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Die Kontrolle des Wiederkauverhaltens ist ein wertvolles Hilfsmittel zur Überprüfung der Pansenfunktion. Foto: Dr. Detlef Kampf

Während eine akute Pansenazidose eher selten ist, aber durchaus zum Tod des betroffenen Tieres führen kann, so kommt die subakute Form recht häufig vor. Bei 19 bis 26 % der früh- und hochlaktierenden Kühe ist dies der Fall. Oft weitet sich diese Form zu einem Bestandsproblem aus und führt durch die Folgeerkrankungen zu großen wirtschaftlichen Verlusten.

Es gibt zwei Formen der Pansenazidose: Bei der akuten Pansenazidose kommt es zu einer Verweigerung der Futteraufnahme, die Milchleistung ist deutlich verringert. Der auftretende Durchfall ist auffallend hell und riecht säuerlich. Es ist kein Wiederkauen zu beobachten, und die Tiere riechen sauer aus dem Maul. Kolikerscheinungen sind möglich; wenn die akute Pansenazidose nicht behandelt wird, kann sie zum Festliegen und zum Tod des Tieres führen.

Die subakute Pansenazidose (Sara: Subacute ruminal acidosis) tritt häufig in der Frühlaktation auf, wenn der Kraftfutteranteil zur Deckung des steigenden Nährstoffbedarfs erhöht wird, oder aber in der Hochlaktation, wenn enorme Kraftfuttermengen zur Bedarfsdeckung verabreicht werden müssen. Sie ist oft schwierig zu erkennen, da unspezifische Symptome auftreten, die häufig erst nach mehreren Wochen erkennbar werden. Häufig wird eine verminderte beziehungsweise wechselhafte Futteraufnahme beobachtet. Der Kot weist eine wechselnde Konsistenz auf, es kann zu Durchfall kommen beziehungsweise treten lange Fasern und unverdaute Körner im Kot auf. Die Milchleistung ist vermindert, auffällig ist, dass sie nicht der erwarteten Leistung entspricht und das genetische Potenzial nicht ausgenutzt wird. Der Milchfettgehalt verringert sich, und der Fett-Eiweiß-Quotient sinkt unter 1. Weiterhin sind das Wiederkäuen und die Pansentätigkeit merklich herabgesetzt. Die Tiere sind oft abgemagert (BCS unter 2,5, auch nach dem 150. Laktationstag). Im weiteren Verlauf ist die Infektionsanfälligkeit erhöht, Euter-, Klauen- und Fruchtbarkeitsprobleme sowie Labmagenverlagerungen nehmen zu. Es sind immer mehrere Tiere einer Gruppe betroffen.

Was passiert bei einer Pansenazidose?

Eine Pansenazidose ist eine Verdauungsstörung, wobei der pH-Wert des Pansens auf einen ungünstigen Wert absinkt. Daraus resultieren Fermentationsstörungen, die einen negativen Einfluss auf den Gesundheitszustand und die Leistung ausüben. Eine akute Pansenazidose tritt auf, wenn plötzlich sehr große Mengen von leicht verdaulichen Kohlenhydraten (zum Beispiel Kraftfutter) aufgenommen werden. Dabei steigt die Konzentration von Milchsäure und flüchtigen Fettsäuren sehr schnell an, und es kommt zu einem gravierenden Absinken des Pansen-pH-Wertes unter 5,0. 

Bei einer subakuten Pansenazidose kommt es durch die steigende Aufnahme leicht verdaulicher Kohlenhydrate und gleichzeitiger sinkender Aufnahme von strukturwirksamer Rohfaser zu einer Konzentrationserhöhung von flüchtigen Fettsäuren im Pansen. Rohfasermangel führt zu einer verminderten Kauaktivität, infolgedessen sinkt auch der Speichelfluss, der normalerweise eine Pufferfunktion im Pansen ausübt. Der optimale pH-Bereich für die faserabbauenden Pansenbakterien wird unterschritten. Dabei kommt es zu einer verringerten Bildung von Essigsäure (die vor allem zur Milchfettsynthese genutzt wird), der Milchfettgehalt sinkt ab. Folgeerkrankungen beinhalten Pansengeschwüre beziehungsweise Entzündungen der Pansenschleimhaut: Hierbei ist ein Übertritt von Säuren und Giftstoffen/Krankheitserregern in die Blutbahn möglich, wodurch es zur Bildung von Leberabszessen kommen kann. Auch Klauenrehe und Sohlengeschwüre sowie Ketosen werden häufig im Zusammenhang mit Pansenazidosen beobachtet.

