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Die Probleme mit Gänsen nehmen zu. Foto: mbw

Sieht idyllisch aus, ist es aber nicht. Die großen Schwärme der Wildgänse, die in Norddeutschland vor allem an der Westküste und auf den Inseln zu beobachten sind, mögen wunderbare Bildmotive für Besucher und Touristen abgeben. Für die Bauern ist die Idylle gestorben, seitdem der Anstieg der Gänsepopulation für die Landwirtschaft auf den Inseln ein geradezu bedrohliches Ausmaß  angenommen hat. Die Bauern sind wütend, wenn große Schwärme von Nonnen-, Grau- und Ringelgänsen ihre Felder abfressen, ohne dass sie etwas dagegen unternehmen können. Vergrämen ist kaum eine wirksame Option, entweder es hilft nicht, weil die Vögel sich längst an alles mögliche gewöhnt haben und die Schwelle ihrer Schreckhaftigkeit sehr hoch liegt, oder die Vögel fliegen zum Nachbarn, der sie erneut vergrämt und wieder zurück schickt. Dabei kostet jedes Starten und  Landen die Tiere extra Kraft. Die Energie dafür kommt wiederum vom Acker.

Ein Teil der Erträge muss auf jeden Fall als Verlust einkalkuliert werden, wenn Gänse ihr Quartier auf Acker- oder Weideland beziehen. Kosten für Saatgut, Arbeits- und Maschineneinsatz und das fehlende Futter schlagen zu Buche. Die Tierbestände müssen auf vielen Betrieben den veränderten  Aufwuchsbedingungen angepasst werden. Im Futterbau geht mittlerweile der erste Schnitt durch Gänsefraß verloren und damit ein ganzer Teil der Grundfutterversorgung. Das zahlen die Betriebe direkt durch höhere Futterkosten und kleinere Tierzahlen. Das kann im Extremfall auch an die Existenz gehen und Betriebe hören auf. Dabei ist es gerade in der Milchviehhaltung wichtig, dass viele Betriebe auf den Inseln wirtschaften und bestehen bleiben. Denn die Milchpreise hängen ab von den Transportkosten zur Molkerei auf dem Festland und den Transportmengen.

Es ist gut, dass die meisten Betriebe traditionell noch ein weiteres Standbein haben. Das ist der Tourismus und die Ferienwohnungen. Hier musste man sich bislang nur auf das veränderte Reiseverhalten der Gäste einstellen. Buchung über Internet und lieber spontaner Kurztrip als zwei Wochen Ferien. Das bedeutet zwar einen größeren Aufwand, aber es lässt sich organisieren.  Schwieriger sind die Wahrnehmungen der Urlauber. Es lässt sich nicht mehr verbergen, dass die Gänse Dreck hinterlassen, die Ringelgänse immer dichter rücken und mit ihren Gösseln schon auf den Straßen anzutreffen sind. Es ist auch nicht mehr zu kaschieren, dass die Weiden im Frühjahr nicht mehr aus Gras und Kräutern bestehen und Felder kahlgefressen und verkotet sind. An vielen Stellen auf den Inseln sind die Gänse mittlerweile so stark präsent, dass die Bewohner und Gäste sich belästigt fühlen und anfangen die Probleme zu sehen.

Die Duldungspolitik der Landesregierung gerät für die Bauern an ihre Grenzen. Die bestehenden Duldungsgebiete für Wildgänse sind vollständig besetzt und können kaum einen höheren Besatzvertragen, ohne die Problematik zu verstärken. Die Gänse ziehen auf weitere Flächen und verbreiten sich ins Landesinnere. Das Landwirtschaftsministerium setzt immer noch auf die Strategie von  Entschädigungszahlungen und Vertragsnaturschutz. Die Bauern würden lieber wieder eine halbwegs normale Ernte sehen, statt Ausgleichszahlungen.

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