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Bauernverbandspräsident Werner Schwarz bei seiner Rede auf dem Landesbauerntag 2019. Foto: Ulrike Baer

Mechthilde Becker-Weigel. Foto: Archiv

Der gesellschaftliche Klimawandel in Bezug auf die klassische Landwirtschaft ist in vollem Gange. Mit diesen Worten eröffnete Werner Schwarz den 70. Landesbauerntag Schleswig-Holstein am vorigen Freitag. Damit war gleichzeitig die Botschaft gezündet: Es geht nicht weiter so. Zwischen Landwirtschaft und Politik, Umwelt, Naturschutz, Gewässerschutz, Tierhaltung, Pflanzenbau, Pflanzenschutz, Düngung, Wolf, Wildgans, Bienen, Klimaschutz hat sich in den vergangenen Jahren ein Graben aufgetan, der mittlerweile an vielen Stellen unüberwindbar scheint. Auf beiden Seiten stehen die Bauern und Experten aus der Wissenschaft, die ihre Meinung vertreten, gestützt auf Ausbildung, Erfahrung und Beruf, auf der anderen Seite stehen große Teile der Gesellschaft, selbst zuweilen die Politik, selbsternannte Aktivisten und NGO, meist Autodidakten, die eine Meinung vertreten, die auf nicht selten unwahren Informationen aus Publikumsmedien beruht, Propagandamaterial und Emotionen.

Dabei zeigt das Interesse der Gesellschaft an landwirtschaftlichen Themen grundsätzlich die hohe Bedeutung der Branche. Doch schwindet in der urbaner werdenden Gesellschaft das Primärwissen um Landwirtschaft und das oftmals idealisierte Bild hält der Realität kaum Stand. Das macht Forderungen unrealistisch und die Auseinandersetzung schwierig. Selbst Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) stellte auf dem Landesbauerntag fest, dass das Verbraucherverhalten keine Anerkennung für Leistung und Produktion der Landwirtschaft zeige, was sich im Preis niederschlage und definitiv nicht so bleiben könne.

Unterstützung kam selbst vom linken Ufer der politischen Meinung. Auch der Publizist Albrecht von Lucke sagte auf dem Landesbauerntag, ein Weiter-so gebe es nicht, wenn die Landwirtschaft aus der Krise der fehlenden Wertschätzung für Lebensmittel herauskommen wolle. Er konfrontierte die Bauern mit ihrer Eigenverantwortung indem er fragte, wieso sie so lange einfach zugesehen hätten. Die große Aufgabe sei jetzt, die Verhältnisse der Lebensmittelpreise den Anforderungen an die Produktion wieder anzupassen.

Es wird höchste Zeit, die gegenseitige Wahrnehmung zu schärfen. Das Verhältnis zwischen urbaner Bevölkerung und Landbevölkerung ist kein neues Thema. Die enge Verkettung und gegenseitige Abhängigkeit wurde bereits vor 70 Jahren auf dem Bauerntag in Schleswig-Holstein angesprochen. "Des Landmanns Lohn, des Städters Brot wachsen auf einem Halm", unter diesem Motto stand der Rendsburger Bauerntag 1949. Ministerpräsident Bruno Diekmann (SPD) sprach damals vom Ernst der deutschen Ernährungslage und richtete an die Bauern die Bitte, alles zu tun, um ihre Produktion
zu steigern. Landesbauernpräsident Detlef Struve sprach damals die Landmaschinenindustrie an, moderne Maschinen zu erträglichen Preisen zu konstruieren, um die Voraussetzungen für eine
Ertragssteigerung zu schaffen. Diese Situation hat sich zum Glück entspannt, durch Leistungsfähigkeit und sichere Produktion unserer Landwirtschaft. Das Verhältnis zwischen Landmann und Städter bleibt für immer gültig. Aber so wie jetzt kann es nicht weitergehen, wenn man an einem Halm hängt.

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