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Landwirt: Ein Traumberuf für Überzeugungstäter. Foto: pixabay

Mechthilde Becker-Weigel. Foto: Archiv

Ein Stück Freiheit fühlen, wenn man sich in der Natur bewegt, das Gefühl hat, seine eigenen Entscheidungen treffen zu können, den Acker drillt und die Saat in die Erde bringt, immer wieder mit der Hoffnung auf eine gute Ernte. Die Verantwortung spüren, wenn es um das Wohl der Tiere geht, sei es morgens früh beim Melken oder als Geburtshelfer im Abferkelstall. Die Dankbarkeit empfinden, wenn alles gut gelaufen ist und der Betrieb über die Runden kommt. In solch einer privilegierten Welt können nur Landwirte leben.

Dabei sind die Alltagsanforderungen alles andere als privilegiert, aber dafür höchst umfangreich. Der Landwirt von heute ist Tierexperte, IT-Spezialist, Datenverwalter, Biologe, Chemiker, Techniker, Mechaniker, Schlosser, Zimmermann, Installateur, Zoologe, Botaniker, Unternehmer, Ökologe, Geologe und Meteorologe in einer Person, um seinen Betrieb am Laufen zu halten. Landwirtschaft ist ein High-Tech-Unternehmen, das zuweilen im Blaumann und in Gummistiefeln geführt wird.

Man hat als Landwirt keinen Grund abzuheben, aber ein bisschen Stolz darf man schon sein. Denn jeder Mensch ist jeden Tag mehrmals auf Erzeugnisse aus der Landwirtschaft angewiesen und quasi Kunde, auch der Gourmet, Vegetarier oder Veganer. Das ist eine große Verantwortung für die Lebensmittelproduktion. Früher wurden Lebensmittel an dem gemessen, was darin enthalten ist. Heute ist es umgekehrt, und es geht bei uns schon lange nicht mehr nur ums Sattwerden. Es geht auch um Gesundheit, Fitness, Schlankheit, Jugend und Schönheit, Prestige und häufig nur um die Unterscheidung von der Masse.

Laut einer Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2016 halten drei Viertel der Deutschen die Landwirtschaft für wichtiger oder sogar sehr viel wichtiger als jede andere Wirtschaftsbranche. Trotzdem stehen die Verbraucher den Landwirten zunehmend kritisch gegenüber. Ein Grund dafür mag sein, dass die Einsicht in einfache Zusammenhänge geschwunden und der Skepsis gewichen ist.

Aktuell müssen die Landwirte sich als Experten in der Krisenbewältigung bewähren. Die Trockenheit in diesem Jahr hat zu einer regelrechten Weide- und Feldwirtschaftskrise geführt. Die schlechteste Ernte seit Jahren muss verkraftet und Liquiditätsengpässe überbrückt werden. Neue Anbaustrategien entwickeln, um langfristig überhaupt noch bestehen zu können, wird die Aufgabe für viele Betriebe sein.

Das würde man landläufig als schlechte Voraussetzung sehen, sein Geld zu verdienen oder gar Freude und Erfüllung zu empfinden, zumal die Arbeit morgens in aller Herrgottsfrühe beginnt, und von Achtstundentagen noch nicht einmal zu träumen ist. Trotzdem haben auch in diesem Jahr wieder mehr als 13.000 junge Männer und Frauen die Ausbildung in einem Grünen Beruf begonnen. Knapp ein Drittel davon macht eine Ausbildung zum Landwirt, und das trotz starker Konkurrenz anderer  Ausbildungsberufe, die weniger gesellschaftliches Konfliktpotenzial bieten und geregelte Arbeitszeiten haben. Es muss also doch einiges dafür sprechen: Landwirt ist der schönste Beruf der Welt!

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