Zur Navigation springen Zum Inhalt springen

Liebe Leser, „Vertrauen ist gut, Kontrolle sei besser? Aber der muss man auch erstmal vertrauen.“ Dieses Zitat stammt von dem deutschen Schriftsteller Erhard Blanck. Um beides ging es vor allem während der Diskussion zwischen Landwirten und Agrarminister Robert Habeck auf dem Kreisbauerntag Stormarn (Seite 9). Vizepräsident Peter Lüschow bezeichnete den Gast aus Kiel als „eleganten Redner, der zuhört, aber oft anders entscheidet“. Mit anderen Worten, es sind nicht selten politische Entscheidungen, die den wirtschaftlichen Interessen der Bauern zuwiderlaufen. Schon Marcus Tullius Cicero, Gelehrter im Römischen Reich, schrieb: „Der Staatsdienst muss zum Nutzen derer geführt werden, die ihm anvertraut werden ...“ Habeck wurde in Bad Oldesloe bescheinigt, in seiner bisherigen Amtszeit gelernt zu haben, die bäuerliche Denke immer besser zu verstehen. Jedoch: Verstehen und Vertrauen sind zwei Paar Schuhe. „Gegenseitiges Vertrauen ist wichtiger als gegenseitiges Verstehen“, stellte schon im vorigen Jahrhundert Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach fest.

Auf dem Kreisbauerntag betonte Ulrike Röhr aus Reinfeld, die Landwirte arbeiteten von Haus aus fach- und sachkundig nach wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Vorgaben. Sie fragte, warum dann immer mehr staatlich reguliert werden müsse. Sie wünsche sich von Habeck und seinem Ministerium mehr Vertrauen in das Tun der Bauern, auch in Bezug auf die nationale Umsetzung der EU-Agrarreform.

Welche unternehmerischen Auswirkungen zu geringes Vertrauen haben kann, brachte der 25-jährige Marcus Babbe aus Travenbrück, der gerade sein Agrarstudium abgeschlossen hat, auf den Punkt. „Ich habe Lust, Landwirt zu sein. Aber die Betriebe müssen wachsen, um die Familie ernähren zu können.“ Wenn er höre, wie insbesondere Schweinehaltern die Erweiterung extrem erschwert werde, habe er Zweifel, ob er sich nicht besser einen Job außerhalb der Landwirtschaft suchen sollte. Von Sönke Meier aus Tangstedt wiederum musste sich Habeck fragen lassen, warum er die Bedenken des Berufsstandes bezüglich einer verstärkten Förderung des Ökolandbaus ignoriere. Er, Meier, habe nach 15 Jahren seinen Biomilchhof wieder auf konventionell umgestellt, weil es sich nicht mehr gerechnet habe. Was Habeck vorhabe, sei eine „Förderung gegen den Weltmarktpreis“. Vertraut etwa der Minister den fachlichen und ökonomischen Argumenten der Praxis nicht?

Man kann nicht einerseits in schwungvollen Reden die hohe Qualifikation und die Leistungen der schleswig-holsteinischen Landwirte herausstellen und ihnen andererseits per Ordnungsrecht unternehmerisches Handeln einschränken. Wir dürfen gespannt sein, ob zum Beispiel die Ergebnisse der Arbeitsgruppe Knickschutz – darin wirken Landwirte und der Bauernverband mit, um die derzeitigen Regelungen zu entschärfen – von der Landesregierung anerkannt und umgesetzt werden.

Ob der Minister die Botschaft des Kreisbauerntages verinnerlicht hat, wissen wir nicht. Am Ende der Aussprache sagte er: „Dass solche, Veranstaltungen stattfinden und es einen Austausch gibt, macht Hoffnung, die Herausforderungen zu meistern.“ Was das konkret heißen soll, wird sich zeigen. Doch so viel ist klar: Niemand unterstellt Robert Habeck Misstrauen gegenüber den ihm anvertrauten Bauern. Denn „Misstrauen ist ein Zeichen von Schwäche“, sagte schon Mahatma Gandhi. Schwäche zählt nun wahrlich nicht zu Habecks Tugenden. Aber ein Stück weit mehr Vertrauen in das Tun der Landwirte darf, nein, muss es gerne sein.

nach oben

Hinweis zur Nutzung von Cookies

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter.