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Julia Klöckner hält nichts von Schwarz-Weiß-Debatten. Foto: Mechthilde Becker-Weigel

Mechthilde Becker-Weigel. Foto: archiv

Mit der Landwirtschaft ist es fast wie mit dem Fußball: Wenige spielen, viele sind Experten. Ein Unterschied ist, dass die Landwirte zwar meistens am Rand sitzen, aber tatsächlich Experten sind für Ackerbau, Tierzucht und -haltung, Bioenergie, Nachhaltigkeit, Biodiversität und ländliche Räume, um nur einige ihrer Fachgebiete aufzuzählen. Mit den laufenden Verhandlungen zur neuen Periode der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ist sozusagen der Turnierstart eingeläutet, der Ball ins Rollen gebracht. Die Mannschaften sind aufgestellt. Noch in der Vorrunde fand in der vorigen Woche der Deutsche Bauerntag in Wiesbaden statt.

Dort konnte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) zeigen, dass sie gut trainiert ist für die kommenden Herausforderungen im großen GAP-Turnier. Die Themen sitzen, und die Ministerin spricht in einer Sprache, die die Landwirte verstehen. Das ist wie beim Fußball: Klartext und emotional. "Die Zukunft wächst auf dem Land", hieß das vor den 700 Delegierten des Bauerntages, und "Landwirtschaft ist systemrelevant". Klöckner hat auf dem Bauerntag alle Themen angesprochen und Spielvarianten gezeigt. Sie hält die Schwarz-Weiß-Diskussion über Pflanzenschutz für unterkomplex und einer aufgeklärten Gesellschaft nicht würdig. Hier spüren die Experten auf den Rängen bereits, dass es schwierig werden könnte, wenn die Positionen vor der Gesellschaft und den Verbrauchern verteidigt werden müssen. Die Ministerin sagte, sie wolle raus aus den ideologischen Grabenkämpfen und mit allen Agrar- und Umweltverbänden und mit den Nichtregierungsorganisationen sprechen, am besten gleichzeitig.

Beim Thema Tierwohl und bei der Ferkelkastration hat die Ministerin das Tempo aus dem Spiel genommen. Die nationale Tierwohlkennzeichnung habe Priorität, bevor "dicke europäische Bretter gebohrt werden". Das hat das Publikum noch hingenommen. Mit Enttäuschung reagierten die Delegierten auf die Ankündigung eines Runden Tisches für die Ferkelerzeugung in Deutschland zur Vereinbarung von Wirtschaftlichkeit und Tierschutz sowohl bei der Ferkelkastration als auch beim Kastenstand für Sauen. Und wieder sprach sie von Übergangsfristen. Das wird das Spiel in die Länge ziehen.

Die Schweinemäster unter den Landwirten warten auf eine Entscheidung. Die meisten plädieren für den "Vierten Weg", die Zulassung moderner lokaler Betäubungsmittel. In nicht einmal sechs Monaten ist die betäubungslose Kastration in Deutschland Geschichte. Wenn bis dahin keine praktikable Lösung gefunden ist, zahlen die Schweinemäster mit ihrer Wettbewerbsfähigkeit und Systemrelevanz. Dann könnte es passieren, dass ein ganzer Betriebszweig schon in der Vorrunde ausscheidet.

Zudem werden auf der europäischen Ebene neue Regeln für die nächste GAP-Runde gelten. Die EU-Kommission gibt den Rahmen vor und verpflichtet die Mitgliedstaaten, selbst Spielregeln aufzustellen und zu kontrollieren. Erst dann wird die Runde mit Direktzahlungen und Prämien weitergehen. Auch hier dürfen sich Klöckner und ihre Truppe kein Standspiel leisten, sondern müssen in die Offensive gehen und praxisnahe Vorschläge machen, sonst wird das Achtelfinale für die Experten auf dem Lande nicht erreicht.

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