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Mechthilde Becker-Weigel

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU, Mitte) auf der Grünen Woche. Foto: igw

Am Sonntag geht die weltgrößte Messe für Ernährung und Landwirtschaft, die Internationale Grüne Woche zu Ende. Zehn Tage lang war der Messedamm die temporäre Adresse der Streuobstwiese und des Erlebnisbauernhofes und 400.000 Besucher kamen auf der Suche nach landwirtschaftlicher Idylle, aus Neugierde und Konsuminteresse für Lebensmittel aus aller Welt.

Die Grüne Woche hat sich in den letzten Jahren als ein Ort der politischen Diskussionen und Debatten über die Zukunft der Landwirtschaft etabliert. Auf der Agrarministerkonferenz trafen sich die Fachminister aus 74 Ländern. Erstmals nahmen die Bundeskanzlerin und der Bundespräsident an Veranstaltungen der Grünen Woche teil. Die Landwirtschaft ist also in den höchsten Spitzen der Politik angekommen. Hier kann man sich sehen lassen. Das ist ein gutes Zeichen für die Branche.

Die Landwirtschaftsministerin bewegte sich auf ihrer Hausmesse. Sie betone in ihren vielen Reden unermüdlich, dass sie während der zehn Tage auf der Messe in Halle 23, der Halle ihres Ministeriums zu Hause sei. Für Julia Klöckner war die Grüne Woche eine große Show. Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft absolvierte ein großes Pensum an Veranstaltungen und machte dabei eine strahlend gute Figur. Mit Leichtigkeit stellte sie beim Empfang vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) fest, dass sie eine Annäherung zwischen konventionellem und biologischem Anbau sehe. Im Weinbau sei dies bereits deutlich zu erkennen. Es wäre sicher gut, wenn das Beste und erfolgreichste aus zwei Welten den Weg zusammen findet. Doch davor sind noch einige Fragen offen, die auch auf der Grünen Woche nicht beantwortet wurden.

Ein Beispiel ist der Wirbel um den Glyphosat-Ausstieg, dem schnell ein Eckpunktepapier folgte, dann Auseinandersetzungen mit der Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD), die wiederum mit eigenen Ankündigungen konterte. Jetzt ist es ruhig geworden. Selbst stärkere Nutzungseinschränkung im Privatbereich haben vor den Gartentoren Halt gemacht. Das staatliche Tierwohllabel erfährt mehr Ankündigung als Umsetzung. Inzwischen haben die größeren Supermarktketten eigene Lösungen entwickelt und sind am Markt. Das wird die Unterscheidbarkeit der Label und die Wahrnehmung der Verbraucher nicht erhöhen. Bei dem Vorhaben Zucker, Salz und Fett in Fertigprodukten bis 2025 zu reduzieren, hat es nur zu einer freiwilligen Vereinbarung mit der Lebensmittelwirtschaft gereicht, die bislang von ihrer medialen Wirkung lebte. Die Verhandlungen für die Gemeinsame EU Agrarpolitik (GAP) laufen. Alle sieben Jahre besteht die Möglichkeit zur Richtungskorrektur. Die kann ein Landwirtschaftsminister nicht durch Zurückhaltung erreichen. Die Verteilungskämpfe um die Etats der ersten und zweiten Säule und die Bedingungen erfordern Durchsetzungswillen in Brüssel. Julia Klöckner hat starke kommunikative Fähigkeiten, sich und die Landwirtschaft in den Lichtkegel der Medien zu rücken und damit eine breite Gesellschaft anzusprechen. Es wäre schade, wenn diese Fähigkeiten nicht genutzt würden, Ziele zu erreichen.

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