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Die hohe Milchviehdichte hat einen großen Einfluss auf die landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen in Schleswig-Holstein. Foto: landpixel

Dr. Robert Quakernack. Foto: Archiv

Die Klimakeule schwebt bedrohlich über der schleswig-holsteinischen Landwirtschaft. Denn ihr Anteil an den gesamten Treibhausgasemissionen liegt bei 20,2 %. Das ist ein um den Faktor drei höherer Anteil als im Bundesdurchschnitt, der 7,2 % beträgt. Das geht aus dem Treibhausgasbericht hervor, den das Kieler Landwirtschaftsministerium zusammen mit dem Thünen-Institut, der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und dem Statistikamt Nord erstellt hat. Auch beim Erreichen der Klimaziele hängt Schleswig-Holstein deutlich hinterher: Im Vergleich zum Referenzjahr 1990 sollen die Treibhausgasausstöße bis 2020 um 40 % gesenkt werden. Die Reduktion liegt derzeit jedoch lediglich bei 9,6 %, während bundesweit eine Minderung von immerhin 17,8 % erreicht wurde. Müssen die Bauern im Norden demnach ein schlechtes Klimagewissen haben?

Keineswegs! Denn Lebensmittelproduktion funktioniert nicht klimaneutral. Neben der reinen Bilanzierung nach dem Quellenprinzip müssen – wie der Bericht korrekterweise erwähnt – die spezifischen Emissionen pro Produkteinheit betrachtet werden. Und Schleswig-Holstein ist in diesem Punkt spitze! Insbesondere bei Winterweizen und Wintergerste liegen die Flächenerträge um rund ein Fünftel höher als im Bundesdurchschnitt. Bei Raps ist der Flächenertrag durchschnittlich um 3 % höher. Auch in der Milchviehhaltung weisen effiziente Betriebe geringe Treibhausgasemissionen pro erzeugtem Liter Milch auf.

Grundsätzlich hat die Landwirtschaft in Schleswig-Holstein als Wirtschaftssektor eine deutlich größere Bedeutung als in anderen Bundesländern. Es gibt viele intensiv wirtschaftende Rinderbetriebe und ackerbauliche Hochertragsstandorte. Industrie und Stromversorgung spielen hingegen eine untergeordnete Rolle. Das erklärt den hohen Anteil der Emissionen von Treibhausgasen (THG) im nördlichsten Bundesland. Trotzdem bezeichnet Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) genau diesen Anteil und den bisher unterdurchschnittlichen Emissionsrückgang als "große Herausforderung für die Erreichung der Klimaschutzziele".

Natürlich sähen diese Vergleichszahlen besser aus, wenn alle klassischen Betriebe ihre Produktion extensivieren würden. Der Umwelt wäre damit aber noch lange nicht geholfen. Bei einem Produktionsrückgang besteht die Gefahr, dass mit schlechter Klimabilanz hergestellte Nahrungsmittel importiert werden müssen. Das Problem nach außen zu verlagern und dann mit dem Finger auf die anderen zu zeigen, ist jedoch heuchlerisch.

Die Lösung muss vielmehr in noch effizienterer Düngung und in der Fütterungsanpassung von Milchviehherden gesucht werden. Die Treibhausgasbilanz der Tierhaltung kann sich sogar umkehren, wenn Gülle in Biogasanlagen vergärt wird, weil das klimaschädliche Methan aufgefangen und verwertet wird. Das Vergären von deutlich mehr Gülle könnte ein wahres Bilanzwunder nach sich ziehen. Dabei sollte die Politik unterstützen. Oder Schleswig-Holstein baut einfach ein Kohlekraftwerk. Dann verringern sich mit einem Schlag die Anteile der Landwirtschaft an den Gesamtemissionen.

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