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Anders als im Bild ist das Kriterium Tageslicht gerade für gewachsene Betriebe mit älteren Ställen oft ein Knackpunkt. Foto: Dr. Karl-Heinz Tölle

Die von den verschiedenen Stufen der Wirtschaft getragene „Initiative Tierwohl“ befindet sich für den Schweinebereich nun auf der Zielgeraden. Die Teilnahmebedingungen und Kriterien sind beschlossen und auf der Internetseite www.initiative-tierwohl.de veröffentlicht und ausführlich beschrieben. Start der Initiative Tierwohl war der Jahresanfang 2015 mit dem Beginn der Einzahlungsphase für den Lebensmitteleinzelhandel (LEH). Der LEH hat sich verpflichtet, mindestens über drei Jahre 4 ct/kg Schweinefleisch (Frischfleisch und verarbeitete Ware) in den Tierwohltopf abzuführen. Die Abgabe erfolgt für das gesamte verkaufte Schweinefleisch, also auch auf Fleisch, das von Tieren aus Betrieben stammt, die nicht an der Initiative teilnehmen. Die als Kostenausgleich für die zusätzlichen Tierwohlmaßnahmen zugesagten Boni werden separat und direkt an den Schweinehalter ausgezahlt.


Anmeldung im April

Die Teilnahme an der Initiative Tierwohl ist freiwillig! Schweinehalter sollten sich jetzt mit den Bedingungen und Kriterien unvoreingenommen auseinandersetzen und entstehende Kosten und Boni betriebsindividuell nebeneinanderstellen. In Hektik muss jedoch keiner verfallen, denn Schweinehalter können sich jetzt noch nicht anmelden. Das ist nach derzeitiger Planung im April über den jeweiligen Bündler möglich. Für die erste Anmeldephase ist eine Zeitspanne von insgesamt vier Wochen vorgesehen, in der die Anträge zunächst gesammelt werden. Der Schweinehalter muss dabei unter anderem angeben, welche Kriterien er erfüllen will und wann er diese umgesetzt hat. Die angegebenen Kriterien müssen ohne Ausnahme für die gesamte Produktionsrichtung (Ferkelerzeugung oder Ferkelaufzucht oder Schweinemast) eines Betriebes umgesetzt werden. Als Betrieb ist dabei die Zuordnung nach Viehverkehrsverordnung (VVVO-Nummer) definiert. Die Produktionsrichtungen innerhalb einer VVVO-Nummer sind vollkommen separat zu betrachten. So könnte zum Beispiel ein Kombibetrieb mit der Ferkelerzeugung und Mast teilnehmen, die Ferkelaufzucht aber außen vor lassen. Genauso ist  es auch möglich, nur mit der Ferkelaufzucht teilzunehmen und so weiter.

Solange das Geld reicht

Die Clearingstelle wird Schweinehaltern nur Boni im Rahmen des Volumens des Tierwohlfonds zusagen. Sollte dieses bereits im ersten Anmeldezeitraum überschritten werden, kommen diejenigen Betriebe als Erstes zum Zuge, die ihre angegebenen Kriterien am schnellsten umsetzen können. Alle weiteren Betriebe werden auf eine Warteliste gesetzt. Wer sein selbst angegebenes Umsetzungsdatum für seine Kriterien nicht erfüllt, fällt auf die hintere Position der Warteliste zurück.

Kurz nach der Anmeldephase – nach derzeitiger Planung also ab Mai – starten die Audits. Ab dem bestandenen Audit ist ein Betrieb bonusberechtigt. Der dem Betrieb zugesagte Bonus ist für die Dauer von drei Jahren in voller Höhe sicher, vorausgesetzt die Kriterien werden erfüllt. Bei einem späteren Audit verschiebt sich der volle Zeitraum entsprechend nach hinten. Auf der anderen Seite sagen die teilnehmenden Schweinehalter zu, die Kriterien für die Dauer von drei Jahren umzusetzen – ein vorzeitiger Ausstieg bedarf eines besonderen Grundes. Der Wechsel von Kriterien ist nur binnen Jahresfrist und zu den Terminen der Audits möglich. Zudem sind dabei die dann geltenden Teilnahmebedingungen und die Liquidität des Tierwohlfonds zu berücksichtigen.

