Zur Navigation springen Zum Inhalt springen

Zu Europa hatten die Briten schon immer ein schwieriges Verhältnis. Foto: pixabay

Es scheint mit dem Vereinigten Königreich fast so zu gehen wie bei einer guten Familienfeier: Das Verabschieden dauert immer am längsten. Der offizielle Abschied von der Großfamilie Europäische Union begann am 23. Juni 2016, als sich bei einem unverbindlichen Referendum im Vereinigten Königreich 51,89 % der Wähler für den Austritt aus der EU aussprachen.

Premierministerin Theresa May leitete daraufhin den Austrittsprozess aus EU und Euratom durch schriftliche Mitteilung an den Europäischen Rat in die Wege. Damit fiel der Austrittstermin am Ende der vertraglich vorgesehenen zweijährigen Verhandlungsperiode auf den 29. März 2019. Das wäre in dieser Woche gewesen, an diesem Freitag. Allerdings zieht sich der Abschied noch etwas hin. Der Europäische Rat und die britische Regierung haben sich jetzt auf eine Verschiebung des Termins auf frühestens den 12. April 2019 geeinigt.

So schwer es offenbar ist, die EU zu verlassen, so schwierig war es für Großbritannien auch, in die EU aufgenommen zu werden. Am 9. August 1961 hatte das Vereinigte Königreich seinen ersten Aufnahmeantrag an die damals noch Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) gestellt, weil man fürchtete, den wirtschaftlichen Anschluss an Europa zu verlieren. Das Nachbarland Irland hatte die Mitgliedschaft bereits am 31. Juli beantragt. In der Abstimmung am 14. Januar 1963 scheiterte die Aufnahme Großbritanniens am Veto Frankreichs. Der französische Staatspräsident Charles de Gaulle war gegen einen britischen Beitritt in die EWG. Er fürchtete um Frankreichs Position in der Gemeinschaft und dass durch die engen angloamerikanischen Beziehungen der Einfluss der USA in Europa wachsen würde.

Am 11. Mai 1967 stellte Großbritannien erneut einen Beitrittsantrag an die jetzt Europäische Gemeinschaft (EG). Frankreich stand dem wiederum ablehnend gegenüber, das Veto blieb bestehen und wurde bei der Sitzung des Ministerrats am 19. Dezember 1967 formell eingereicht. Nachdem Charles de Gaulle 1969 zurückgetreten war, starteten die Briten einen weiteren Anlauf. Im Jahr 1973 hatte Großbritannien Erfolg, am 22. Januar war es so weit mit dem Beitritt in die EG.

Das Vereinigte Königreich hat auch Brexit-Erfahrung. Bereits zwei Jahre nach dem Beitritt fand 1975 schon einmal ein Referendum zum Verbleib in der EG statt. Damals stimmten am 5. Juni 67 % der britischen Wähler für einen Verbleib.

Ohne zerbrochenes Geschirr wird dieser Abschied nicht über die Bühne gehen. Für die EU ist es wichtig, dass die Fliehkräfte beim Austritt des drittgrößten Mitglieds nicht zu stark befeuert werden und das politische Ordnungsmodell der Zukunft stören. Bei der Neuaushandlung der Beziehungen zwischen der EU-27 und Großbritannien darf die EU kein Interesse daran haben, Politik in Europa künftig ohne die Briten zu machen. Das würde auch lange Schatten auf die EU-Landwirtschaft werfen, die vielmehr starke Anreize für eine Zusammenarbeit braucht.

nach oben

Hinweis zur Nutzung von Cookies

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter.