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Kommunikation statt Gewalt. Foto: pixabay

Sönke Hauschild. Foto: Archiv

Es ist mehr als Respektlosigkeit: Polizisten werden täglich beleidigt, Sanitäter körperlich angegangen, Feuerwehren zugeparkt, Landwirte virtuell und real beschimpft. Dies alles trifft auf weitere Berufe zu wie Lehrer, Krankenschwestern, Altenpfleger, Kindergärtnerinnen. Allen gemeinsam ist auch, dass sie sich keine goldene Nase verdienen. Oft stehen sie sogar am unteren Ende der Einkommensskala. Dabei ist ihr Beruf nicht ausübbar ohne ein überdurchschnittliches Engagement. Den meisten ist ihr Beruf eher Berufung, sonst hätten sie längst den Job gewechselt.

Was macht diese Berufe zu einem Objekt des Hasses? Wir wissen es nicht. Was wir aber wissen: Es sind Berufe, die direkt mit unserem Leben zu tun haben. Sie schützen, pflegen, retten, versorgen Leben. Sie sind direkt am Menschen dran. Es ist ein Warnsignal, dass gerade diese Berufe nicht nur vergleichsweise schlecht entlohnt, sondern zunehmend in den Dreck gezogen werden. Skandale in der Landwirtschaft? Auf Seite 1 in den Zeitungen! Dies gilt ebenso für die anderen Berufe. Das Recht wandert dabei immer mehr auf die Seite der Skandaltreiber, sei es, dass Anzeigen wegen Beleidigung oder Übergriffen wenig Erfolg haben oder dass Stalleinstiege gerechtfertigt werden. Ebensolches gilt für Medien, die beispielsweise Filmmaterial von Stalleinsteigern kritiklos übernehmen, wohl wissend, dass diese Organisationen eine ganz eigene Agenda verfolgen.

Während das Auto oder die Küche, der Urlaub oder das Haus nicht gut genug sein können, sparen wir uns in den Lebensberufen im Wortsinn zu Tode. Wir wollen aber trotzdem super ernährt, ordentlich gepflegt, sicher geschützt und auf jeden Fall gerettet werden. Wir meinen sogar, darauf einen immerwährenden Anspruch zu haben. Was sagt das über uns aus? Das ist eine Frage, die wir als Gesellschaft klären müssen. Dringend.

Noch wichtiger aber: Was macht das mit denen, die in Lebensberufen arbeiten? In all diesen nimmt die psychische Erschöpfung zu. Wie lange machen sie es noch mit? Wer wird in Zukunft in solche Berufe gehen, wenn es zu keiner Stimmungsänderung kommt? Wie kommen wir zusammen?

● Wer schimpft, der soll den Job doch mal selber machen. Gern bieten Bauern ein Praktikum auf dem Betrieb an.

● Wer schimpft, kann alternativ auf die angebotene Dienstleistung verzichten und sehen, ob sein Leben dadurch besser wird.

● Wer schimpft, kann wahlweise mehr ausgeben und sich das kaufen, was er fordert. Gerade in der Landwirtschaft geht das hervorragend. Wir bieten etwas für jede Weltanschauung und jeden Geldbeutel.

● Daneben und zügig brauchen wir eine staatliche Meldestelle für Beleidigungen und Übergriffe auf Lebensberufe und einen besseren Schutz der Menschen in diesen Berufen.

Noch ist Zeit, diesen Trend umzukehren. Oder wollen wir in Zukunft alles selber machen: retten, schützen, pflegen, ernähren? Fangt an, mit denen, die einen Lebensberuf ausüben, zu reden! Hört auf mit Verallgemeinerungen, sie treffen die Falschen! Hört zu, wenn Lebensberufler berichten! Sagt Danke für ihren aufopfernden Job! Sonst macht es irgendwann niemand mehr.

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