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Jan Philipp Albrecht ist seit September schleswig-holsteinischer Landwirtschaftsminister. Foto: grüne

Mechthilde Becker-Weigel. Foto: archiv

Der Minister für Draußen und Digitales, wie er sich selbst genannt hat, ist seit 100 Tagen im Amt. Meist im Ringel-T-Shirt leitet er das Superministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung des Landes Schleswig-Holstein.

Der Stabwechsel von Robert Habeck, der als Bundesvorsitzender der Grünen nach Berlin gewechselt ist, zu Jan Philipp Albrecht fand während der Norla statt. Am 1. September hat er sein Amt angetreten. Davor gehörte er von 2009 bis 2018 dem EU-Parlament in Brüssel an. Dort war er stellvertretender Vorsitzender des Innen- und Justizausschusses. Darüber hinaus ist sein Name untrennbar verbunden mit der Datenschutzgrundverordnung. Die ­DSGVO gilt sogar als internationales Vorbild, wenn es um Datenschutz geht. Albrecht hat für dieses Regelwerk so leidenschaftlich gekämpft wie kaum ein anderer in Europa, bestätigten ihm voller Achtung unisono die Medien.

Diese Vita hat natürlich auch die Erwartung im Norden auf den neuen Mann an der Spitze des Landwirtschaftsministeriums erhöht. Die Feiertagsstimmung, die ihn bei der Norla empfing, ist wahrscheinlich schnell dem Alltag gewichenen. Die ersten Auftritte zeigten: Jan Philipp Albrecht ist kollegial im Umgang, gut vorbereitet und vorsichtig.

Das erste große Thema in der Landwirtschaft war die Dürre. Seit ­April waren keine nennenswerten Niederschläge gefallen, eine mäßige Getreideernte war frühzeitig eingebracht, und die Milchviehbetriebe waren längst dabei, sich Gedanken zu machen, woher das Futter für den Winter kommen soll. In Berlin wurde von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) eine Dürrehilfe bewilligt, weil die Ernteschäden ein nationales Ausmaß erreicht hatten. Die Abwicklung und Beantragung der Dürrehilfe wurde von vielen Landwirten als Flop empfunden, weil zu langwierig und zu bürokratisch.

Den Ball, den Bauernverbandspräsident Werner Schwarz ihm auf der Norla zugeworfen hat, hat er schnell aufgenommen. Schwarz hat Albrecht zu einem Pakt für die Landwirtschaft aufgerufen. Es hat keine 100 Tage gedauert, bis der Minister geliefert und in Neumünster zum Dialogprozess "Zukunft der Landwirtschaft in Schleswig-Holstein" eingeladen hat. Dort diskutierte er mit allen gesellschaftlichen Gruppen, wie die Landwirtschaft im Jahre 2030 in Schleswig-Holstein aussehen soll. Reden hilft, und miteinander diskutieren erst recht, könnte man das inoffizielle Motto des Dialogprozesses beschreiben.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Diskussion über die Rückkehr und Ansiedlung des Wolfes in Schleswig-Holstein längst in vollem Gange und Schaf- und Weidetierrisse nahezu an der Tagesordnung. Die Sprache des Wolfes ist für die Schäfer und Tierhalter eindeutig. Die Worte ihres Landwirtschaftsministers klangen eher taktierend und nach politischem EU-Sprech. Dabei ist Albrecht schon klar, dass Politik kein Pony­hof ist.

Er selbst sagte in einem Interview "Politik ist nun mal die Aufgabe, sich denjenigen zu stellen, die eine andere Sichtweise haben, das stärkt einen in Auseinandersetzungen, weil man auch davon lernen kann." Zusammen mit seinem Bekenntnis auf dem Junglandwirtetag in Rendsburg, nämlich "Landwirt ist ein toller Job", könnte er einiges dafür tun, dass es auch so bleibt. Denn die Bauern im Echten Norden sind voller Leidenschaft und können klare Worte und eine eigene Meinung nicht nur gut einordnen, sondern auch gut vertragen. Also: Butter bei die Fische!

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