans Licht. Erst recht gilt dies im übertragenen Sinne. Eine vibrierende Aufbruchstimmung liegt in der Luft: Neue Lebensgeister strömen einem zu. Man spürt die wärmestrahlende Sonne auf der Haut, und mit den Sonnenstrahlen kommt die Lust, aufzubrechen aus alten Gewohnheiten, Neues in Angriff zu nehmen, Trübsal, Missstimmung, Enttäuschungen und manche Untugenden der Vergangenheit abzuhaken, um sich neue Horizonte zu eröffnen. Wie gut täte das unserem Umgang mit dem Essen: auf zu neuen Ufern, einer Schatzsuche, in der der wahre Wert des täglich Brot einem offenbart wird.

So ritualisiert, wie die Osterfeiertage begangen und die religiösen Osterbotschaften gesprochen werden, wird immer wieder auch beklagt, dass unsere Nahrung neu bewertet werden sollte, sowohl ideell als auch materiell in Form des Preises, den wir dafür bezahlen. Zu viele Widersprüche tun sich dazu auf: einerseits die Botschaften von Regionalität, Förderung heimischer bäuerlicher Landwirtschaft, von mehr Tierwohl  –  andererseits Lebensmittel als Preisbremse, um die Haushaltskasse und auch die Volkswirtschaft finanziell zu entlasten. Brüche tun sich auf, die schier unüberwindlich scheinen zwischen der landwirtschaftlichen Arbeit und ihrer gesellschaftlichen Wahrnehmung. Vielleicht brauchte man dazu auch wieder mehr Kunden statt nur Verbraucher. Während der Verbraucher konsumistisch nach dem Schnäppchenpreis für den Warenwert Ausschau hält, ist der Kunde in sprichwörtlichen Sinne „kundig“ über den wahren Wert von Arbeit und Qualität des gekauften Produkts. Im Wissen daraus kauft man dann auch mit gutem Gewissen und Genuss ein.

Wir dürfen die Hoffnung auf eine Aufbruchstimmung auch in der Agrar- und Ernährungswirtschaft nicht aufgeben: in Zuversicht darauf, dass immer mehr Verbraucher zu Kunden werden, Lebensmittelwirtschaft und -handel ihre Waren nicht nur über den Preis bewerben und sich gesellschaftlich eine neue Wertepräferenz für das täglich Brot ergibt. Wenn all die Verlautbarungen zu mehr regionaler, heimischer Erzeugung in Wertschätzung für eine schöpfungsbewahrende und tiergerechte Landwirtschaft auf allen Ebenen des alltäglichen Lebens real umgesetzt würden von Politik, Werbewirtschaft, Industrie, Handel und Kunden, dann wäre das wahrhaftig auch eine österliche Aufbruchstimmung. Dr. Clemens Dirscherl, Beauftragter für Landwirtschaft und Ernährung der Evangelischen Kirche in Deutschland.

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