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Bricht in einem Bestand die Rindertuberkulose aus, muss die gesamte Herde getötet werden. Damit stellt diese Krankheit neben den gesundheitlichen Gefahren auch eine ernste wirtschaftliche Bedrohung dar. Foto: landpixel

Im März dieses Jahres infizierte sich ein Kind in Österreich bei den betriebseigenen Rindern mit Tuberkulose. Die 52 Rinder des Hofes wurden getötet. Das Kind wurde erfolgreich mit einem Antibiotikum behandelt. Diese und ähnliche Meldungen, häufig aus der Grenzregion Deutschland-Österreich-Schweiz, ziehen immer wieder die Aufmerksamkeit auf die Krankheit Tuberkulose. Dabei bringt die Tuberkulose eine bedeutende historische Geschichte mit, die vielleicht gerade den älteren Teil der Bevölkerung bei solchen Meldungen erschrecken lässt.

Nicht dazu passend scheint der "anerkannt Bovine-Tuberkulose-freie Status" zu sein, den Deutschland seit 1997 hat. Warum Deutschland immer noch diesen Titel hat, obwohl seit 2007 die Fallzahlen im zweistelligen Bereich liegen, liegt an der Definition, dass mindestens 99,9 % der Rinder frei von Tuberkulose sein müssen.

In zwei Regionen Deutschlands treten seit 2007 immer wieder Infektionen von Rindern mit den Tuberkulose verursachenden Mykobakterien auf. Zum einen in Süddeutschland, wo die Almwirtschaft betrieben wird. Hier ist die vermutete Ansteckungsquelle der Rot­hirsch, und die Infektion erfolgt durch das Bakterium Mycobacterium caprae. Des Weiteren gibt es eine Häufung der Fälle im Nordwesten Deutschlands, hier allerdings durch Mycobacterium bovis.

Der Steckbrief einer Tuberkulose

Die Tuberkulose ist eine Anthro­pozoonose, das heißt Menschen können sich bei Tieren anstecken und umgekehrt.

Der Infektionserreger ist eine Gruppe von Mykobakterien. Es gibt mehrere Unterarten, die auf einen bestimmten Wirt spezialisiert sind. Mycobacterium bovis und Myco­bacterium caprae gelten als Haupt­erreger der Rindertuberkulose. Für die Tuberkulose beim Menschen ist meist Mycobacterium tuberculosis verantwortlich. Die Erreger können grundsätzlich auch die anderen Arten infizieren.

Die Rindertuberkulose ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Die Rinder-Tuberkulose-Verordnung regelt den Umgang mit der Infektion und die Überwachung des Infektionsstatus. Zielsetzung der Verordnung ist, den Menschen vor der Rindertuberkulose zu schützen und ökonomische Schäden zu vermeiden.

Tatsächliche Auswirkungen der Tuberkulose

Wird in einem Betrieb der Ausbruch von Rindertuberkulose festgestellt, wird dieser durch das Veterinäramt gesperrt, der gesamte Rinderbestand getötet und die Milch vernichtet. Damit soll verhindert werden, dass die Tierseuche sich weiter ausbreitet. Die erkrankten Tiere dürfen nicht behandelt werden. Zudem wird auch das Gesundheitsamt verständigt, um die Untersuchung von möglicherweise betroffenen Menschen zu ermöglichen.

Aber wie kommt es eigentlich zum Verdacht, dass ein Rind an Tuberkulose erkrankt ist? Zum einen können die eher unspezifischen Symptome am Tier einen Hinweis darauf geben. Am häufigsten tritt bei infizierten Tieren eine Lungentuberkulose auf. Die Tiere fallen als geschwächt auf, verlieren Gewicht, sie zeigen eine erschwerte Atmung mit Husten, und es ist ein deutlicher Leistungsabfall zu verzeichnen. Neben der vorherrschenden Lungentuberkulose kann sich die Infektionen aber auch in anderen Organsystemen ausbilden wie zum Beispiel im Darm und der Gebärmutter. Krankheitssymptome sind dann Koliken, Durchfall und Fehlgeburten. Wichtige Hinweise auf eine Tuberkulose geben aber auch die Schlachttieruntersuchungen: Sogenannte verkäste Lymphknoten am Schlachttierkörper sind recht auffallend, und eine weiterführende Diagnostik am Mikro­skop wird in solchen Fällen sofort eingeleitet. Auch auf diesem Weg werden amtliche Untersuchungen begonnen und die notwendigen Maßnahmen auf dem Herkunftsbetrieb angeordnet.

Wenn der Mensch das Rind ansteckt

Infektionswege aufzudecken und zu verstehen, lässt sich gut mit der Arbeit eines Detektivs vergleichen: Führen bei einem Kriminalfall die Spuren zum Täter, so sind es die Infektionswege und der Erreger, die Wissenschaftler beim Forschen interessieren und dazu dienen sollen, weitere Infektionen zu verhindern. Aus diesem Grund hat im vergangenen Jahr der Gesetzgeber die Tuberkuloseverordnung verändert: Es soll die Nachforschung, die Detektivarbeit vereinfacht werden.

Die Änderung enthält im Kern die Definition, dass Rindertuberkulose nun auch bei dem Nachweis von M. tuberculosis (Haupterreger der menschlichen Tuberkulose) und weiteren Mykobakterien vorliegt. Durch diese Änderung wird nun eine genauere Erregerdifferenzierung standardisiert und die Untersuchungsergebnisse in entsprechenden Datenbanken jeglichem Gesundheitspersonal zur Verfügung gestellt. Dies ist ein ganz wichtiger Baustein des One-­Health-Ansatzes (Eine Gesundheit!).

Gewürdigt wird damit die Tatsache, dass die menschliche Gesundheit mit der tierischen so eng verwoben ist, dass sich dies auch in einer engen Zusammenarbeit von Human- und Tiermedizinern wie auch weiteren Gesundheitsexperten widerspiegeln muss.

Hintergrund dieser Erweiterung des Erreger­spektrums der Bovinen Tuberkulose ist die begründete Befürchtung, dass anders als bisher gedacht das Rind nicht immer nur eine Sackgasse (dead-end host) für die humane Tuberkulose mit M. tuberculosis darstellen könnte.

Zwei Fallberichte der vergangenen Jahre zeigten nämlich auf, dass gerade, wenn noch weitere Tierarten auf dem Betrieb vorhanden sind, die zur Anreicherung dienen könnten, die Infektion mit M. tuberculosis beim Rind nicht von allein endet. Es kam in diesen Fällen zu einer Mensch-Rind- beziehungsweise Rind-Rind-Übertragung der Humanen Tuberkulose.

Bisher war dies vornehmlich aus Ländern mit einer hohen Fallzahl von Humaner Tuberkulose berichtet worden. Da aber eine Zunahme der Humanen Tuberkulose weltweit um jährlich 1 % prognostiziert wird, bestehen Befürchtungen, dass solche Einzelfälle in Deutschland nicht Einzelfälle bleiben. Zudem gehen die Wissenschaftler davon aus, dass es eventuell auch eine Dunkelziffer solcher Fälle (mit M. tuberculosis infizierte Rinder) gibt, da die Rinder meist nicht die deutlichen Symptome der Tuberkulose zeigen.

Den kompletten Beitrag finden Sie in der Bauernblattausgabe 42/2018 unter der Rubrik "Tier" und im digitalen Bauernblatt.

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