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Liebe Leser, bei der Untersuchung eines Zeichenwettbewerbs, bei dem ein Drittel der 40.000 teilnehmenden Kinder eine Kuh lila ausmalte, kamen Soziologen zu dem Schluss: Kinder und Jugendliche idealisieren die Natur zu einer idyllischen, harmonischen Parallelwelt, in der der Mensch nichts verloren hat. Bäume zu pflanzen ist gut, Bäume zu fällen ist böse – und der Jäger ist sowieso ein Mörder. Die Forscher nannten dieses Ergebnis – es trifft durchaus auch für  Erwachsene zu – Bambi-Syndrom, schreibt der Marburger Wissenschaftler Rainer Brämer. Der Bambi-Effekt wiederum bezeichnet die Ablehnung des Tötens und Verzehrens von Tieren, die in  der Öffentlichkeit als „süß“ angesehen werden (Reh, Kaninchen). Und obendrüber  steht das Natur-Defizit-Syndrom. Die Forschung meint  damit das Phänomen einer zunehmenden Entfremdung von der Natur, die Nichtkenntnis und das Nichtmehrerleben natürlicher Rhythmen und Erscheinungen. Bambi-Syndrom, Bambi-Effekt und Natur-Defizit-Syndrom sind die drei Quellen, denen eine  leidenschaftliche Diskussion über den Sinn  der Jagd entspringt, ähnlich jener, der  sich   die Landwirtschaft ausgesetzt sieht (Seiten 8 bis 10).

Der Mensch hat  schon in der Steinzeit Fleisch gegessen. Das tun die meisten auch heute noch. Die Jagd diente damals zur Ernährung. Heute muss niemand deswegen mit der Flinte los. Aber wer Fleisch isst, lebt notwendigerweise damit, dass Tiere getötet werden – auf dem Schlachthof oder eben in Wald und Flur. Noch vor wenigen Jahrzehnten war das völlig normal. Mittlerweile spielen Romantisierung und Ideologie kräftig mit. Es bleibt jedem unbenommen, welche Einstellung er zum Töten von Tieren zu Nahrungszwecken hat.  Aber wenn, dann muss es   auf eine Art und Weise geschehen, die Schmerzen und Leiden vermeidet. Nicht von ungefähr hängt bei der Jägerprüfung die Latte hoch. Sie ist eine der anspruchsvollsten Prüfungen überhaupt und wird deshalb  „grünes Abitur“ genannt. Jedermann, auch der größte Skeptiker, kann also sicher sein, dass der Waidmann seine Kunst versteht und gewissenhaft zu Werke geht. Einzelne schwarze Schafe – so ehrlich muss man  auch sein – gibt es unter den Jägern wie in allen Berufsgruppen. Denen gilt es, noch genauer auf die Finger zu sehen. Solidarisches Wegschauen schadet dem Anliegen, die Jagdarbeit salonfähig zu erhalten.

Die Jagd gehört seit  Jahrhunderten zur Kultur des ländlichen Raumes. Das Schießen ist nur der geringste, obgleich markanteste Teil. Die bemerkenswerten Leistungen der Hegeringe, das Pflanzen von Bäumen, Anlegen von Biotopen oder von Lehrpfaden durch Jäger werden offenkundig von der Gesellschaft viel zu wenig wahrgenommen und anerkannt. Und was wäre wohl, wenn die Jäger die Bestände bestimmter Wildarten nicht auf einem naturverträglichen Maß hielten? Nähmen Füchse und Waschbären überhand, gäbe es dann noch so viele Bodenbrüter? Würden sich die Wildschweine zügellos vermehren, hätten die Bauern dann noch gutes Futter vom artenreichen Grünland oder vom Maisacker? Zwei Mal Nein!

Jagd ist auf eine ganz eigene Weise nachhaltiger Arten- und Naturschutz. Sie ist grundgesetzlich gesichertes Eigentumsrecht, und dieses Eigentum verpflichtet zur Hege und Pflege der Kulturlandschaft. Dieser Grundsatz wird in Schleswig-Holstein durch die neue Jagd- und Schonzeitenverordnung auf den Kopf gestellt. Zweifellos   vom Bambi-Syndrom geleitet, dient sie tatsächlich weder dem Arten- noch dem Naturschutz. Im Gegenteil: Sie schadet – politisch diktiert   – beidem.

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