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Die Bauern demonstrierten mit Traktoren – Symbol für ihren Berufsstand. Die hatten Platz für große Plakate mit Botschaften. Foto: Ulrike Baer

Mechthilde Becker-Weigel. Foto: Archiv

Noch nie waren so viele junge Bauern auf der Straße wie am Dienstag dieser Woche bei den landesweiten Demonstrationen, zu denen die Organisation "Land schafft Verbindung – Wir bitten zu Tisch" aufgerufen hatte. Die meisten waren besonders früh aufgestanden, weil sie Viehhalter sind, melken und füttern müssen, oder weil sie einen weiten Weg zum Sammelplatz und zum Kundgebungsort hatten. Bei der Stallarbeit haben oft die Nachbarn, Freunde und Familie geholfen, damit die Teilnahme der Landwirte an der Demonstration gesichert war.

An den Sammelplätzen ging es früh los, beeindruckend war das Meer gelber Rundumleuchten im Morgengrauen. Die Konvois wurden von der Polizei begleitet. Nach teils stundenlanger Fahrt durchs Land und durch die Ortschaften war der Willy-Brandt-Platz an der Nordmarkhalle in Rendsburg schnell bis auf den letzten Platz besetzt. Es passte kein Blatt dazwischen, nicht nur die Schlepper standen eng zusammen an diesem Tag. Zahlreiche Vertreter aus den vor- und nachgelagerten Bereichen der Landwirtschaft waren ebenfalls vor Ort und zeigten Flagge für die Bauern.

Wie konnte es dazu kommen? Innerhalb kürzester Zeit standen Zehntausende Bauern aus dem ganzen Land parat. Das kann nur funktionieren, wenn ein Thema brennt. Wie sehr, das offenbarten die landesweiten Demonstrationen in dieser Woche auf eine erschreckende Weise. Die Kluft zwischen den Bauern, der Politik, breiten Teilen der Gesellschaft, NGO und idealisierenden Tierschützern, die eine enorme mediale Unterstützung erfahren, ist groß.

Die Anliegen der Bauern wurden am Dienstag nicht nur auf der Bühne artikuliert, die Gespräche auf dem Platz drehten sich um nichts anderes: Die Bauern und die Menschen auf dem Land wollen sich nicht mehr von städtischen Interessen und romantischen Idealvorstellungen dominieren lassen. Sie wollen sich nicht von einer Politik regieren lassen, die statt auf wissenschaftliche Fakten und ehrliche Entscheidungen auf mögliche Wählermehrheiten für die nächste Legislaturperiode setzt.

Wirkte der Protest zunächst wie ein Hilfeschrei, den ländlichen Raum und die Landwirtschaft nicht zu vergessen, hat er am Ende gezeigt, wie viele sie sind und wie stark sie sein können, wenn sie zusammenstehen. Das zu nutzen und umzusetzen, ist die Herausforderung. Von diesem Tag muss mehr übrig bleiben, als Klicks und Likes in den Sozialen Medien. Es darf keine Katerstimmung aufkommen. Jetzt beginnt die Arbeit. Das könnte die Gelegenheit sein, die starke Basis, die mit dieser Aktion geschaffen wurde, zu nutzen für einen gemeinschaftlichen Konsens mit allen branchennahen Verbänden.

An Tagen wie diesem könnte den Vertreterinnen der Politik, die die Einladung zur Hauptkundgebung abgesagt haben, den Umweltverbänden, Naturschützern und Tierfreunden auch bewusst werden, dass sie gut beraten sind, das Gesprächsangebot anzunehmen.

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