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Tonio Keller. Foto: Archiv

Wie soll man Verpackungsmüll vermeiden, wenn man beim Einkauf im Supermarkt nicht darum herumkommt? Foto: Tonio Keller

„Bitte die Wurst nicht in Plastik verpacken!“ – wer diesen Wunsch an der Frischetheke im Supermarkt äußert, wird meist zur Antwort bekommen: „Dazu sind wir leider verpflichtet.“ Immer? Inzwischen nicht immer, denn einige Märkte entwickeln Modelle, wie auf Wunsch Plastikverpackung eingeschränkt werden kann. Ein ausgeklügeltes System ist vonnöten, damit Hygienebedingungen erfüllt werden, und immer noch hält man eine Plastikbox in der Hand, wenn auch eine mehrfach verwendbare – wie oft, muss die Erfahrung zeigen. Plastik vermeiden ist gar nicht so einfach – weder für Händler noch für Kunden.

Doch immer mehr Menschen hierzulande haben diesen Wunsch, denn das Problem ist allseits bekannt. Vor allem die Meere sind davon betroffen. In den Ozeanen schwimmen riesige Plastikstrudel, um ein Vielfaches größer als Deutschland. Meerestiere halten die Teile für Nahrung, verschlucken sie und werden davon krank oder sterben. Schadstoffe werden freigesetzt, ja weitere im Wasser befindliche Schadstoffe werden von dem Müll angezogen und kumulieren. Die Zersetzung von Plastik dauert Hunderte von Jahren, auf dem Weg dahin wird es zu Mikroplastik, das wie Plankton wirkt. In manchen Gebieten gibt es mehr davon als echtes Plankton.

Was hat dies mit der heimischen Wurst- oder Käsetheke zu tun? Bei uns werde Verpackung doch recycelt, wird man einwenden, es gebe den Gelben Sack. Jeder, der Ware in Verpackung an Endkunden abgibt, auch der landwirtschaftliche Direktvermarkter, muss für die Rücknahme oder Verwertung in einem anerkannten dualen System sorgen. Das ist schon bisher vorgeschrieben. Mit dem neuen Verpackungsgesetz, das am 1. Januar in Kraft tritt (das Bauernblatt berichtete), kommt eine Registrierungspflicht hinzu, auch Kleinsthändler sind davon nicht befreit. Und zudem hat Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) diese Woche ein Programm zum Umgang mit Plastikmüll vorgelegt. Sollten all diese Vorkehrungen nicht genügen?

Tatsächlich werden bei uns rund 90 % des Plastikmülls wieder eingesammelt. Davon landet aber mehr als die Hälfte in Verbrennungsanlagen, was ökologisch bedenklicher, aber billiger ist. Immerhin landet auch dieser nicht im Meer. Überhaupt wird Müll selten direkt ins Meer geworfen, der meiste gelangt über die Flüsse dorthin oder durch Verwehung von ufernahen Gebieten. Dass dies auch an deutschen Stränden nicht ohne ist, davon kann sich der Spaziergänger an der Küste oder an der Elbe selbst überzeugen.

Aber das größte Aufkommen stammt nicht aus deutschen Haushalten, sondern anderen Teilen der Erde, wo Bäche und Flüsse als normale Kanalisation fungieren, ja wo oft gar keine andere Möglichkeit der Entsorgung besteht. Ein Bericht in der Zeitschrift „mare“ (Ausgabe 10/11 2018) beschreibt drastisch, wie der Golf von Rio de Janeiro im Müll versinkt: „Mehr als 50 Flüsse sammeln in den umliegenden Hügeln das Abwasser von zehn Millionen Menschen und Tausenden Industriebetrieben. Nur ein Drittel des Wassers wird von Kläranlagen gesäubert.“ Die wenigen verbliebenen Fischer fischen zwischen Matratzen, Tüten, Spielzeugteilen und Möbelresten.

Gegenüber dieser Flut mutet die Mehrwegbox im Supermarkt wie ein Schwimmen gegen den Strom an. Doch die effektivste Entsorgung erfährt derjenige Plastikartikel, der gar nicht erst produziert wird. Bisher hat auch in Deutschland die Menge der Plastikverpackungen immer noch zugenommen.

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