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Mechthilde Becker-Weigel. Foto: archiv

Winter- und Sommergetreide bildeten regelrechte Patchworkflächen im vorigen Jahr wie hier im Kreis Dithmarschen, wenn schwache Wintergetreidebstände durch Sommerungen ergänzt wurden. Foto: archiv

Die guten Wünsche fürs neue Jahr sind noch nicht verhallt und die Erinnerungen an das vergangene Jahr noch nicht verblasst. Es war das Jahr der Dürre mit dramatischen Ertragsausfällen auf den Äckern, auf den Weiden und auf den Konten. Es war das Jahr der Diskussionen und der Vorwürfe gegen Bauern, die am Ende sogar darin gipfelten, dass sie Schuld seien am Klimawandel. Es war das Jahr der Wölfe, die sich wieder heimisch fühlen in unserer Region und ausreichend Nahrung finden durch die Weidetierhaltung. Es war das Jahr der volatilen Märkte. Ertrag und Preisentwicklung waren nicht im Einklang, weder bei der Milch noch beim Getreide. In den vergangenen Jahren wird auch deutlich, wie stark die Preistiefs, den Strukturwandel in der Landwirtschaft befeuern.

Es war das Jahr der Diskussionen um die Standards der Initiative Tierwohl und der geplanten staatlichen Tierwohl-Kennzeichnung. Es war das Jahr der letzten Fristverlängerung für die betäubungslose Ferkelkastration. Für Schweinehalter, Schlachtunternehmen und den Lebensmittelhandel heißt es jetzt, sich auf Alternativen zu einigen und eine auskömmliche Fleischvermarktung anzustreben. Auch für die Konsumenten und Verbraucher läuft eine Frist, nämlich die, zu überlegen, welche Landwirtschaft sie haben wollen und wieviel sie bereit sind, beim Kauf von Lebensmitteln dafür zu zahlen. Denn sonst werden noch mehr Betriebe für immer ihre Tore schließen und das neue Jahr nicht überleben.

In Schleswig-Holstein hat im alten Jahr auch etwas begonnen, das weitergehen sollte: der Dialog, den Bauernverbandspräsident Werner Schwarz mit dem Pakt für Landwirtschaft angeregt hat und den Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) in einer Auftaktveranstaltung "Zukunft der Landwirtschaft in Schleswig-Holstein" mit Vertretern aus der Landwirtschaft, Natur- und Umweltverbänden, dem Handel und anderen Betroffenen Ende November gestartet hat. Denn sprechen hilft.

Das neue Jahr hat bereits einiges auf der Agenda. Noch im Januar werden auf der Grünen Woche politische Themen ganz hoch im Kurs stehen. Doch die Entscheidungsrelevanz in diesem Umfeld ist meist gering. Wichtige Entscheidungen für die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nach 2020 werden aus Brüssel kommen. Die Mitgliedstaaten sollen mehr Gestaltungsfreiheit bei der Umsetzung der europäischen Ziele für eine nachhaltige Entwicklung der Landwirtschaft erhalten, das bedeutet aber auch, bei der Umsetzung mehr Verantwortung zu übernehmen. Eine große Entscheidung gegen Europa ist bereits gefallen. Das Vereinigte Königreich hat sich mit dem Brexit für den Austritt aus der Europäischen Union am 29. März entschieden. Der deutschen Land- und Agrarwirtschaft drohen danach neue Exporthürden, denn Großbritannien hält einen nicht unrelevanten Anteil an den gesamten deutschen Exporten.

Die Summe der Herausforderungen wird gewaltig im neuen Jahr und verlangt von jedem einzelnen Betrieb und von jedem Bauern, der dabei bleiben will, Tatendrang, Mut und Zuversicht. Das Mindeste, das dabei herauskommen sollte, ist wieder mehr Spaß auf dem Feld, im Stall und auf dem Konto.

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