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Liebe Leser,

der demografische Wandel bringt große Probleme für die ländlichen Räume mit sich. Als Horrorszenario drohen entvölkerte Landstriche mit überalterter Restbevölkerung und fehlender Infrastruktur. Da überrascht es doch, dass ein namhafter Volkswirtschaftler jetzt ein Buch herausgebracht hat mit dem Titel "Der Untergang ist abgesagt". Prof. Thomas Straubhaar will darin solche "Mythen des demografischen Wandels" entkräften und macht auf die Chancen dieser Entwicklung aufmerksam. Unterdessen ist man bei verschiedenen Dorfprojekten schon ganz praktisch dabei, den Untergang abzusagen.

Es ist eine bittere Wahrheit: Ein Wandel in der demografischen Zusammensetzung der Bevölkerung in Deutschland ist nicht aufzuhalten. Man kann nur versuchen, mit ihm klarzukommen. Wandel - das bedeutet aber nicht notgedrungen Untergang, ja es kann sogar Verbesserungen mit sich bringen. Ein paar der Thesen von Straubhaar: Eine Schrumpfung der Bevölkerung mindere nicht deren Wohlstand, denn pro Kopf werde für alle mehr verfügbar sein. Auch zunehmende Alterung sei keine Bedrohung, denn die Menschen bleiben länger gesund und fit. Und besonders brisant: Eine gleichwertige Versorgung wie in der Stadt sei auf dem Lande nicht zu leisten. Anstatt in der Fläche Institutionen aufrechtzuerhalten, sollte man die Mobilität in die Zentren fördern, wo die Versorgung effektiver, vielfältiger und qualitativ besser sei, so der Autor.

Thesen wie diese sind zugespitzt, sie reizen zum Widerspruch und sind durchaus kontrovers diskutierbar. Das Erfrischende dabei: Sie öffnen den Blick für neue Möglichkeiten, sie machen Mut, Herausforderungen anzupacken und positiv die Zukunft anzugehen. Kurz gesagt: Sie legen eine Spur.

So weit die Sichtweise "von oben" auf die Dinge. Was tut sich "unten"? Da überlegen sich ein paar Leute: Wenn der Bus so selten fährt, warum nehmen wir dann nicht öfters die Nachbarn im Auto mit? Und sie installieren eine "Mitfahrbank" mit bunt gemaltem Schild. Wenige Kilometer weiter hat man eine ähnliche Idee: Für viele Senioren sind die 5 km zum nächsten Supermarkt beschwerlich. Jeden Mittwochvormittag soll nun eine Fahrt organisiert werden, Anmeldung per Telefon. Vier Freiwillige wechseln sich mit dem Fahren ab. Keine GmbH wird gegründet, keine Anschubfinanzierung ist nötig, kein Kredit, kein Rechtsgutachten. Die Bürgermeister unterstützen die Projekte und spenden damit offiziellen Segen.

Ob solche Mobilitätsprojekte Bestand haben, wird sich zeigen. Sie zu belächeln, wäre allerdings neben der Spur. Was sie sympathisch macht, ist gerade das unkomplizierte Ausprobieren. Jemand hat eine Idee und sagt: "Hört mal, wie wäre denn das?" Man geht aufeinander zu im Dorf und bezieht alle ein, auch die, die man noch nicht kennt. Das wird in Zukunft mehr denn je gebraucht werden. Denn der demografische Wandel erfordert nicht nur einen Wandel in den Strukturen, sondern vor allem einen Wandel im Denken.

Herzlichst Ihr

Tonio Keller

Redakteur

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