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Der Auftritt von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner wurde von den Deligierten enttäuschend aufgenommen. Foto: agra-europe

Mechthilde Becker-Weigel. Foto: Archiv

Der 87. Deutsche Bauerntag 2019 hat vorige Woche im sächsischen Schkeuditz bei Leipzig stattgefunden. Unter dem Motto "Wandel braucht Verlässlichkeit" haben die rund 500 Delegierten aus ganz Deutschland über die Zukunft der Landwirtschaft diskutiert. Die Topthemen waren Klimaschutz und Artenvielfalt. "Wir sind bereit zur Veränderung und brauchen dafür verlässliche und langfristig angelegte Rahmenbedingungen, um die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe zu erhalten", sagte Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV). Auch der Präsident des gastgebenden Landesbauernverbandes Sachsen und DBV-Vizepräsident Wolfgang Vogel betonte Bereitschaft zur Veränderung unter Berücksichtigung ökonomischer Notwendigkeiten: "Sachsens Bauern stehen zu einer nachhaltig ökonomischen und ökologischen Landwirtschaft, die auf die Erhaltung des bäuerlichen Eigentums gerichtet ist. Sie stehen außerdem zu ihrer Verantwortung zur Erzeugung gesunder und hochwertiger Lebensmittel." Die Botschaften sind wahr und richtig. Dass die Landwirtschaft Verlässlichkeit braucht, ist eine Grundvoraussetzung, und dass es um Wandel geht, ist allen Beteiligten seit Langem klar. Soweit nichts wirklich Neues. Das sagten auch die Teilnehmer, die Delegierten des Bauerntages.

Die Abstimmungskarten blieben diesmal ungenutzt im dafür vorgesehenen Einschieber der Programmhefte stecken. Das gibt es selten bei einem Bauerntag, und es wurde einschlägig von den Teilnehmern bewertet. "Bei einem Bauerntag ohne Abstimmungen und Beschlüsse fehlt etwas", hieß es aus verschiedenen Ecken der Delegierten. Gastrednerin beim Begegnungsabend war Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). Sie griff die Aussage von Rukwied auf, dass Landwirte bereit seien, noch mehr für Klimaschutz, Artenvielfalt und Tierwohl zu leisten. Klöckner zeigte Verständnis für den enormen Druck, unter dem die Landwirte stehen, unter anderem durch die gesellschaftlichen Erwartungen, die in lauten Tönen und vielen unfairen Debatten in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Sie unterstützte die Aussage von Rukwied, dass es ohne Pflanzenschutzmittel in der Landwirtschaft nicht möglich sei, die Erträge zu sichern. Doch was die Landwirtschaftsministerin nicht gesagt hat, war viel interessanter: Dass sie morgens in Berlin ein Gespräch mit Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel (CDU) und Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) darüber hatte, wie der endgültige Glyphosatausstieg gestaltet werden soll. Davon erfuhren die Teilnehmer des Bauerntages erst aus den Medien. Dadurch fühlten viele Teilnehmer sich von ihrer Ministerin hintergangen.

Was bleibt vom Bauerntag 2019? Das sind die Gespräche am Rande von Bauer zu Bauer, über die Situation, wie sie ist, und darüber, was man machen muss an der Basis. Denn dort bewegt sich etwas, und das ist ein gutes Zeichen für Aufbruch und Wandel. Als Unternehmer, die eine klare und ehrliche Sprache verstehen und die vor wirklich schweren gesellschaftlichen Herausforderungen stehen, fühlten viele sich nicht angesprochen in Schkeuditz. Die Delegierten hätten mehr ausgehalten an Diskrepanz, Diskussionen und Entschlüssen. Die Wohlfühlzone wurde nicht verlassen.

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