Diagnose der Pansenazidose

akute Pansenazidose:

  • Vorbericht: übermäßige Fütterung/Aufnahme von sehr stärke- und/oder zuckerhaltigen Futtermitteln (zum Beispiel Rübenschnitzel, Melasse, Getreide)
  • klinisches Bild
  • Pansensaftuntersuchung (sehr dünnflüssig, milchig-grau, stechend-saurer Geruch, Fehlen von Infusorien)
  • pH-Wert des Pansensaftes: unter 6,0, Werte unter 5 sind möglich, aber abhängig vom Zeitpunkt der Entnahme (im späteren Verlauf auch Werte von 6 oder 7 möglich/ Umschlag in Pansenalkalose) und von Speichelbeimengung (Art der Entnahme)
  • deshalb Bestimmung von Kalzium und Phosphor in Blut und Harn, charakteristisch für eine Azidose: zirka über 1,5 mmol/l Harn und Phosphat über 5,7 mmol/l Harn

subakute Pansenazidose:

  • Eine Diagnose ist oft schwierig, da es sich um ein sehr komplexes Geschehen auf Herdenbasis handelt.
  • Wenn bei drei von zwölf einer Gruppe ein Pansen-pH von unter 5,5 gemessen wird, kann davon ausgegangen werden, dass eine subakute Pansenazidose vorliegt.
  • Die Art und der Zeitpunkt der Pansensaftentnahme üben einen großen Einfluss auf das Ergebnis aus; empfohlen wird die Pansenpunktion (Rumenocentese).
  • Der Grenzwert allein ist nicht ausschlaggebend, vor allem das wiederholte Absinken des Pansen-pH-Wertes im Bereich von 5,5 und 5,0 spricht für eine subakute Pansenazidose.
  • Beurteilung des Wiederkauverhaltens (mehr als 50 % der Kühe in den Liegeboxen sollten wiederkauen, zwei Stunden nach dem Füttern sogar 90 %; je abgeschlucktem Bissen 50 bis 70 Wiederkauschläge, wenn unter 50: Hinweis auf mangelnde Struktur)
  • Harnuntersuchung: NSBA unter 83 mmol/l (Achtung bei Fütterung von sauren Salzen), pH-Wert und Ketonkörper
  • Kontrolle des Milchfettgehaltes: unter 3,6 %, über 45 % der Kühe in der Frühlaktation weisen gegenüber dem Vormonat einen Abfall um 0,4 % auf, Fett-Eiweiß-Quotient unter 1

Wie wird eine akute Pansenazidose behandelt?

Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Azidose. Bei leichten Fällen sollte die Futterration auf Heu beziehungsweise Futterstroh umgestellt werden und Puffersubstanzen (zum Beispiel Natriumbikarbonat 50 bis 100 g pro erwachsenem Tier) und Hefepräparate sollten gefüttert beziehungsweise eingegeben werden. Um eine Verschlechterung des Zustandes rechtzeitig erkennen zu können, sollte das betroffene Tier häufig überwacht werden. Bei schweren Fällen muss gegebenenfalls der Tierarzt/die Tierärztin den Vormageninhalt entfernen beziehungsweise den Pansen spülen. Die intravenöse Gabe einer Bikarbonatlösung (8,4%ig) dient zur Korrektur der Azidose im Blut. Nach dem Überstehen der kritischen Phase ist eine Pansensaftübertragung (5 bis 10 l), die Gabe von Pansenstimulanz und subkutanen Injektionen von Vitamin-B1- oder Vitamin-B-Komplexen sinnvoll.

Wie kann man einer Pansenazidose vorbeugen?

