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Mechthilde Becker-Weigel. Foto: Archiv

Im Rheinland waren am vorigen Wochenende die Umweltaktivisten los. Tausende Menschen haben am Braunkohletagebau Garzweiler für einen sofortigen Kohleausstieg demonstriert. Einigen Hundert gelang es, die Polizeiabsperrung zu durchbrechen, ins Abbaugebiet einzudringen und Kohlebagger zu besetzen. Auch über 500 Teilnehmer der Aktion "Ende Gelände" haben während des Demonstrationszuges ihren Weg über Ackerflächen und mitten durch landwirtschaftliche Kulturen gesucht. Dabei ist Flurschaden entstanden. Unter anderem zog der Protestzug über Flächen des als Bauer Willi bekannten Agrarbloggers Willi Kremer-Schillings. Auf den Feldern sind erhebliche Trampelschäden entstanden, unter anderem in Speisemöhren und Weizen. Zudem haben die Umweltaktivisten in der Umgebung große Mengen an Müll hinterlassen.

Die Geschehnisse sind in zweierlei Hinsicht speziell. Ausgerechnet die Möhrenfelder von Bauer Willi, dem Agrarblogger und im besten Sinne Landwirtschaftsaktivisten, hat es getroffen. Der Tagebau rückt den Landwirten und Bewohnern dieser Region seit Generationen immer näher und droht in vielen Fällen mit dem Verlust von Land und Hof. Um in diesem Bild zu bleiben, sorgen jetzt ausgerechnet die Umweltaktivisten dafür, dass die Landwirte durch die Protestaktion ihrer Ernte beraubt werden. Natürlich geht es bei der Aktion nicht darum, Möhrenfelder gegen Klimawandel abzuwägen. Es geht aber darum, dass eine zusehends wachsende Gruppe von Menschen, die sich Umweltaktivisten nennt, sich damit auf der guten Seite der Macht wähnt und meint, sie könne durch Ignoranz und Missachtung gesetzlicher Regeln sowie eines Minimums an gesellschaftlichem Anstand eigene Abwägungen vornehmen.

Eine Sprecherin von "Ende Gelände", Kathrin Henneberger, betonte, dass sich betroffene Landwirte an die Organisation wenden könnten. Die Schäden würden dann vor Ort eingeschätzt und Entschädigungen mit den Landwirten vereinbart. Das Geld für die Entschädigungen kommt nach Angaben von Henneberger aus Spenden. Das ist professionell. Die entstandenen Schäden auf den Feldern werden von den Umweltaktivisten als Kollateralschaden verbucht und vorweg einkalkuliert, wie in einem Geschäftsmodell. An diesen Aktionen und den anschließenden Reaktionen zeigt sich, dass sich die Qualität der Demonstrationen geändert hat. Dazu gehören leider auch die Stalleinbrüche. Die Aktivisten legen ihre eigenen Maßstäbe an und nehmen Handlungsraum in Anspruch, der anderen nicht zugestanden wird. Die Aktivitäten werden medial abgearbeitet. Die Skala der Bewertung sind die Medienresonanz, Klicks und Likes in den Social-Media-Kanälen. Die Gruppen arbeiten immer stärker daran, die Deutungshoheit in den Medien zu gewinnen. So hatte "Ende Gelände" sich selbst beim Marsch durch die Felder gefilmt und das Video ins Netz gestellt. Es ist inzwischen wieder gelöscht. Ob dahinter gar die Einschätzung stand, dass die übermittelten Bilder der Gruppe schaden könnten?

Es entbehrt nicht einer gewissen Arroganz und Respektlosigkeit gegenüber den Landwirten, einfach die Haltung einzunehmen, mit Geld lasse sich alles regeln. Das zeigt nicht nur eine Haltung geringer Wertschätzung und mangelnder Loyalität gegenüber dem Eigentum und Interessen anderer. Das eigene Ziel des Klimaschutzes wird durch dieses Verhalten genauso konterkariert.

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