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Nach dem stillen Protest mit den grünen Kreuzen folgt nun eine landesweite Demonstration am 22. Oktober. Das Organiusationsteam fordert Gespräche zwischen Landwirten, den Bundesministerinnen für Landwirtschaft und Umwelt, Julia Klöckner (CDU) und Svenja Schulze (SPD) sowie den Verantwortlichen der NGO. Foto: pixabay

Mechthilde Becker-Weigel. Foto: Archiv

Unter den Bauern rumort es schon lange, die Stimmung ist nicht erst seit ein paar Tagen darnieder. Zwei schwache Ernten und die Preise für Milch und Getreide sind über weite Strecken im Keller. Das ist Marktwirtschaft und noch kein Grund zum Klagen. Etwas anderes ist die Missachtung, die dem ganzen Berufsstand durch permanente, negative Stimmungsmache wie das Bauernbashing entgegenschlägt, geschürt von Vertretern politischer Parteien, von NGO, aus der Gesellschaft und tendenziöser Berichterstattung in den Publikumsmedien. Bauern und ihre Familien fühlen sich regelrecht öffentlich an den Pranger gestellt als Tierquäler, Umweltvergifter und Luftverschmutzer. Bis jetzt wurde immer noch versucht, eine gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Auf den Höfen, in der Öffentlichkeit und Social-Media-Kanälen wird Aufklärungsarbeit geleistet und das Hofleben in der Praxis gezeigt, um einen realen Blick und Hintergründe zu vermitteln.

Jetzt haben die Vorschläge zum Agrarpaket des Bundes das Fass zum Überlaufen gebracht. Die mit dem Insektenschutzprogramm vorgesehenen Verschärfungen der Pflanzenschutzmaßnahmen und die Verschärfung der Düngeverordnung werden über weite Strecken zu fundamentalen Einschränkungen und Fehlentwicklungen führen, die die Tierhaltung und die gute fachliche Praxis im Pflanzenbau massiv beeinträchtigen können, zum Beispiel durch Unterdüngung und erhöhte Befallsrisiken. Am Ende wird die Wirtschaftskraft der Landwirte und bäuerlichen Familienbetriebe, die sich Politik und Gesellschaft so sehr wünschen, gefährdet.

Für die Bauern kann es so nicht weitergehen. Deshalb haben viele in den vergangenen Wochen den Weg des stillen Protests gewählt. Grüne Kreuze, die auf den Feldern aufgestellt wurden, sollen die Ängste und die Betroffenheit leise sichtbar machen. Nach der stillen Mahnung wollen die Bauern jetzt auch laut werden. Für den 22. Oktober sind landesweite Demonstrationen und eine Zentralkundgebung in der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn vor dem Landwirtschaftsministerium geplant. Über Social-Media-Kanäle organisieren sich die Gruppen landesweit, diesmal unabhängig von den Bauernverbänden. Das Organisationsteam hat die Forderung formuliert: Gespräche zwischen den Landwirten, den beiden Bundesministerinnen für Landwirtschaft und Umwelt, Julia Klöckner (CDU) und Svenja Schulze (SPD), sowie Verantwortlichen der NGO. Erwartet werden in Bonn 10.000 Teilnehmer mit 1.000 Traktoren.

Diese Demonstration wird nicht nur eine einmalige Gelegenheit sein, sie kann auch Risiken bergen. Traktoren sind nicht so esoterisch und exotisch wie die gerade in fantasievollen Kostümen auflaufenden Klimaaktivisten von Extinction Rebellion, die in Berlin den zivilen Aufstand geprobt haben. Traktoren im Wert eines Einfamilienhauses haben es wahrscheinlich schwerer, eine positive und zustimmende Wirkung auf die städtische Bevölkerung zu erzeugen. Wenn die Demonstrationsteilnehmer es schaffen, Ruhe und Besonnenheit zu bewahren und ihre ernstzunehmenden Anliegen auf den Punkt zu bringen, dann wird etwas geschehen.

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