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Iris Jaeger. Foto: archiv

Echte Energiewende geht nur, wenn endlich aufs Gaspedal gedrückt wird und die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen werden, um vorhandene Konzepte zügig umzusetzen. Foto: pixabay

"Die Erneuerbaren Energien in Schleswig-Holstein stärken und gemeinsam die Energiewende zu 100 % in allen Sektoren (Strom, Wärme, Mobilität) in kürzester Zeit umsetzen" – diese Ziele hat sich der im Januar dieses Jahres gegründete Landesverband Erneuerbare Energien (LEE SH) gesetzt.

Vorige Woche lud der Verband zu einem parlamentarischen Sommerempfang nach Kiel ein, um mit der Landespolitik in den Dialog zu kommen. Aber auch, um zu verdeutlichen, dass neben dem Klimaschutz der Faktor Wirtschaft rund um die Erneuerbaren Energien eine immer wichtigere Rolle spielt. "Aus dem Norden. Für die Zukunft" lautet der Leitspruch des LEE SH, der als Treiber und Motor der Erneuerbaren tätig sein will.

Den Treibstoff für diesen Motor liefern die Mitglieder des Verbandes sowie abseits von Firmen und Vereinen für die Energiewende engagierte Bürger mit ihren Projekten, Ideen, Technologien und Visionen. Sie sorgen für den notwendigen Anschub, um den Energiewendemotor in Schwung zu bringen und ihn möglichst weit über die Landesgrenzen hinausfahren zu lassen.

Auch um mit ihm ein Zeichen zu setzen: Hier in Schleswig-Holstein wird Pionierarbeit geleistet. Hier werden Konzepte entwickelt, um Grünen Strom sinnvoll zu nutzen, zu veredeln und ihn zu vermarkten, anstatt ihn durch Abschalten der Anlagen gar nicht erst zu produzieren. Hier werden mit Elektro- und Wasserstoffantrieben bereits alltagstaugliche mobile Alternativen geboten, hier wird über autonomes Fahren nicht nur geredet, sondern auf Teststrecken ausprobiert. Hier wird das Potenzial von Biogas über die Stromerzeugung hinaus erkannt und für die Wärmenutzung eingesetzt. Hier werden Modelle für die Direktvermarktung von EE-Strom entwickelt und umgesetzt sowie Bürger in Energieprojekte vor Ort eingebunden.

Was aber nützt der leistungsstärkste Motor, wenn er immer wieder durch fehlenden politischen Umsetzungswillen in Berlin und Brüssel ins Stottern gerät oder gar zum Abwürgen gebracht wird? Ein kompliziertes und ungerechtes EEG, absurde Verordnungen und Auflagen sowie Abgaben, Umlagen und Steuern auf EE-Strom, der fehlende Netzausbau, Deckelungen von Prämien, eine völlig verfehlte Steuerung des EE-Ausbaupfades sowie Bundesländer, die in Sachen Klimaschutz nicht an einem Strang ziehen, bremsen den Energiewendemotor aus. Doch wer bremst, verliert. Das sollte vor allem den Strippenziehern in der Bundesregierung und im EU-Parlament mit Blick auf die selbst gesetzten Klimaschutzziele klar sein.

Echte Energiewende geht nur, wenn endlich aufs Gaspedal gedrückt wird und die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen werden, um vorhandene Konzepte zügig umzusetzen. Also weg mit dem Netzausbaugebiet in Schleswig-Holstein, weg mit den Abgaben, Umlagen und Steuern auf Grünstrom, dafür Strom aus Kohle und Atom verteuern und eine CO2-Abgabe für fossile Energie einführen.

Eine umfassende Reform des EEG, das alle Formen der Sektorenkopplung einbezieht und echte Bürgerenergie ermöglicht. Anheben oder Abschaffen des Flexprämiendeckels für Biogas, Marktanreize für alternative Antriebe und Treibstoffe schaffen. Die Liste lässt sich beliebig fortführen.

Immerhin: Der neue schleswig-holsteinische Energiewendeminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) versprach auf dem LEE-SH-Sommerempfang, dass sich die Landesregierung auch weiterhin an den Reformen des EEG beteiligen wolle. Vielleicht gelingt es dem ehemaligen EU-Abgeordneten sogar, den Ideenmotor der Erneuerbaren-Branche über Berlin hinaus nach Brüssel zu steuern, ohne ihn abzuwürgen.

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