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Politik sollte sich nicht von Gefühlen leiten lassen. Foto: pixabay

Dr. Robert Quakernack. Foto: Archiv

Gefühle können durch Nerven vermittelte Empfindungen wie warm, kalt, glatt oder rau sein. Es gibt außerdem Gefühle, die im Kopf entstehen: psychische Regungen. Beispiele sind Liebe, Angst, Glück oder Dankbarkeit. Und es gibt Gefühle, die nicht näher zu erklären sind. Diese drücken sich häufig in Vorahnungen aus, dass etwas nicht gut gehen könnte, oder in Beklommenheit, weil das Gegenüber mutmaßlich etwas verschweigt. Diese dritte Gefühlsebene macht sich beispielsweise die Werbung zunutze, indem sie eine Wohlfühlatmosphäre mit schöner Musik und bunten Bildern schafft. Das soll uns emotional ein gutes Gefühl in Verbindung mit dem Produkt vermitteln. Die gegensätzliche Strategie wenden Nichtregierungsorganisationen (NGO) an, wenn sie eine "klassische" Produktion von Lebensmitteln mit dunklen Bildern und furchterregender Musik wie in Horrorfilmen untermalen.

Es ist der Werbebranche und NGO nicht verboten, Trugbilder zu ihrem Vorteil zu malen, aber wenn Politiker anfangen, aufgrund einer unspezifischen Gefühlslage der Bevölkerung Entscheidungen zu treffen, sind echte Sorgenfalten angebracht. "Glyphosat ist politisch ein totes Pferd", erklärte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) bei der Vorstellung des Aktionsprogramms Insektenschutz, obwohl die allermeisten Fachleute angeben, dass Glyphosat bei sachgerechter Anwendung unbedenklich sei. Das Gleiche gilt für den Einsatz von Neonicotinoiden im Rapsanbau.

Selbst die CSU hat sich einen grünen Anstrich verpasst, nachdem die Bayern im Volksbegehren ihr Gefühl zum Ausdruck gebracht haben, dass es den Bienen ja irgendwie schlecht gehe und etwas dagegen getan werden müsse. Und es funktioniert! Bayerns sonst so urig-spröder Ministerpräsident Markus Söder (CSU) präsentierte sich in den vergangenen Wochen als grüner Antreiber und erntet ungeahnte Höhenflüge bei seinen Beliebtheitswerten: Im Politbarometer September der Forschungsgruppe Wahlen zog er mit Platz sieben sogar in die Top Ten ein.

Auch beim Klimawandel herrscht derzeit Gefühlsaktionismus. So will das von Andreas Scheuer (ebenfalls CSU) geführte Verkehrsministerium den Kauf von E-Autos mit Milliardeninvestionen subventionieren. Dabei ist der Klimavorteil von E-Autos umstritten. Viele Studien zeigen, dass sich CO2-Einsparungen im Vergleich zum Verbrenner erst ab einer Laufleistung von zirka 100.000 km einstellen. Und da E-Autos überwiegend als Alternative für den Stadtverkehr zum Einsatz kommen, steigen deren Tachostände nur langsam. Fast wohltuend nüchtern kommt da ein vermeintlich gescheiterter Windgipfel von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) daher. Doch vielleicht verfällt er einfach nicht in Gefühlsaktionismus, sondern wägt Fakten und Interessen ausgiebig gegeneinander ab, bevor Entscheidungen getroffen werden?

Politiker sollten sich weniger von unspezifischen Gefühlslagen leiten lassen. Natürlich sind auch Empfindungen der Bürger ernst zu nehmen. Aber anstatt sich indirekt von NGO treiben zu lassen, sollten sie versuchen, die Gefühle der Bürger zu verändern, indem sie zum Beispiel mit Fakten dagegenhalten. Oder fehlt es den Volksvertretern heutzutage am nötigen Fachwissen?

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