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Mechthilde Becker-Weigel. Foto: archiv

Die Praxis der betäubungslosen Ferkelkastration soll in zwei Jahren endgültig zu Ende gehen. Foto: agrar-press

Die Kastration verhindert den strengen Geruch und den Beigeschmack von Eberfleisch. Foto: Caren Ahrendt

Kein schönes Gefühl für die Sauenhalter, sie wurden (zu) lange sitzen gelassen. Die Frist für die betäubungslose Ferkelkastration soll Ende dieses Jahres auslaufen – ohne wirkliche rechtssichere Alternativen. Zuerst hat der Bundesrat seine Zustimmung zur Fristverlängerung für den Ausstieg aus der betäubungslosen Kastration von Ferkeln versagt.

Die Agrarministerkonferenz (AMK) konnte sich ebenfalls nicht zu einem Entschluss durchringen. Und das, obwohl die Bauern den Ministern regelrecht auf den Füßen standen und mit massiven Protesten eindringlich auf ihre Situation aufmerksam gemacht haben.

Jetzt kam es quasi über Nacht zu einem Koalitionsbeschluss von Union und SPD. Die Fraktionen der Regierungskoalition wollen im Bundestag eine Initiative starten, um eine zweijährige Übergangsfrist bis zum unwiderruflichen Verbot zu erwirken.

Bis der parlamentarische Weg definitiv beschritten ist, kann es Mitte Dezember werden. Solange eine endgültige Entscheidung in der Ferne liegt, haben die Schlachtunternehmen und der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) Zeit, die Krisenstimmung mit ihren Hilfsvorstellungen etwas aufzulockern. Das geht so weit, dass man die Vertreter des LEH und der Schlachtunternehmen glatt für Bauernversteher halten könnte.

Ganz weit oben bewegen sich beim LEH die Ideen, das QS-Prüfzeichen um die Kastration auszuweiten, um darüber zu versuchen, dänische Ferkel vom Wettbewerb auszuschließen. Die großen Schlachtunternehmen sprechen inzwischen ganz offen von Vertikalisierung und ihren Ambitionen, die Produktionsstufe stärker an sich zu binden – mit allen Konsequenzen und Möglichkeiten der Einflussnahme. Noch auf dem deutschen Bauerntag in Wiesbaden hatte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) die Landwirtschaft als systemrelevant proklamiert.

Eine systemrelevante Behandlung in diesem Fall erfahren die Bauern hingegen nicht. Denn bislang wurden sie auf dem Basar der Möglichkeiten geopfert – Möglichkeiten, die sie selbst nicht haben. Für die Immunokastration fehlt die Akzeptanz des LEH, für die Injektions- oder Inhalationsnarkose fehlen die zugelassenen Mittel. Und ohne Lösung für die Ferkelkastration werden viele Sauen haltende Betriebe vor dem Aus stehen.

Die nun vorläufige Rettung der Schweinehalter durch Koalitionsbeschluss erfolgte eher von der Seitenlinie und in der allerletzten Minute. Das kostet Glaubwürdigkeit bei der eigenen Klientel. Entscheidungen zu befürworten, wenn sie von anderen umgesetzt wurden, ist immer einfacher als sich selbst in die Nesseln zu setzen.

Sicher schiebt so mancher gerne lästige Aufgaben vor sich her und erledigt sie auf den letzten Drücker. Doch genau so dürfen Politik und Rechtsprechung mit der Landwirtschaft nicht umgehen. Das wäre ein Zeichen der Missachtung gegenüber einer ganzen Branche und auch ein Zeichen der Geringachtung der Wünsche und Bedürfnisse der Verbraucherinnen und Verbraucher. Denen ist schwer genug zu erklären, warum fünf Jahre ohne Lösung für das Kastrationsproblem vergangen sind. Dass die Landwirte sogar auf die Straße gehen müssen, um die ungeklärte Situation publik zu machen, erhöht die Erklärungsnot.

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