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Aus Sicht von Niedersachsen, Sachsen und Brandenburg muss die Möglichkeit der Bestandsregulierung erwogen werden. Foto: agrar-press

So viele Wölfe, wie ein mittelgroßes Dorf in Schleswig-Holstein Einwohner hat, leben mittlerweile in Deutschland. Mehr als 1.000 Mitglieder zählt die Familie Isegrim inzwischen, und sie ist schnell gewachsen. Sie leben verstreut, selten alleine, meist in Rudeln. Isegrim, der Wolf, ist eigentlich ein Fabelwesen aus dem Epos Reineke Fuchs und verkörpert dort einen reichen Herrscher. Er ist in der Fabel kräftig, gierig, rücksichtslos, grimmig und sogar bösartig. Manchmal ist er aber auch ein richtiger Tölpel. 

Die Isegrime, die sich rund um die Gemeinden hierzulande ansiedeln, sind keine Fabelwesen. Die Einstellungen und Befindlichkeiten gegenüber der wachsenden Wolfspopulation werden seit der ersten Sichtung ausgetauscht und haben einen hohen Grad an Emotionalität erreicht. Das ist aus jeder Sichtweise verständlich.

Nach einer Schätzung des Deutschen Bauernverbandes gab es Anfang 2018 mehr als 1.000 frei lebende Wölfe in Deutschland. Dabei ist die Zahl der Wölfe besonders in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. Entsprechend ist auch die Zahl der gerissenen Tiere in der Landwirtschaft dramatisch gewachsen, denn die Mitglieder der Familie Isegrim sind keine Vegetarier. 

Allein in Niedersachsen wurden 2017 durch Wölfe 403 Nutztiere getötet. Ein Jahr vorher waren es noch 178 Risse. Das ist mehr als eine Verdoppelung innerhalb nur eines Jahres. Man kommt bundesweit auf schätzungsweise insgesamt rund 1.500 Risse im Jahr 2017.

Die Diskussion um den Wolf, Wolfsrisse, Prävention, Entschädigung, Entnahme, Ansiedlung und die Kardinalfrage, ob der Wolf einen Platz in unserem Kulturraum hat, läuft auf den verschiedensten Ebenen und hat begonnen, sich enorm im Kreis zu drehen, weil Entscheidungen fehlen. 

Die Sichtweisen könnten kaum unterschiedlicher sein. Die Tierhalter sind am stärksten betroffen, weil ihre Weidetiere gefährdet sind. Der wirtschaftliche Einsatz kann ihre Existenz kosten. Für einen Wolfsschützer aus dem urbanen Umfeld, der vielleicht im vierten Stock lebt, kann die Vorstellung des Wolfes draußen in der Natur auch ganz großes Kino sein, aus sicherer Entfernung betrachtet und ohne wirtschaftliches Risiko.

Bernd Althusmann (CDU), der niedersächsische Wirtschaftsminister, hat im Namen der Länder Niedersachsen, Brandenburg und Sachsen einen Entschließungsantrag zum Umgang mit dem Wolf im Bundesrat eingereicht.

In dem zehn Punkte umfassenden Papier wird ein nationales Wolfsmanagementkonzept angeregt, das aufzeigt, wie mit einer zukünftig größeren Population umzugehen ist. Auch die Möglichkeit von lokal und regional bestandsregulierenden Maßnahmen soll dabei erwogen werden. Jetzt bittet der Bundesrat die Bundesregierung um die Erstellung eines nationalen Konzepts zum Umgang mit dem Wolf auf dem Weg zum günstigen Erhaltungszustand.

Mit dem Antrag wurde jetzt erstmals die Chance geschaffen, das Thema Wolf auf eine andere und legislative Ebene zu heben. Der Schutzstatus des Wolfes in Deutschland ist dabei bestimmt nicht in Gefahr. Aber es ist Zeit, die Diskussion in einem Gremium zu führen und zu gestalten, das in der Lage ist, klare Regeln aufzustellen.

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