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Ebergruppen sind deutlich unruhiger als Sauen und Börge. Insbesondere das eberspezifische Aufreiten sorgt für Unruhe in der Gruppe. Fotos: Dr. Otto Burfeind

Injektionen in Hoden und unter Hodensackhaut stellen eine Möglichkeit der Lokalanästhesie dar.

Mit der Änderung des deutschen Tierschutzgesetzes im Jahr 2013 wurde beschlossen, dass ab dem 1. Januar 2019 in Deutschland keine männlichen Ferkel mehr ohne Betäubung kastriert werden dürfen. Es ist also allerhöchste Zeit, sich mit möglichen Alternativen zu beschäftigen. Hier stehen die Ebermast, die Immunokastration von Ebern, die Kastration unter Allgemeinbetäubung durch einen Tierarzt und die Kastration unter lokaler Betäubung durch den Landwirt ("vierter Weg") im Raum. Letztere Option ist allerdings im Moment rechtlich nicht möglich. Im Folgenden sollen die Verfahren vorgestellt sowie deren Vor- und Nachteile diskutiert werden.

In der Jungebermast wird komplett auf die Kastration verzichtet. Daher ist sie die einzige Alternative, bei der kein Eingriff an den Schweinen vorgenommen wird. Neben dem Verzicht auf einen Eingriff am Tier hat die Jungebermast Vorteile in der Futterverwertung. Jung­eber sind in der Lage, die notwendige Futtermenge bis zum Erreichen des Verkaufsgewichtes zu reduzieren.

Neben Einsparungen in den Futterkosten sinken ebenfalls die Güllemengen und somit die Ausscheidungen von Stickstoff und Phosphor. Gerade flächenarme Betriebe, die Gülle überbetrieblich verbringen müssen, können den Anteil mit der Jungebermast gegebenenfalls reduzieren und so Gülleabnahmekosten, die in vielen Regionen bereits anfallen, reduzieren.

Allerdings stellt die Jungebermast eine große Herausforderung der Schweinemäster dar, da es aufgrund des Eberverhaltens, wie beispielsweise des Aufreitens, zu Verletzungen bei den Tieren kommen kann. Nicht in jedem Stall können ohne Weiteres Jungeber gemästet werden. Kleingruppen funktionieren hier deutlich besser als Großgruppen, da die Rangordnung stabiler ist. Obwohl das Ausleben des Eberverhaltens auch in Kleingruppen zu mehr Unruhe in den Gruppen führt, ist es tendenziell ruhiger als in Großgruppen.

Neugruppierungen von Ebern sind auf ein Minimum zu reduzieren, da sie immer wieder Anlass für neue Rangkämpfe sind. Hierbei geht es bei Ebern zur Sache: Vermehrte Rangkämpfe können in reinen Ebergruppen zu etwas höheren Mastverlusten als in der Mast von Sauen und Börgen führen. Häufig sind Lahmheiten die Ursache dafür. Weiterhin ist die getrenntgeschlechtliche Aufstallung von Sauen und Ebern zwingend notwendig, um ungewollte Trächtigkeiten am Schlachthof zu vermeiden. Auch wenn die gemischtgeschlechtliche Mast ruhiger vonstattengehen soll, sind diese Trächtigkeiten, auch wenn sie in einem frühen Stadium auftreten und selten vorkommen, nicht zu tolerieren.

Die getrenntgeschlechtliche Aufstallung stellt gerade für kleinere Ferkelerzeuger eine Herausforderung dar, da das Geschlechterverhältnis nicht zu planen ist. Bestellt nun der Mäster 400 Eber anstatt 400 Ferkel, muss sich die Abferkelgruppe verdoppeln, um diesem Wunsch nachzukommen.

Bevor Ferkelerzeuger und Mäster in die Jungebermast einsteigen, muss die Vermarktung der Tiere geklärt sein. Eine feste Kopplung von Ferkelerzeuger und Mäster ist notwendig, weil freie Eberferkelpartien extrem schwer oder nur mit Abschlägen am Markt abgesetzt werden können. Vermarkter und Schlachthof müssen ebenfalls von vornherein mit ins Boot geholt werden, um die Schlachtschweine dann auch verkaufen zu können.

Insbesondere Gegenden mit Metzgervermarktung wie in Süddeutschland sehen die Jung­ebermast kritisch. Können große Schlachthöfe geruchsauffällige Tiere in bestimmte Verarbeitungsschienen laufen lassen, so riskieren Metzgereien bei der Verarbeitung eines geruchsauffälligen Ebers eine sofortige negative Reaktion empfindlicher Kunden.

Derzeit scheint der Markt für Jungeber gesättigt. Es werden in Deutschland zirka 6 bis 10 % der männlichen Schweine als Jung­eber gemästet. Im Laufe des Jahres 2017 haben alle großen Schlachter die Masken für Eber angepasst. Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen hat die Preisabschläge in einer umfangreichen Datenauswertung auf zirka 3 € beziffert. Ob der Vorteil der besseren Futterverwertung die Mast von Ebern betriebswirtschaftlich noch rechtfertigt, kann nur einzelbetrieblich entschieden werden.

Neben den skizzierten Grenzen der Ebervermarktung muss auch die Frage erlaubt sein, ob die Mast von Jungebern tatsächlich einen Zugewinn für den Tierschutz darstellt. Dem Verzicht auf die Kastration auf der einen Seite stehen Herausforderungen wie Eberverhalten, Lahmheiten, Penisbeißen und das gehäufte Auftreten von Rangkämpfen gegenüber.

Der Betriebsleiter und seine betrieblichen Voraussetzungen entscheiden darüber, ob der einzelne Betrieb mit diesen Herausforderungen fertig wird. Fakt ist, dass Fehler oder Kompromisse im Produktionsablauf sich schnell rächen.

Den kompletten Beitrag finden Sie in der Bauernblattausgabe 37/2018 unter der Rubrik "Tier" und im digitalen Bauernblatt.

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