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An den Früchten kann man erkennen, ob etwas gut geraten ist oder nicht. Foto: Lars Kuhlmann

Tonio Keller. Foto: Archiv

Bei den Erntedankfesten dieser Wochen wird gefeiert und Dank gesagt – an die Natur, dass sie uns ernährt, aber auch an die Landwirte, dass sie sich mit ihrem Wissen, ihrem Einsatz und ihrer Arbeit darum kümmern.

Doch die Öffentlichkeit ist in dieser Hinsicht zwiegespalten. Während landauf, landab die Kirchen geschmückt und die Früchte der Erde gesegnet werden, die Wagen mit Blumenranken und Gemüse durch die Orte ziehen, während geschmaust und getanzt wird, werden die Vorwürfe immer lauter, dass es in der Landwirtschaft nicht mit rechten Dingen zugehe, dass die Bauern Wasser und Böden verdürben, Tiere quälten, schädliche Stoffe bei der Erzeugung von Lebensmitteln verwendeten und obendrein das Klima erwärmten. Wer mag da Recht behalten? Sind die Kritiker unbequeme Mahner, die den Finger in die Wunde legen, oder falsche oder gar unlautere Propheten?

Falsche Propheten gab es schon zu jeder Zeit. Sie machen Versprechungen, die sie nicht halten können. Oder sie gaukeln paradiesische Zustände vor, die einem blühen, sofern man sich nur an ihre Botschaften hält. Und dann gibt es noch die, die gar nichts versprechen, sondern nur tönen, dass alle schlecht und verdorben seien, die sich derzeit um die Belange der Gesellschaft kümmern. Wie soll man falsche Propheten von denen unterscheiden, die in eine gute und umsetzbare Zukunft weisen? Diese Frage stellten auch die Jünger an Jesus, und er antwortete: "An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen" (Matthäus 7, 16).

Gute Bauern erkennt man auch an ihren Früchten – wenn diese gesund, schmackhaft und vielfältig sind. Doch wer auf die Reifung der Früchte wartet, um sich ein Urteil zu bilden, braucht mitunter einen langen Atem, denn erst müssen sie wachsen und geerntet, viele davon zusätzlich verarbeitet werden, und ob sie gesund sind, ist auch dann nicht immer sogleich feststellbar. Gut ist der beraten, der nicht vorschnell urteilt und sich nicht auf schrille Behauptungen verlässt.

Auch der Landwirt muss in diesen Zeiträumen denken und planen, in mancher Hinsicht gar in Generationen. Ein neu gepflanzter Olivenbaum braucht etwa sieben Jahre bis zur ersten Ernte, und er ist am ertragreichsten erst nach 20 Jahren. Dafür kann er aber Hunderte von Jahren alt werden und über die ganze Zeit Frucht bringen. Wenn wir darauf achten, die Qualität der Früchte zu erkennen, kommt es auch darauf an, diejenigen anzuerkennen, die sie angebaut und geerntet haben.

Doch es gibt nicht nur Früchte materieller Art. Die griechische Sage erzählt, dass der Held Kadmos Drachenzähne in die Erde säte, aus denen bewaffnete Krieger entwuchsen. Als er einen Stein zwischen sie warf, erschlugen sie einander prompt im Kampf darum gegenseitig. Solche Saat wird gesät durch Hassreden, Verunglimpfungen und Schuldzuweisungen, und dies von Leuten, die keine Verantwortung übernehmen für die Belange der Gesellschaft und ihrer Zukunft. Wer die Ernte niederwalzt, wer Aufgebautes schmäht und geringachtet, wer Drachenzähne sät, der macht sich auch gerne danach schnell vom Acker. Das Feld wieder urbar zu machen, überlässt er anderen.

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