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Es kursieren verschiedene Meinungen, wie es für das Vereinigte Köngrirech weitergehen könnte. Ab dem 29. März werden die wirtschaftlichen Folgen spürbar sein. Foto: pixabay

432 : 202 und 325 : 306, das sind die Zahlen, die in dieser Woche über die politische und womöglich wirtschaftliche Zukunft des Vereinigten Königreichs entschieden haben und in der Rest-EU tiefe Spuren hinterlassen werden. Das britische Parlament hat am Dienstagabend den mit der EU ausgehandelten Vertrag über den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union mit einem Stimmenverhältnis von 432 zu 202 abgelehnt. Im Anschluss daran musste Premierministerin Theresa May sich am Mittwochabend einem zuvor vom Oppositionsführer Jeremy Corbyn beantragten Misstrauensvotum stellen. Das Misstrauensvotum hat sie knapp mit 325 zu 306 Stimmen bestanden. Damit wurde sie noch einmal in ihrem Amt bestätigt. Weiterhin völlig offen ist aber, wie es weitergeht. Zunächst muss May amMontag einen Plan B vorlegen, der beschreibt, wie Großbritannien Ende März doch noch einen geregelten Austritt aus der Europäischen Union gelingen kann.

Es kursieren verschiedenste Meinungen, wie es weitergehen könnte für das Vereinigte Königreich. Darunter: Das Unterhaus stimmt erneut über den Brexit-Vertrag ab. Oder: das Norwegen-Modell, also Teilmitgliedschaft, oder Verschiebung des Austrittstermins, ein zweites Brexit-Referendum oder gar die Rücknahme der Austrittserklärung. Doch bei aller Fantasie deutet sich eher ein harter Brexit an, ein Austritt ohne Abkommen, und dessen negative Auswirkungen sind bekannt. Ab dem 29. März werden die wirtschaftlichen Folgen, nämlich Zölle und Handelsbehinderungen, spürbar werden. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft rechnet bei einem "No Deal", also bei einem harten Brexit, damit, dass der Handel zwischen der EU und Großbritannien vorübergehend sogar zum Erliegen kommen könnte. Das würde auch Schleswig-Holstein treffen. Der Export zwischen Großbritannien und Schleswig-Holstein wird auf jährlich 1,2 Mrd. € beziffert.

Ernüchternder hätte die Abstimmung auf der Insel kaum ausfallen können. Sie zeigt gleichzeitig die Ablehnung der EU und die Zerstrittenheit innerhalb des Vereinigten Königreiches. Der gemeinsame
Handel ist das wirtschaftliche Rückgrat der Gemeinschaft, deshalb steht Einiges auf dem Spiel. Dennoch wäre es falsch, wenn die übrigen Länder sich jetzt zu sehr einmischten. Das hätte man früher tun müssen. Bei allen Problemen und Schwierigkeiten, die bevorstehen, sollte gegenüber der Entscheidung des Vereinigten Königreiches Respekt gewahrt werden. Die EU hat Einiges damit zu tun, Notfallpläne zu entwickeln und die Gefahr abzuwenden, wie ein zerstreuter Haufen von Einzelkämpfern dazustehen. Starke populistische Bewegungen sind inzwischen in verschiedenen Staaten wahrzunehmen. Vor der Europawahl wäre noch eine gute Gelegenheit für die EU der 27, um Klarheit zu gewinnen, wohin sie denn selber wollen.

Wäre es nicht ein Zeichen, bei der Gelegenheit die Botschaft über den Kanal zu schicken: Wir haben in den vergangen Jahrzehnten doch alle von dieser EU profitiert. Ob das in Großbritannien noch irgendjemanden umstimmen kann, ist nicht sicher. Aber Versuche, den Briten jetzt zu sagen, was sie tun sollen, werden das Gegenteil bewirken.

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