Vor allem bei der subakuten Pansenazidose ist nur selten eine individuelle Behandlung notwendig, hier liegt das Hauptaugenmerk auf der Prophylaxe, die eine wiederkäuergerechte Fütterung in allen Phasen der Laktation beinhaltet. Denn die Folgeschäden wie zum Beispiel Klauenrehe können zu einer massiven Reduktion der Milch- und Fruchtbarkeitsleistung führen.

Eine wiederkäuergerechte Fütterung ist allerdings bei Milchleistungen über 45 l pro Tag und bei der Intensivmast eine große Herausforderung und erfordert ein einwandfreies Konzept. Dabei spielen eine optimale Rationsgestaltung sowie eine optimale Fütterungstechnik eine große Rolle. Es ist auf eine ausreichende Versorgung mit Rohfaser (über 320 g strukturierte Rohfaser je 100 kg Lebendmasse, 2,4 kg strukturwirksame Rohfaser je Kuh und Tag, Rohfasergehalt der Rationstrockenmasse: 15 bis 18 %) Wert zu legen. Die Grenzwerte der leicht löslichen Kohlenhydrate (Zucker, Stärke maximal 25 % in der Trockenmasse) müssen beachtet werden. Der Kraftfutteranteil in der Ration darf maximal 60 % betragen. Es sollten Futtermittel mit hoher Pansenstabilität (zum Beispiel getrocknete Zuckerrübenschnitzel) eingesetzt werden. Nur einwandfreie, schmackhafte Silagen (ohne Mykotoxine) sollten vorgelegt werden.

Die Einmischung von Pansenpuffern in die Ration (Natriumbikarbonat, 1 % des Kraftfutters) ist möglich, wird aber nicht pauschal empfohlen, da möglicherweise die Futteraufnahme beeinträchtigt wird. Rationen mit hoher Energiedichte und geringem Rohfasergehalt, insbesondere im peripartalen Zeitraum, dürfen nur in schrittweiser Anpassung gefüttert werden. Zum Beispiel gilt als Faustzahl bei der Anfütterung nach dem Kalben: 2 kg Kraftfutter pro Woche. Ein optimales Futtertischmanagement beinhaltet einen permanenten Zugang zum Futter, damit eine gleichmäßige Futteraufnahme möglich ist. Das Futter sollte mehrmals am Tag nachgeschoben werden, die Futtertischoberfläche sollte glatt sein und der Futtertisch einmal täglich gereinigt werden. Bei getrennter Fütterung von Rau- und Kraftfutter sollte immer das Raufutter vor dem Kraftfutter vorgelegt werden. Kraftfutter (auch Futterrüben, Kartoffeln) sollte auf mehrere kleine Gaben pro Tag (maximal 2 kg je Mahlzeit) verteilt werden. Die Kalibrierung der Kraftfutteranlagen sollte regelmäßig erfolgen.

Bei Verfütterung einer TMR ist auf eine gute Vermischung zu achten (selektives Fressen von Getreide muss verhindert werden), aber es sollte auch keine Vermusung (Abnahme der Strukturwirksamkeit) zugelassen werden (Kontrolle der exakten Arbeitsweise des Futtermischwagens). Die Partikelgröße kann mittels einer Schüttelbox überprüft werden. In einer totalen Mischration sollten wenigstens 10 % der Futterpartikel (Gewichtsbasis) im oberen Sieb verbleiben, das heißt eine Länge von über 4 cm haben. Zu guter Letzt wirken ausreichende Fressplätze (keine Überbelegung), genug Zeit zum Fressen und eine regelmäßige Fütterung dem Entstehen einer Pansenazidose entgegen.

Fazit

Es gilt wie auch bei allen anderen Krankheiten das Prinzip, dass Vorbeugen besser als Heilen ist. Eine wiederkäuergerechte Fütterung ist der Grundbaustein, um eine Übersäuerung des Pansens und dessen Folgeprobleme zu verhindern. Im Hochleistungsbereich erfordert dies ein durchdachtes Konzept und ein gutes Management.

Dr. med. vet. Katharina Traulsen
freie Autorin

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