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Tonio Keller. Foto: Archiv

BNUR-Leiterin Anne Benett-Sturles (li.) und NUN-Geschäftsführerin Heike Hackmann organisieren die Qualitätszertifizierung "norddeutsch und nachhaltig". Foto: Tonio Keller

Es sollen wirklich schon Kinder geglaubt haben, Kühe seien lila – ein Extrembeispiel dafür, wie weit sie von den Grundlagen der Natur entfremdet sind. Kindgerecht aufzuklären, ist daher das Bestreben von Landwirten ebenso wie von Umweltschützern. Es drängt sich allerdings der Eindruck auf, dass die beiden bislang nicht am selben Strang ziehen.

Mit Angeboten wie "Kinder auf dem Bauernhof" vermitteln Landwirte, wo die Milch herkommt und wo das Getreide für das Brot wächst. Gleichzeitig wird über das Bildungszentrum für Natur, Umwelt und ländliche Räume (BNUR) seit 2005 das Zertifikat "Bildung für nachhaltige Entwicklung" (BNE) an außerschulische Lernorte vergeben, die bestimmten pädagogischen und inhaltlichen Qualitätsanforderungen genügen – inzwischen unter der Bezeichnung "norddeutsch und nachhaltig" (NUN). 46 Einrichtungen in Schleswig-Holstein führen aktuell dieses Siegel, das Bauernblatt startet in dieser Ausgabe eine Serie dazu. Unter den Zertifikatsträgern befinden sich neben einigen mit sozialem, historischem oder abfallwirtschaftlichem Schwerpunkt hauptsächlich naturpädagogische Einrichtungen, auch Biobauernhöfe, aber keine konventionellen landwirtschaftlichen Betriebe.

Verwunderlich ist dies nicht, spiegelt es doch die Kluft wider, die auch die Gesellschaft spaltet. Nachhaltig zu wirtschaften strebt jeder Landwirt an, der verantwortungsvoll in die Zukunft schaut. Doch was darunter zu verstehen sei, sieht er wohl anders als ein Umweltschützer, dem Begriffe wie "Massentierhaltung" selbstverständlich von den Lippen gehen. Umgekehrt wird dieser dem Schutz von Wildarten eine höhere Wertigkeit zumessen als ökonomischen Zwängen des Landwirts.

Nun äußert man beim BNUR den Wunsch, mehr den Aspekt "Nachhaltigkeit in moderner Landwirtschaft" in das NUN-Siegel einzubeziehen, und sucht dafür Partner. Eine Naturpädagogin in Angeln hat bisher vergeblich versucht, Kindergärten aus umliegenden landwirtschaftlich geprägten Gemeinden zur Teilnahme an ihrem Programm zu gewinnen. Sind solche Handreichungen einfach nur naiv und wirklichkeitsfremd? Soll man sich damit abfinden, dass Landwirtschaft und Umweltschutz nebeneinanderher agieren, und schon froh sein, wenn sie einander nicht geradezu bekämpfen?

Tatsächlich könnte sich ein Aufeinandertreffen als schwierig erweisen, schon aufgrund der jeweiligen Sprache. Und gewiss lassen sich bestimmte Sichtweisen nicht zur Deckung bringen. Doch werden aufgeschlossene Vertreter beider Bereiche auch Gemeinsamkeiten finden, nicht zuletzt das Hauptziel dieser Bildungsangebote: die Heranführung von Kindern an unsere natürlichen Grundlagen.

Bei dieser Gelegenheit könnten sich auch wechselseitige Vorurteile ausräumen lassen. Etwa dass Tierwohl von der "Masse" der Kühe im Stall abhänge oder dass Stroh besser für Schweine sei als Spaltenboden. Umgekehrt wird ein verantwortungsbewusster Landwirt einsehen, dass hinsichtlich Nachhaltigkeit noch viel zu tun bleibt – man denke nur an den Klimawandel. Dass tatsächlich schon jemand in diesem Kontext behauptet hat, den "gibt es nicht", zeigt, wie tief die Kluft ist – und jeder Brückenschlag ist zu begrüßen.

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