Jährliche Überprüfung

Jeder teilnahmewillige Schweinehalter muss sich also genau überlegen, welche Kriterien er angeben will und zuverlässig umsetzen kann – bei der Initiative Tierwohl gibt es nur die Wahl zwischen ganz oder gar nicht teilnehmen. Es geht einzelbetrieblich zum Teil um sehr viel Geld. Jedem Teilnehmer muss schon im Vorfeld klar sein, dass entsprechend stark kontrolliert wird. Die Tierwohlaudits finden jährlich statt. Dabei muss der Betrieb die Umsetzung der Gundkriterien sowie die entsprechenden Wahl(pflicht)kriterien nachweisen. Hier gibt es keine Abstufungen in der Bewertung, sondern nur K.-o.-Kriterien. Abweichungen können zum Verlust der Boni führen. Im Extremfall kann es sogar zu Vertragsstrafen kommen.

Bonuszahlung je Tier

Der Bonus für die Erfüllung der Wahl(pflicht)kriterien wird je Tier ausbezahlt – je abgesetztem Ferkel, je aufgezogenem Ferkel oder je geschlachtetem Schwein. Die Tierzahlen werden über die Bündler an die Clearingstelle der Initiative gemeldet. Nachweise sind über Lieferscheine, Sauenplanerauswertungen und/oder weitere Dokumente zu erbringen. Die geschlachteten „Tierwohlschweine“ werden durch den Schlachthof an die Clearingstelle gemeldet. Somit kann der Bonus auch nur für Schlachtschweine gezahlt werden, die an Schlachtunternehmen geliefert werden, die ebenfalls an der Initiative teilnehmen. Die Kosten für die Umsetzung im Betrieb wurden für alle Wahl(pflicht)kriterien einzeln berechnet. Darauf basiert der jeweils festgelegte Bonus.

Zusätzlich zum tierbezogenen Bonus wird pauschal ein Betrag von jährlich 500 € je VVVO-Nummer und Produktionsart gezahlt. Dafür hat der Betrieb die verschiedenen Checks, die in den Grundanforderungen festgelegt sind, durchzuführen sowie die Audits zu bezahlen.

Verschiedene Kriterienblöcke

Der Kriterienkatalog gliedert sich in verschiedene Blöcke: 

A) die sechs Grundkriterien, die alle erfüllt sein müssen

B1) die beiden Wahlpflichtkriterien „10 % mehr Platz“ und „Raufuttergabe“, von denen mindestens eines erfüllt sein muss

B2) die Wahlkriterien, durch die zusammen mit den Wahlpflichtkriterien ein Mindestbonus von 2 € je Absatzferkel oder 1 € je Aufzuchtferkel oder 3 € je Mastschwein erreicht werden muss

C) das Sonderkriterium Ringelschwanz

Wer an der Initiative teilnehmen will, hat zunächst sechs Grundkriterien einzuhalten. Diese sind: 

  • Basiskriterien (analog QS) Tierhaltung, Tierhygiene, Tiergesundheit
  • Teilnahme am Antibiotikamonitoring
  • Gesundheitsplan/Befunddatenermittlung
  • Stallklimacheck
  • Tränkewassercheck
  • Tageslicht

Bei den Basiskriterien geht es um eine Grundabsicherung der Bedingungen im Betrieb. Hierdurch wird sichergestellt, dass die Haltung der Tiere gesetzeskonform ist und der guten fachlichen Praxis entspricht. Die Tiere und deren Haltungsbedingungen werden beim Stallrundgang betrachtet; Aufzeichnungen und Dokumente werden nur dann geprüft, wenn es Hinweise auf Abweichungen gibt. Beispielsweise führen Überbelegung oder nicht gesetzeskonforme Schlitzweiten zum Durchfallen im Audit. Ohnehin wird der Tierwohlbonus nur ausgezahlt, wenn der Betrieb QS-lieferberechtigt ist. Obligatorisch ist auch die Teilnahme am QS-Antibiotikamonitoring.


