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Iris Jaeger. Foto: archiv

Wasserstoff hat in Liaison mit Sauerstoff das Zeug, die Mobilität und Energieversorgung zu revolutionieren. Foto: H2 Mobility/Felix Krumbholz

Wenn am kommenden Donnerstag die New Energy Days in Husum starten, steht das Thema Wasserstoff an oberster Stelle. Dem Element werden erneut sogar eine eigene, ganztägige Konferenz sowie ein halbtägiges Forum gewidmet. Zu Recht, denn Wasserstoff besitzt viele positive Eigenschaften und hat zudem in Liaison mit Sauerstoff das Zeug, die Mobilität und Energieversorung der Zukunkft zu revolutionieren. Für die Herstellung von Wasserstoff kann Strom aus Erneuerbaren Energien verwendet werden, was das Problem von sogenanntem Überschussstrom und Abschaltungen von Erneuerbare-Energie-Anlagen wegen Netzüberlastung reduzieren würde. Wasserstoff kann als Kraftstoff mittels Brennstoffzelle als Energiewandler in Fahrzeugen aller Art eingesetzt werden, lässt sich problemlos speichern sowie in vorhandene Gasnetze einspeisen.

Wenn dieses Element so viele Vorteile in sich vereint, warum fahren wir dann immer noch mit Benzin und Diesel, heizen mit fossilem Gas und Öl, diskutieren über gefälschte Abgaswerte, Stickoxid- und Feinstaubbelastung, CO2-Emissionen und Fahrverbote? Schließlich wurde laut Wikipedia eine einfache Brennstoffzelle bereits 1838 von Christian Friedrich Schönbein erstellt, indem er zwei Platindrähte in Salzsäure mit Wasserstoff beziehungsweise Sauerstoff umspülte und zwischen den Drähten eine elektrische Spannung bemerkte.

Ein Jahr später veröffentlichte Schönbein diese Ergebnisse. Sir William Grove schrieb noch im selben Jahr eine Notiz über das sogenannte batterisierte Knallgas. Zusammen mit Schönbein erkannte er die Umkehrung der Elektrolyse und das Erzeugen von Strom in diesem Phänomen und wandte diese Erkenntnisse in mehreren Versuchen an. Recht bald war man von den Brennstoffzellen regelrecht begeistert. Man hoffte, Kohle und Dampfmaschinen zu ersetzen. Schriftsteller Jules Verne schrieb 1875 in seinem Buch "Die geheimnisvolle Insel" über die Brennstoffzelle: "Das Wasser ist die Kohle der Zukunft. Die Energie von morgen ist Wasser, das durch elektrischen Strom zerlegt worden ist. Die so zerlegten Elemente des Wassers, Wasserstoff und Sauerstoff, werden auf unabsehbare Zeit hinaus die Energieversorgung der Erde sichern."

Was für begnadete Visionäre! Nur 144 Jahre nach Erscheinen des Romans wird zwar immer noch lieber über die Zukunft von Wasserstoff debattiert, anstatt ihn flächendeckend aus Erneuerbarem Strom herzustellen und zu nutzen, aber immerhin rückt dieses Element als Energielieferant der Zukunft ganz allmählich ins kollektive Bewusstsein, auch in Politik und Industrie. Die von Verne beschriebene unabsehbare Zeit scheint allmählich absehbarer. Wasserstoff ist Thema in unzähligen Podiumsdiskussionen, Studien und Forschungsprojekten. 181 Jahre nach Entdeckung der ersten Brennstoffzelle durch Schönbein präsentieren einige Hersteller erste wasserstoffbetriebene Fahrzeuge, die das Zeug zur Serienfertigung hätten, aber meist noch im Prototypenstadium vor sich hindümpeln. Macht nichts, die Tankstelleninfrastruktur ist eh noch nicht so weit. Ein Massenmarkt für zum Beispiel wasserstoffbetriebene Lkw wird laut einer Grafik des Bundesverkehrsministeriums zum Thema klimafreundlicher Straßengüterverkehr sowieso erst 2030 gesehen, ein stabiler Markt nach 2050. Verglichen mit der verstrichenen (verlorenen?) Zeit seit Entdeckung der Brennstoffzelle ist das doch ein Klacks!

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