Zur Navigation springen Zum Inhalt springen

Mit einem gesellschaftsübergreifenden Pakt kann die Akzeptanz für Landwirtschaft steigen. Foto: pixabay

Sönke Hauschild. Foto: Archiv

Die Stimmung ist schlecht: Die Landwirtschaft steht unter einer Art Dauerfeuer. Vielen Bauern wird das inzwischen zu heiß. Manch einer resigniert. Doch es geht auch anders. Es gibt sie, die jungen Landwirte, die den Wind von vorn nicht lieben, aber lernen, selbstbewusst damit umzugehen. Milchviehhalter Sebastian Lucht aus Mörel, Kreis Rendsburg-Eckernförde, äußerte sich kürzlich folgendermaßen:

Ich habe die Lehre gemacht, dann das Fach­abi und studiert. Die ganzen Jahre ist die Kritik eigentlich immer mehr geworden, obwohl ich finde, dass sie immer unbegründeter ist. Denn wir arbeiten seit 15 Jahren intensiv daran, immer besser auf das Tier einzugehen. In den vergangenen Jahren haben wir viel Geld in die Hand genommen. Wir haben Kuhmatten und Kuhbürsten gekauft, Strohboxen gebaut, eine bessere Wasser- und Futterversorgung installiert. Wir achten sehr darauf, dass unsere Gras- oder Maissilage von hoher Qualität ist.
Was ich unberechtigt finde, ist, dass sich jeder, der keine Ahnung von Landwirtschaft hat, erlaubt, eine Meinung zu haben, die erst einmal grundsätzlich alles in die Scheiße zieht. Das finde ich unerhört. Ich würde mir nie erlauben, über Berufe zu urteilen, von denen ich nicht weiß, wie die überhaupt arbeiten. Aber ich muss mir vorwerfen lassen, ich quäle Tiere, ich verjauche unser Grundwasser und Sonstiges. Das finde ich eine unglaubliche Tatsache, die mich einfach stört. Wenn man irgendwo hinkommt, wo einen keiner kennt, wird man als Landwirt angepöbelt. Das ist wie Mobbing. Damit muss man umgehen können. Das kann nicht jeder. Das ist ein Grund, warum viele das nicht mehr machen wollen.
Ganz ehrlich, viele hauen einfach raus, was sie meinen, gerade in den Sozialen Medien. Ich will gegen diese Dummheit ansteuern und erklären, wie es wirklich funktioniert. Dass nicht alles heile Welt ist, weiß ich auch. Aber auch, dass ich davon leben muss und meine Tiere eine Leistung bringen müssen. Das ist einfach der normale Werdegang. Ich habe auch nichts zu verschenken. Tiere, die Ihre Leistung nicht bringen können, landen letztendlich in der Wurst. Das ist das normale Geschäft.
Die Kritik wird sicherlich nicht aufhören. Deshalb müssen wir uns darum kümmern, dass wir informieren und aufklären. Natürlich sind wir bemüht, jedem die Möglichkeit zu geben, auf die Betriebe zu kommen und sich anzugucken, wie es wirklich funktioniert, und die Kreisläufe zu verstehen. Das ist anstrengend und geht an die Nerven. Wenn wir aber irgendwann keine Bauern mehr haben, dann geht es nicht mir schlecht, sondern dann geht es allen schlecht. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass wir es alle gemeinsam schaffen, die Landwirtschaft in ein Licht zu rücken, bei dem wir sagen können: "Damit kann jeder leben."

Die Frage ist: Gibt die Gesellschaft solchen Jungbauern eine Chance? Gibt man ihnen die Zeit, ihre Ideen umzusetzen? Bauernverbands­präsident Werner Schwarz sagte auf dem Landesbauerntag: "Für uns als Gesellschaft ist eine heimische Landwirtschaft alternativlos. Für den einzelnen Hofnachfolger ist sie das nicht mehr. Es wird Zeit, Entscheidungen zu treffen, die nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine gesellschaftliche Perspektive für unsere Hofnachfolger bieten." Er machte das Angebot eines Paktes für Landwirtschaft, Klima und Umwelt. Das ist der richtige Weg.

nach oben

Hinweis zur Nutzung von Cookies

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter.