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Ebenfalls nachhaltig: 2016 starteten Landesregierung und Bauernverband ein Projekt mit dem Ziel, Kinder auf den Bauernhof zu holen. Jetzt soll es konkret werden. Foto: Tonio Keller

Tonio Keller. Foto: Archiv

Nachhaltigkeit ist heute in aller Munde, und mehr noch, sie soll das Kriterium sein für quasi alles, was passiert: von nachhaltiger Architektur über nachhaltige Ernährung, Geldanlagen, Kleidung und Tourismus bis zu nachhaltigen Bikinis, Luftballons oder Zahnpasta, die man ebenfalls bei Google findet. Und natürlich soll die Landwirtschaft nachhaltig sein. Ja, was denn sonst?

Der Begriff wurde vor rund 300 Jahren in der Forstwirtschaft geprägt, als man einsah, dass man nicht nur abholzen kann, sondern auch gezielt pflanzen muss, wenn man nicht irgendwann vor nur noch holzfreien Hügeln stehen will, wie es im Mittelmeerraum schon der Fall war. Heute wachsen auch in Italien wieder mehr Wälder als zu meiner Jugendzeit. Eine kluge Einstellung also und eigentlich, sollte man meinen, eine Selbstverständlichkeit für verantwortungsvolles Wirtschaften und gute fachliche Praxis. Dass so viel Gerede darum ist, legt nahe, dass offensichtlich doch vieles im Argen liegt und Handlungsbedarf besteht.

Die Frage ist nur, was mit Nachhaltigkeit gemeint ist und wer die Deutungshoheit darüber hat. "Im öffentlichen Bewusstsein wird Ökolandbau oft pauschal als nachhaltig verstanden und konventionelle Landwirtschaft nicht. Doch im Sinne der Nachhaltigkeit machen die konventionellen Betriebe nicht alles falsch und die ökologischen nicht alles richtig", sagt Bauernverbandspräsident Werner Schwarz. Er weist darauf hin, dass auch Biobetriebe ökonomischen Zwängen unterworfen sind und dass die Ernährung der Bevölkerung etwa im Ruhrgebiet rein durch Ökolandbau und noch dazu regional nicht zu bewerkstelligen wäre, geschweige denn in den Riesenmetropolen der Welt. Bio steht in der Öffentlichkeit mit weißer Weste da, während "Buhmann Konventionell" als Schwarzer Peter die Aufgabe hat, trotzdem den Bedarf zu decken. Es ist nicht nachhaltig, wenn man auf dem vermeintlich Nichtnachhaltigen herumhackt und ihn gleichzeitig braucht.

Damit soll nicht gesagt sein, dass es keinen Handlungsbedarf in der Landwirtschaft gebe. Tierwohl, Düngung und Artenschutz brauchen intelligente neue Lösungen und die Bereitschaft zu Veränderungen. Dazu wäre eine kritische, aber ergebnisoffene Diskussion beider Seiten angesagt. "Wenn die konventionellen Landwirte versuchen, mehr Aspekte aus der Ökolandwirtschaft zu übernehmen, und die Biobetriebe bereit sind, auch hocheffiziente Technik einzusetzen, könnten wir uns in der Mitte treffen", sagt Werner Schwarz. Ein Schritt dahin wäre, der konventionellen Landwirtschaft ebenfalls Nachhaltigkeit zuzutrauen. Zum Beispiel, indem man für das Zertifikat "norddeutsch und nachhaltig" (NUN) auch dafür offene konventionelle Betriebe in Betracht zieht.

2016 wurde von den damaligen Landesministern für Landwirtschaft, Dr. Robert Habeck (Grüne), und Bildung, Britta Ernst (SPD), zusammen mit dem Bauernverband der Startschuss für eine groß angelegte Initiative gegeben. "Jedes Schulkind einmal auf einem Bauernhof" war das gemeinsame Ziel. Kinder sollten verstehen, wo ihr Essen herkommt und wie moderne Landwirtschaft betrieben wird – auch dies ein Projekt mit Nachhaltigkeit. Jetzt, knapp drei Jahre später, finden konkrete Gespräche darüber statt, und in den Landeshaushalt 2019 sind – erstmals! – 50.000 € dafür eingestellt. Nachhaltigkeit könnte man also auch so übersetzen: "Was lange währt, wird endlich gut."

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