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Hans-Jochim Rohweder führte im Rahmen des Seminars „Landwirtschaft mit Zukunft“ durch die Lehr- und Versuchsanstalt Futterkamp. Anschließend besuchten die Teilnehmerinnen das Gut Weißenhaus. Fotos: Ninette Seebode

Gabriele Hansen: „Es macht Sinn, sich auch im laufenden Betrieb eine unabhängige Meinung über den Status quo einzuholen.“

Die Seminarreihe „Landwirtschaft mit Zukunft“ wurde in diesem Jahr in der Versuchsanstalt Futterkamp in Blekendorf fortgeführt. Diesmal ging es um das Thema „Wachstum in landwirtschaftlichen Betrieben“. Auf Gut Weißenhaus sahen die Teilnehmerinnen, wie eine Investition in ein landwirtschaftliches Gut zu einem großen Erfolg werden kann. Zuvor hatte Gabriele Hansen, Diplom-Agraringenieurin und Bankbetriebswirtin von der Unternehmensberatung Treurat und Partner, Kiel, eine Einführung in das Thema gegeben. Das Bauernblatt sprach mit ihr.

Sie haben vor Vertreterinnen des LandFrauenverbandes über Finanzierung und Wachstum für landwirtschaftliche Familienbetriebe referiert. Gerade diese Betriebe unterlagen in den zurückliegenden Jahren einem großen Wandel. Was zeichnet einen modernen Familienbetrieb aus?

Gabriele Hansen: Aufgrund des extremen Wachstums, das in den vergangenen Jahren auf vielen Betrieben zu verzeichnen war, entwickelt sich der landwirtschaftliche Familienbetrieb immer mehr zu einem Betrieb, bei dem Leitung und Kapital in der Hand der Unternehmerfamilie liegen. Das beinhaltet allerdings meist auch, dass die Unternehmerfamilie mit ihrem gesamten Geschäfts- und Privatkapital haftet.

Welche Vor- und Nachteile birgt das?
Vorteile sehe ich in den kurzen  Entscheidungswegen, die schnelle Entscheidungen ermöglichen. Gleichzeitig zählen zu den Vorteilen ein hohes Engagement in der Unternehmerfamilie, eine hohe Unabhängigkeit und bei den meistens immer noch guten Eigenkapitalquoten und Rentabilitäten auch eine gute Kreditwürdigkeit. Allerdings bergen diese Vorteile natürlich auch Nachteile, weil der hohe persönliche Einsatz, wenn er überstrapaziert wird, zur Erschöpfung und zu familiären Spannungen führen kann. Und der Einsatz von Kapital muss immer wieder neu definiert und diskutiert werden: Wo soll das Kapital eingesetzt werden – in einen neuen Schlepper, zur Renovierung des Wohnhauses, oder schöpft man das Kapital ab? Und  das birgt oft Sprengstoff. Hinzu kommt: Wenn es finanzielle Schwierigkeiten gibt, wirkt sich das dann natürlich auch auf die Familie aus.

Das klingt nach einem hohen Risiko für die Familie?
Ja, ganz klar, auch weil die Leitung  des Unternehmens in den meisten Fällen auf eine oder auf maximal zwei Personen beschränkt ist. Das erfordert von dieser Leitung ein sehr hohes Know-how und birgt natürlich auf der anderen Seite ein hohes Risiko, wenn diese Person ausfällt. Deswegen ist das  ein Punkt, an dem viele Unternehmerfamilien arbeiten sollten.

Was empfehlen Sie?
Die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen. Zum einen sind inzwischen Betriebe aufgebaut worden, in denen der Vater ganz große Fußstapfen hinterlassen hat und es schwierig wird für den Hofnachfolger, in diese Fußstapfen zu treten. Der andere Punkt ist, dass grundsätzlich auf vielen Betrieben eine Entlastung der Betriebsleiterfunktion stattfinden sollte. Betriebsleiter müssen super Produktionstechniker sein, die Betriebswirtschaft beherrschen und sollten die gesetzlichen und die agrarpolitischen  Rahmenbedingungen kennen. Das ist ein enormes Pensum und kann für einen Einzelnen eine enorme Belastung sein.

Wann ist der Punkt erreicht, an dem der Betrieb externe Hilfe wie eine Unternehmensberatung annehmen sollte?
Der Klassiker ist natürlich immer eine Investitionsentscheidung oder Hofüberlassung. Dann wird fast immer eine Unternehmensberatung eingeschaltet. Das ist auch richtig. Beratung wird aber auch gesucht, wenn der Betrieb Hilfestellung für die Liquiditätsplanung braucht oder wenn es Liquiditätsengpässe gibt.  Außerdem macht es Sinn, einen Berater auf den laufenden Betrieb schauen zu lassen, um sich eine unabhängige Meinung über den Status quo oder über das Entwicklungspotenzial einzuholen. Einen Berater ein Konzept erarbeiten zu lassen und ihn bei Bankgesprächen mit dabeizuhaben, verbessert zudem die Beziehung zur Bank und hilft, die Ratingnote  aufzuwerten.

Was kann die Partnerin oder bei einer Hofnachfolgerin der Partner tun, dass die Verantwortung nicht  allein auf den Schultern eines Einzelnen lastet?
Wichtig ist, dass sich die Familie vorher überlegt, wie sie leben möchte. In den meisten Fällen ist es ja immer noch der Mann, der sagt, ich übernehme den Hof und möchte mit so und so vielen Kühen oder Sauen wirtschaften. Ich finde, es gehört dann auch dazu, dass die Frau genauso die Möglichkeit hat,  ihre Vorstellung zu äußern und  genauso frei in ihrer Entscheidung ist wie der Mann. Es muss klar sein, ob sie den Betrieb mitführen und bestimmte Aufgabenbereiche übernehmen will. Sie sollte aber auch die Möglichkeit haben zu sagen, das ist dein Job und mein Job ist es, Lehrerin, Steuerberaterin oder Krankenschwester zu sein, denn das ist das, was ich gelernt habe und wo meine Veranlagungen liegen. Genau das sollte man zu Beginn der Karriere und des Zusammenlebens einfach einmal sauber besprechen. Denn schwierig wird es meistens dann, wenn man das nicht tut und sich nach ein paar Jahren herausstellt, dass die eigenen Vorstellungen  gar nicht mit denen des Partners übereinstimmen.

Interview: Kathrin Iselt-Segert
 
     

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