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Liebe Leser, gehen den Höfen die Nachfolger aus? Die Zahlen des Statistikamtes Nord beunruhigen: Bei  69 % der landwirtschaftlichen Einzelunternehmen in Schleswig-Holstein, deren Betriebsleiter 45 Jahre oder älter sind, ist die Hofnachfolge nicht oder noch nicht geklärt. „Jeder vierte Bauer im Norden findet keinen Nachfolger“,  titelten die Kieler Nachrichten diese Woche. Zwar hält das Statistikamt diese Aussage für  missverständlich, es ist jedoch  unbestritten, dass Betriebe nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen, sondern vermehrt auch mangels Nachfolger  aufhören.

An sich fehlt es im Agrarsektor nicht an ausgebildetem Nachwuchs, doch der sucht vielfach eher ein Angestelltenverhältnis. Was sind die Gründe, die  junge Leute davon abhalten,  freie Unternehmer in der Landwirtschaft zu werden? Sind es die Unwägbarkeiten  der Globalisierung, die Flut an gesetzlichen Einschränkungen, das problematische Ansehen der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit? Oder ist es vielleicht gerade die fortwährende Betonung dieser Probleme? „Mein Kollege beschwerte sich, sein Sohn will den Hof nicht“, erzählte ein älterer Bauer auf dem Junglandwirtetag des Landjugendverbandes (Seite 90). Da  habe er ihm geantwortet: „Kein Wunder, seit 40 Jahren klagst du, wie schwer das ist.“ Als bei einem Seminar zum Thema Hofnachfolge in der Akademie Sankelmark (Seite 68) ähnliche Töne angeschlagen wurden, bekannte ein Junger: „Cross-Compliance, die ganzen Regeln – damit bin ich aufgewachsen, ich kenne es nicht anders, ich habe keine Angst davor.“

Es gibt sie, zum Glück, die Söhne und Töchter, die schon seit Kindesbeinen wissen, dass sie Bauer oder Bäuerin werden wollen, und es ist eine Freude, ihnen zuzuhören. In einem solchen Fall ist der beste Weg, eine für beide Generationen geeignete Übergangszeit einzuplanen, in der der oder die Junge schon mitentscheiden  und sich bewähren  kann.  Eine gemeinsame GbR, ein eigener Juniorbetrieb auf dem Hof, Sohn pachtet vom Vater – Möglichkeiten jenseits  von „alles oder nichts“  gibt es viele. Die Familien, bei denen es gut läuft, haben fast immer solche Lösungen gewählt. „Die zehn guten Jahre“ nannte  Kreisgeschäftsführer Peter Koll die Zeit, in der Vater und Sohn oder Tochter gemeinsam auf der Höhe ihrer Schaffenskraft sind. Doch ist es nicht jedem in die Wiege gelegt, Bauer zu werden.  Auch dies sollte frühzeitig akzeptiert werden, um andere Wege zu suchen. Die Zeiten, als man bei der Berufswahl nicht gefragt wurde, sind vorbei.

Am schmerzlichsten  sind die Fälle, in denen  eigentlich die Bereitschaft zur Übernahme da ist, diese aber an familiären Problemen und Eigenarten scheitert, weil sich die Generationen  nicht verständigen können. Da ist vielleicht der Altbauer, der  fürchtet, dass ihm sein Lebenswerk zerrinnt, oder die Schwiegertochter, die noch nach Jahren eine Gastrolle spielt, die weichenden Geschwister, die sich benachteiligt fühlen, der Sohn, der beim Notar  schweigend danebensitzt, der „Prinz Charles“, der  mit 50 auf den Hof hofft und immer noch  nichts zu sagen hat.

Gerade diese sogenannten „weiche Faktoren“ entpuppen sich mitunter  als die harten Nüsse. Doch in solchen Fragen  kann ebenso Beratung in Anspruch genommen werden wie in rechtlichen und wirtschaftlichen Angelegenheiten. Die Kreisbauernverbände, die Landwirtschaftskammer  und verwandte Institutionen bieten sie in beiden Bereichen  an.  Am wichtigsten ist, dass die Betroffenen (wieder) miteinander reden – und einander zuhören. Schweigen ist Gold? Das Sprichwort hat sich nicht bewährt.

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