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Sönke Hauschild. Foto: archiv

Die Ausgaben der privaten Haushalte für Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren betrugen im Jahr 2017 im Schnitt exakt 226,16 € im Monat. Foto: pixabay

60 % der Deutschen kaufen beim Discounter. Der reichste Deutsche? Dieter Schwarz, Eigentümer von Lidl. 1 % des Schweinefleisches wandert als öko über den Tresen. 20 % der Verbraucher würden für "bessere" Lebensmittel gern mehr ausgeben. Dem Ernährungsreport 2018 zufolge würde die Hälfte der Konsumenten 2 bis 5 €/kg Fleisch draufzahlen, wenn die Tiere besser gehalten würden. Aber sie tun es nicht. Zugleich nimmt die Kritik an der Landwirtschaft Ausmaße an, die eigentlich in einer sofortigen Kaufverweigerung für Discountprodukte münden müssten. Die Zahl der Negativmeldungen und der aktuelle Alarmismus lassen Erinnerungen an die BSE-Zeit wach werden. Nahrungsmittel sind nach Aussage aller Fachleute von Greenpeace, BUND oder Foodwatch geradezu gefährlich für den Konsumenten!

Doch während Medien regelmäßig auf solche Meldungen reagieren, bleibt der Konsument seinen Gewohnheiten und damit dem Discounter treu: Immer noch ist der Preis das bestimmende Element beim Lebensmittelkauf. Deshalb ist Dieter Schwarz und nicht der Chef irgendeiner Feinkostkette der reichste Deutsche.

Das alles lässt nur einen Schluss zu: Die Konsumenten gruseln sich bei Greenpeace, aber vertrauen unseren Produkten. Sie kaufen günstig, weil sie sich sicher sind, dass auch bei Billigpreisen keine Gefahr für Leib und Leben droht. Der Mehrwert von saisonal, öko und regional ist vielen klar. Und doch reicht das für die überwiegende Mehrheit nicht, ihr Einkaufsverhalten stärker daran zu orientieren. Es schmeckt eben nicht anders. Es ist nicht gesünder. Es ist aber teurer.

Der Erfolg der Discounter zeigt vor allem eines: das unerschütterliche Vertrauen des deutschen Verbrauchers in die deutsche Landwirtschaft. Und das zu Recht. Mal ehrlich: Haben Sie Angst vor der Umverpackung einer Salatgurke? Nein. Verbraucherschützer sagen, die Gefahr einer Lebensmittelverunreinigung durch die Verpackung sei heute größer als die Gefahr, dass es durch landwirtschaftliche Prozesse verunreinigt werde. In der Tat sind die Rückstände an Pflanzenschutzmitteln oder Medikamenten gleich null, ebenso die an natürlichen Pilzgiften beispielsweise.

Die Ausgaben der privaten Haushalte für Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren betrugen im Jahr 2017 im Schnitt exakt 226,16 € im Monat. Würde der Verbraucher seine Zahlungen verdoppeln, kämen 452,32 € zusammen. Bei diesen Zahlen wird deutlich: Das wird nichts. Zugleich aber geben Deutsche genauso viel Geld für Tiernahrung aus, wie der Bauer jährlich aus Brüssel bekommt. Und sie tun dies gern. Je Haushalt sind es weniger als 10 € im Monat für die Bauern, für die Haustiere etwas mehr.

Eine traurige Wahrheit enthält diese Entwicklung: Liebe geht heute durch den Tiermagen. Für den Menschen scheint die Liebe zum Geldbeutel größer als die Liebe zum eigenen Magen. Aber die Landwirtschaft liefert so viel mehr als die oben beschriebenen guten Nahrungsmittel. Wir sollten schnell begreifen, dass der Mehrwert der Landwirtschaft nicht allein im Nährwert der Produkte besteht. Sollte uns das nicht den Preis von zwei Schachteln Zigaretten im Monat wert sein? Gesünder ist es allemal.

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