Die Gesundheit der Tiere

Ein wichtiger Bestandteil der Tierwohlinitiative, der zukünftig weiter ausgebaut wird, ist die Kontrolle der Tiergesundheits- und Tierwohlindikatoren. In der Schweinemast soll dies über die Befunddatenermittlung erfolgen. Mittelfristig sollen dazu die Schlachtbefunddaten in einer zentralen Datenbank indexiert werden, hierzu laufen jedoch noch intensive Vorbereitungen. Bis das System steht, müssen die Schweinemäster zunächst die vom Schlachthof erhaltenen Befunddaten dokumentieren. In der Ferkelerzeugung und Ferkelaufzucht muss ein sogenannter Gesundheitsplan umgesetzt werden. Mit Beginn der Teilnahme an der Initiative müssen die Zu- und Abgänge sowie Verluste bei den Sauen und Ferkeln quartalsweise aufgezeichnet werden. Zudem müssen entsprechende Aufzeichnungen und gegebenenfalls Maßnahmenpläne aus der tierärztlichen Bestandsbetreuung vorliegen. In der Ferkelaufzucht kommt zusätzlich noch ein jährliches Screening (mindestens zehn Tiere) auf mindestens zwei Leitkeime hinzu.

Stallklima- und Tränkewassercheck

Die vorgegebenen Stallklima- und Tränkewasserchecks sind als Impuls für eine systematische und regelmäßige Überprüfung der beiden wichtigen Parameter „Stallklima“ und „Tränkewasser“ zu sehen.

Der Stallklimacheck umfasst zunächst die sensorische Prüfung beim Stallrundgang, die stichprobenartige Funktionsüberprüfung der Lüftungsanlage (Einstellungen, Stellklappen, Temperaturfühler und so weiter) und insbesondere auch der Alarmsysteme. Bei Problemen werden gegebenenfalls Schadgasmessungen, eine Überprüfung der Dimensionierung der Lüftungsanlage und ein entsprechender Maßnahmenplan notwendig.

Wie viele Wasserproben im Rahmen des Tränkewasserchecks gezogen werden müssen und welche physikalischen und biochemischen Parameter zu untersuchen sind, ist in den Leitfäden genau beschrieben. Auch hier ist bei Abweichungen ein Maßnahmenplan abzuarbeiten.

Sowohl der Stallklima- als auch der Tränkewassercheck müssen zum Erstaudit bereits durchgeführt worden sein. Die durchführenden externen Fachleute müssen sich bei der Trägergesellschaft zuvor registrieren lassen. Für den Stallklimacheck müssen sich die Fachleute zudem vorher schulen lassen. Hierzu werden unter anderem auch im Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp Schulungen angeboten. Die Listen der zur Verfügung stehenden registrierten Stallklima- und Tränkewasserchecker wird auf der oben genannten Homepage der Initiative Tierwohl veröffentlicht.

1,5 Prozent lichtdurchlässige Fläche

Das Grundkriterium Tageslicht stellt insbesondere für gewachsene Betriebsstrukturen eine größere Hürde dar. Hier gilt nun, dass auf dem Betrieb im Mittel mindestens 1,5 % lichtdurchlässige Fläche, bezogen auf die Abteilgrundflächen, vorhanden sein muss. Hierzu zählen Glasscheiben, Plexiglas (zum Beispiel Mehrfachstegplatten), Glasbausteine und so weiter in Wänden und Decken. Fensterrahmen, Sprossen, Fugen bei Glasbausteinen oder Ähnliches müssen herausgerechnet werden.

Für die einzelnen Abteile kann der Anteil lichtdurchlässiger Fläche um bis zu 20 % unterschritten werden, solange das Gesamtmittel bei mindestens 1,5 % liegt. Indirektes Licht wird über eine Kaskade (eine „Weiterleitung“) angerechnet, das bedeutet, wenn es über einen Vorraum, einen Versorgungsgang oder ein Nachbarabteil kommt. In den Zwischen- und Außenwänden müssen natürlich entsprechende Lichtdurchlässe, bezogen auf die „zugehörigen“ Abteile, vorhanden sein.

 

Dr. Karl-Heinz Tölle, ISN-Projekt GmbH

Tel.: 0 54 91-96 65-36
toelle@schweine.net

Christian Meyer, LKSH

Tel.: 0 43 81-90 09-27
cmeyer@lksh.de

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