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Ställe mit Zäunen abzuschotten, ist keine Lösung. Foto: pixabay

Dr. Robert Quakernack. Foto: Archiv

Tierrechtler haben es sich zur Aufgabe gemacht, vermeintliche Tierschutzverstöße auf Bauernhöfen aufzudecken. Dafür wählen sie oft zwielichtige Methoden wie nächtliche Stall­einbrüche. Mehrfache Verurteilungen wegen Hausfriedensbruchs zeigen bislang kaum eine abschreckende Wirkung. Im Gegenteil: In der Szene scheint das Eindringen in fremdes Eigentum höchstens als Kavaliersdelikt zu gelten. Die Verurteilten können sich sogar des Respekts und der Bewunderung Gleichgesinnter sicher sein. Ein neues Level erreichte kürzlich die Stallbesetzung von mehr als 100 Aktivisten auf einem Schweinebetrieb in den Niederlanden am helllichten Tag.

Tierhaltungsgegner verstehen sich als Beschützer wehrloser Nutztiere. Die Rechtsbeugung beim Einbruch ist aus ihrer Sicht legitim und wurde auch von Gerichten schon so beurteilt, wenn dadurch Verstöße gegen die Tierschutznutztierhaltungsverordnung nachgewiesen wurden. Diese Sichtweise ist jedoch in mehrfacher Weise problematisch. Zum einen werden der Rechtsstaat und sein Gewaltmonopol ausgehöhlt. Zum anderen wird kein Unterschied gemacht zwischen Personen des öffentlichen Lebens und Landwirten, bei denen Ställe oft in direkter Nähe zum privaten Wohnhaus liegen. Bauernfamilien Wallraff-Methoden auszusetzen ist unverhältnismäßig!

Woher rührt die "flexible" Rechtsauffassung der Aktivisten? Eine Teilverantwortung tragen Meinungsmacher, wenn sie einseitig Kampfbegriffe wie "Qualzucht" oder "Turbokuh" verwenden. Das heizt die notwendige Diskussion um die kontinuierliche Weiterentwicklung der Haltungssysteme unnötig auf und zielt auf Eskalation. Von Übertreibungen und Falschzeichnungen geleitete Tierschützer sehen Halter daher nicht selten als raffgierige Menschen, die ihre Tiere ausbeuten, nur um Gewinne zu maximieren.

Wenn Landwirte wiederum gegenüber Kritikern ausschließlich belehrend und voreingenommen auftreten, fühlen sich diese schnell bestätigt. Sollte es nicht Strategie sein, auch im harten Meinungsaustausch ruhig und freundlich zu bleiben? Das Überraschungsmoment wäre vermutlich auf der Seite des Tierhalters. Die Alternative hieße doch letztlich Abschottung: den Stall mit Kameras spicken, den Hof umzäunen und in einen Hochsicherheitstrakt verwandeln. Das kann nicht die Lösung sein.

Menschen wünschen sich oft leichte Antworten auf komplizierte Fragen. Abzuwägen und Kompromisse zu suchen kommt hingegen nicht an. Auch das Image der Landwirtschaft leidet darunter. Denn gerade die Arbeit mit Tieren und Pflanzen ist ein Dauerkompromiss. Die Landwirtschaft wird also auch in Zukunft viel Angriffsfläche für Kritik bieten. Wer jedoch mit den geltenden Rahmenbedingungen nicht einverstanden ist, muss Druck auf den Gesetzgeber machen oder sich selbst politisch engagieren. Wenn jede Interessengruppe eine Art Bürgerwehr bilden würde, um ihre Ansichten durchzusetzen, regierte am Ende das Chaos.

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