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Sönke Hauschild. Foto: Archiv

Der Verbraucher hat über seine Geldbörse den größten Einfluss darauf, wie unsere Landwirtschaft sich entwickelt. Foto: pixabay

Offenbar sehnt sich der Bürger nach einer Landwirtschaft zurück, wie sie nie war. So fordern 18,4 % der wahlberechtigten Bayern in einem Bürgerbegehren 30 % Ökolandbau. Doch so groß die Sehnsucht auch sein mag, sie reicht bisher nicht, den Ökoanteil beim Einkauf zumindest auf diese 18,4 % zu heben. Besonders bei Fleisch bleibt der Bioanteil mit weniger als 2 % nachhaltig gering. "Wat dien is, dat is mien. Aber wat mien is, geit di goar nix an", kommentierte ein Bauer die Entwicklung.

Doch nicht Prozentzahlen, sondern Begriffe malen Bilder. Framing nennt man es, wenn mit Worten manipuliert wird, wenn Worte ein Deutungsraster vorgeben. Ganz normale Betriebe werden heute als industriell bezeichnet. Mit Absicht, denn das Wort malt ein Bild. Klaus-Peter Dau hat auf dem Kreisbauerntag in Schleswig erklärt, warum Bauern so wirtschaften, wie sie es tun: "Unsere Lebensmittel werden immer billiger, die Kosten steigen ins Unermessliche, und somit wird unsere Marge immer kleiner. Das ist ein Grund, warum Betriebe immer weiter wachsen. Wir werden wachsen müssen, aber mit Vorsicht und bezahlbar."

Bauernverbandspräsident Werner Schwarz nennt die heutige Landwirtschaft professionell statt industriell. Merkmale einer Profession seien ein hoher Grad an beruflicher Organisation, die persönliche Entscheidungsfreiheit im Beruf sowie eine Berufsethik. Man kann es als Bedeutungsraster verstehen. Denn das ist es, was den Beruf bis heute so besonders macht, dass man selbst schlecht gemalte Bilder aushält. Professionalität verpflichtet. Sie bedeutet, exzellent ausgebildet zu sein. Und sie geht einher mit einem Bekenntnis zu gesellschaftlichen Anforderungen. So hätten die Bauern in Bayern beim Bürgerbegehren auch mitreden können. Die Bauern im Norden sind weiter und haben nach der bundesweit beachteten Allianz für den Gewässerschutz einen landesweiten Pakt für Landwirtschaft, Klima und Umwelt angeschoben.

Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) hat den Ball Ende 2018 aufgenommen und 40 Gruppen eingeladen, die seiner Ansicht nach die Gesellschaft vertreten. Beim nächsten Treffen geht es um das Verbraucherverhalten. Das ist richtig so, denn die wirkliche Verantwortung liegt beim Bürger, nicht bei den Schutzorganisationen. Der Verbraucher hat über seine Geldbörse den größten Einfluss darauf, wie unsere Landwirtschaft sich entwickelt: Ein Bauer, dem man die Ökonomie nimmt, kann für die Ökologie nichts mehr tun. Ausgehen müssen wir dabei von den heutigen Betrieben. Wer heute noch da ist, der hat ohne Frage vieles richtig gemacht. Wenn aber diese Betriebe keinen Weg in die Zukunft finden, gehört die heimische Landwirtschaft bald der Vergangenheit an.

Lassen wir den Bürger nicht nur abstimmen, sondern im Alltag entscheiden, auch wenn das manche Sehnsuchtsblase zum Platzen bringen wird. Richtig ist eine Produktkennzeichnung, die dem Verbraucher überlässt, ob und wo er einen Mehrwert bezahlen will. Richtig ist das Angebot an Bürger, gegen Entgelt Blühpate zu werden. Ziel muss es sein, dass die unerfüllbare Sehnsucht einer Begeisterung für die Realität weicht, in der Bauern ihren Beruf als Profession sehen. Dann kann heute die gute alte Zeit von morgen sein.

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