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Die Internationale Grüne Woche öffnet vom 18. bis 27. Januar ihre Tore. Foto: igw

Mechthilde Becker-Weigel. Foto: Archiv

Früher war mehr Loden. Traditionell gekleidet reisten die Bauern im Januar nach Berlin, wo Ende des 19. Jahrhunderts die Wintertagungen der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) stattfanden. Im Winter, wenn keine Feldarbeiten anstehen, hatten die Bauern Zeit zum Austausch und Zeit für Veranstaltungen, um den Blick auf neue Entwicklungen zu werfen. Eine Woche lang bestimmten dann grüne Lodenmäntel das Bild der Hauptstadt. Dieser Auflauf an landwirtschaftlichem Fachpublikum bot sich dafür an, die erste landwirtschaftliche Ausstellung im Jahr 1926 auszurichten. In einer Funk- und einer Autohalle fanden ein Reit- und Fahrturnier statt sowie ein Saatenmarkt und eine Tierausstellung. Zu den neuesten technischen Entwicklungen zählten eine Kannenmelkanlage, Raupenschlepper und Eierfrischhaltemaschinen. Daraus ist die Grüne Woche geworden.

Die Grüne Woche hat sich zu einer internationalen Messe für die Agrar- und Ernährungswirtschaft mit mehr als 1.700 Ausstellern aus 65 Ländern entwickelt, die mehr als 100.000 Produkte auf insgesamt 12 ha Ausstellungsfläche zeigen. In den mehr als 20 Messehallen rund um den Funkturm tummeln sich 400.000 interessierte Besucher aus dem ganzen Land und von weiter her. Die Grüne Woche ist eine kulinarische und landwirtschaftliche Informationsbörse. Lebensmittelhandel, Direktvermarkter, Genossenschaften, Verbände und Organisationen bieten auf ihren Ständen neben leckeren Schmankerln auch jede Menge "Wissen to go", didaktisch und informativ aufbereitet.

Heute ist mehr Politik. Anlässlich der Grünen Woche finden internationale Konferenzen statt, an denen neben Wissenschaftlern, Spitzenvertretern der Welternährungsorganisation (FAO) auch Landwirtschaftsminister aus der ganzen Welt in Foren miteinander diskutieren. Auf der Agenda stehen Tierhaltung und Tiergesundheit ebenso wie die Herausforderungen des Klimawandels, Zukunftsfragen der globalen Land- und Ernährungswirtschaft, Digitalisierung und fairer Handel.

Heute ist auch mehr Demo. Seit 2010 demonstrieren zur Grünen Woche Tausende Menschen für eine Agrarwende. Unter dem Motto "Wir haben es satt!" ruft ein Bündnis aus Umwelt-, Verbraucher-, Landwirtschafts- und Entwicklungsorganisationen zum Protestmarsch auf. Den Demonstranten geht es um, beziehungsweise sie sind gegen Agrarindustrie, Massentierhaltung und Pflanzenschutzmittel. Das wird in einer großen medial inzenierten Demonstration kundgetan. Und genau das ist es, was viele Bauern schon lange satt haben: nämlich das ständige Bauernbashing und die Dämonisierung der Landwirtschaft.

Demo erzeugt Gegendemo. Unter dem Motto: "Wir machen euch satt!" werden die Bauern in der nächsten Woche am Freitag am Brandenburger Tor demonstrieren. Sie wollen aufklären und den Satten zeigen, wie Mindererträge und Missernten entstehen, wie die Landwirtschaft gegen den Klimawandel arbeitet und was jeder einzelne für Insekten vor der eigenen Haustür tun kann. Die Stimmung ist aufgeheizt, die Meinungen sind verhärtet. Vielleicht täte ein bisschen mehr reden und ein bisschen mehr Loden ganz gut.

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