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Hersteller Nestlé und Händler Edeka sind zwei global Player des Lebensmittelsektors. Foto: pixabay

Mechthilde Becker-Weigel. Foto: archiv

Es ist wie mit einer Tube Senf. Wenn man vorne drückt, kann hinten nichts dabei herauskommen. Genauso verhält es sich in der Regel mit der einseitigen Demonstration von Marktmacht. Am Dienstag hat Deutschlands größter Lebensmittelhändler, die Edeka-Gruppe, seinen neuen Geschäftsbericht vorgestellt.

Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr 51,9 Mrd. € Umsatz gemacht. Damit kann Edeka den größten Umsatz in seiner Geschichte verbuchen und ist die klare Nummer eins in Deutschland, vor Rewe, die rund 10 Mrd. € weniger eingenommen hat. Fast ein Viertel des deutschen Lebensmittelhandels geht damit an Edeka.

Seine Stärke misst das Handelsunternehmen seit Monaten nicht nur am Umsatz. Deutschlands größter Lebensmittelhändler lässt seit Februar die Muskeln spielen. Die Edeka ist unzufrieden mit ihrem Handelspartner Nestlé und verlangt vom weltweit größten Lebensmittelkonzern bessere Einkaufskonditionen. Nestlé hat es 2017 auf einen Umsatz von 75,3 Mrd. € gebracht.

Edeka stellt sich dem Schweizer Lebensmittelriesen nicht ganz alleine gegenüber. Bereits vor zwei Jahren wurde mit Agecore eine gemeinsame europäische Einkaufsallianz gegründet, zu der neben dem deutschen Marktführer die französische Kette Intermarché, die Schweizer Coop, der Italienische Conad, das belgische Unternehmen Colyrut und das spanische Unternehmen Eroski gehören.Zusammen bündelt Agecore bei Nestlé ein Einkaufsvolumen von knapp 2 Mrd. €, das sind 2,6 % des Nestlé-Umsatzes. Edeka alleine kommt auf einen Anteil von 0,8 % am Nestlé-Umsatz.

Seine Forderungen hat Edeka mit Nachdruck deutlich gemacht und rund 160 Produkte von Nestlé ausgelistet, von der Tiefkühlpizza bis zum Schokoriegel. Nach Aussagen von Marktforschungsinstituten hat der deutsche Lebensmittelriese bislang die Verbraucher auf seiner Seite. Der größte Nahrungsmittelhersteller der Welt kämpft gegen einen Verbund von Kaufleuten, deren Werbung offenherzig verkündet: "Wir lieben Lebensmittel."

Die Größenverhältnisse der Umsätze lassen erahnen, dass für den Global Player Nestlé aus der laufenden Auseinandersetzung kaum wirtschaftlicher Schaden entstehen wird, außer einem möglichen Imageverlust. Und auch Edeka dürfte mit weniger als einem blauen Auge davonkommen. Der Lebensmittelhändler versteht sein Geschäft, das zeigen schon der Umsatzzuwachs und sein Gebaren der vergangenen Jahre, man denke an den Kaiser's-Tengelmann-Deal. Zudem kommt mittlerweile eine Einigung mit Nestlé in Sicht.

Der Marktkampf könnte Symbolwirkung haben. Wenn Nestlé in Teilbereichen einlenkt, sind Folgen für andere Lebensmittelhersteller vorprogrammiert. Aber die vielen regionalen, kleinen und mittelständischen Lieferanten des Lebensmittelhandels sind anfälliger, und die Kosten für Preiszugeständnisse werden sofort nach unten weitergereicht. Den Preis zahlen wie immer die anderen. Und am Ende der Kette steht die Landwirtschaft. Wenn vorne gedrückt wird, kann hinten nichts rauskommen.

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