Zur Navigation springen Zum Inhalt springen

Mechthilde Becker-Weigel. Foto: Archiv

Die weltweite Getreideernte deckt den Bedarf nicht. Foto: pixabay

"Die weltweite Getreideernte deckt den Verbrauch nicht." Diese Meldung war der Aufmacher in den Medien am vorigen Sonntag. Bereits frühmorgens war in den Nachrichten zu hören, dass nach einer Schätzung der UN-Welternährungsorganisation (FAO) im Wirtschaftsjahr 2018/19 knapp 30 Mio. t Getreide mehr verbraucht werden als geerntet. Die erwartete Gesamternte weltweit beziffern die FAO-Analysten auf 2,66 Mrd. t. Ein Bestandsabbau findet nun zum zweiten Mal innerhalb von nur zehn Jahren statt. Die Ursachen für den aktuellen Rückgang sind auch die Dürre im vorigen Jahr in weiten Teilen Europas sowie das dritte Jahr in Folge, dass klimatische Kapriolen den Bauern und dem Handel ihr Geschäft schwer machen.

Das ist bis jetzt zum Glück nur ein Teil der Wahrheit. Wenn die Ernte zu knapp ist, stehen noch ausreichend Lagerbestände zur Verfügung. Nun geht der Internationale Getreiderat (IGC) davon aus, dass für das Wirtschaftsjahr 2018/19 der Bestandsabbau etwas größer ausfällt und die Lagerbestände um 44 Mio. t zurückgehen. Für 2019/20 wird mit einem weiteren Rückgang von 28 Mio. t gerechnet. Das Minus der Getreideernte im Vergleich zum Verbrauch bedeutet nicht, dass gleich der Notstand ausbricht. In den vergangenen Jahren ist die Getreideproduktion kräftig gestiegen. Bei der Entwicklung der Getreidenachfrage spielt vor allem die Entwicklung der Tierbestände eine Rolle. Wenn der Fleischkonsum der wachsenden Erdbevölkerung steigt, dann wird noch mehr Getreide nachgefragt.

Bei dieser Meldung, die über den gesamten Sonntag und zum Anfang der Woche gesendet wurde, konnte manch einen ein mulmiges Gefühl beschleichen. Denn schon einfachste Addition zeigt, wann der Spaß vorbei sein könnte und die Vorräte zur Neige gehen, wenn zu viele ungünstige Situationen zusammen eintreffen. Dem ist bislang zum Glück nicht so, und die Ernteprognosen auf der Süd- und Nordhalbkugel beispielsweise für Weizen liegen auch 2019 auf dem Vorjahresniveau. Und für die kommende Ernte erwartet das US-Agrarministerium beim größten Maisanbauer, den USA, wieder einen deutlichen Aufbau der Bestände.

Auf jeden Fall kann die Meldung ein Aufwecker sein, darüber nachzudenken: Was wäre, wenn Rohstoffe, beziehungsweise Nahrungsmittel, durch unvorhersehbare klimatische Bedingungen, kleinere Ernten und steigende Nachfrage einmal deutlich knapper zur Verfügung stehen könnten?

Dann darf man fragen, warum die Politik den Anbau auf den produktivsten Standorten der Welt dermaßen im Visier hat. Hierzulande engen fehlende Pflanzenschutzzulassungen die Anbauentwicklung ebenso ein wie die Verschärfung der Düngeverordnung. Ein Reglement, das den Nitrat- und Nährstoffanstieg in den Gewässern forsch und effizient angeht, ist notwendig. Durch Überregulierung, mangelndes Augenmaß und fehlendes Vertrauen in die Anbauer werden zuerst Erträge und anschließend im schlimmsten Fall Flächen eingeschränkt, weil den Bauern, die die Scheunen füllen müssten, die Lust verloren gehen kann.

nach oben

Hinweis zur Nutzung von Cookies

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter.