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Die Kälber-Trocken-TMR wird anstelle von Heu und Kälberaufzuchtfutter bereits im Iglu gefüttert. Foto: Dr. Kunz

Immer mehr Betriebe setzen bei ihren Kälbern erfolgreich eine Trocken-TMR ein. Sie besteht aus pelletiertem Kälberaufzuchtfutter, Stroh, zum Teil auch Luzerneheu und eventuell auch noch ein wenig Melasse. Die Melasse sorgt dafür, dass sich beide Komponenten weniger leicht entmischen und sich der Geschmack noch etwas verbessert. Der gewichtsmäßige Anteil des Kälberaufzuchtfutters beträgt etwa 88 bis 90 %. Auf das Volumen bezogen, ergibt sich hingegen für beide Komponenten ein Anteil von jeweils etwa 50 %. Solche Trocken-TMR für Kälber werden von den meisten Futtermittelfirmen als fertige Mischung in Bigbags angeboten, können aber auch selbst hergestellt werden. Wichtig ist, dass es sich bei dem dafür verwendeten Stroh um kurz gehäckselte Ware von wenigen Zentimetern handelt, damit die Kälber Stroh und Kraftfutter möglichst nicht selektieren können. Zudem sollte das Stroh entstaubt sein. In Ballenform kann auch diese Komponente zugekauft werden. Wer Melasse mit einsetzt, kann davon etwa 2 % beimischen.

Vorteile einer Trocken-TMR

Die Trocken-TMR ist keine Konkurrenz zur klassischen Fütterung mit Kälberaufzuchtfutter und Heu, sondern eine Alternative dazu. Wichtig ist: Kälber brauchen beides, auf der einen Seite die leicht löslichen Kohlenhydrate aus dem Kälberaufzuchtfutter, die das Zottenwachstum stimulieren, und auf der anderen Seite die Strukturwirkung des Heus beziehungsweise des Strohs, damit sich die Pansen- und Darmmuskulatur gut entwickeln kann und, das ist ganz wichtig, damit es nicht zum Verkleben der Pansenzotten kommt.

Im Vergleich zur getrennten Fütterung von Stroh/Heu und Kälberaufzuchtfutter bietet eine Trocken-TMR den Vorteil, dass das Kalb beide Komponenten immer im gleichen Mengenverhältnis aufnimmt. Das hat Vorteile. Beinahe jeder kennt die Situation, dass einmal ein Kalb, meist eines der schönsten und der am weitesten entwickelten, aufbläht oder tot in der Bucht liegt. Eine Ursache dafür kann eine kleinschaumige Gärung sein, die durch eine zu hohe Aufnahme von Kraftfutter in zu kurzer Zeit hervorgerufen worden ist. Durch die gleichzeitige Aufnahme von Stroh in einer Kälber-TMR kann einer solchen kleinschaumigen Gärung vorgebeugt werden. 

Ein weiterer positiver Aspekt ist, dass Kälber in ihrer Entwicklung in der Regel zuerst damit beginnen, Heu beziehungsweise Stroh zu fressen, und später Kraftfutter aufnehmen. Wird eine Kälber-TMR gegeben, nehmen die Kälber bereits mit dem Stroh kleine Mengen an Kraftfutter auf, das zur schnelleren Entwicklung des Zottenwachstums beiträgt.

Gibt es Bedenken?

Es gibt Berater, die von einer frühzeitigen Fütterung von Stroh oder Heu abraten. Dazu gehört Jud Hinrichs aus den USA. In einem Artikel von ihm heißt es dazu im Fazit: 

„Auf eine Zufütterung von Heu kann verzichtet werden, wenn das Kraftfutter mindestens 9 % ADF enthält. Heu und Silage verstopfen den Pansen, sie sollten nicht in den ersten Lebenswochen verfüttert werden, zumindest nicht als alleiniges Futtermittel neben der Tränke.“ 

Jeder Rinderhalter weiß jedoch, dass Heu beziehungsweise Stroh in hoher Qualität das einzige feste Futter ist, das Kälber als Erstes aufnehmen. Natürlich ist es sinnvoll, ihnen zum Kennenlernen zusätzlich von Beginn an kleine Mengen Kälberaufzuchtfutter mit anzubieten, auch wenn es erst mit drei bis vier Wochen zu einer deutlichen Steigerung der gefressenen Menge kommt. Wären die Empfehlungen von Jud Hinrichs richtig, wäre die Verfütterung von reinem Kraftfutter ohne Stroh beziehungsweise Heu einer solchen Trocken-TMR vorzuziehen. Was ist davon zu halten?

Das von Jud Hinrichs angesprochene ADF (acid detergent fiber: schwer verdauliche Zellwandbestandteile, Zellulose und Lignin), das mindestens mit 9 % im Kraftfutter enthalten sein soll, reicht jedoch nicht aus, um bei steigender Kraftfutteraufnahme ein Verkleben der Pansenzotten zu verhindern. Dies haben bereits Untersuchungen von Marx (1972) und von Mahlkow-Nerge (1999) eindrucksvoll gezeigt. Die für die Pansentätigkeit notwendigen und unbedingt zu berücksichtigenden physikalischen Eigenschaften des Futters werden bei einer Reduzierung der Rohfaser auf ADF vernachlässigt. Hierfür ist im Sinne von Hoffmann die strukturwirksame Rohfaser zu berücksichtigen, und für Kälber kommen dann sehr schnell Futterkomponenten wie Stroh oder Heu ins Spiel. Die angesprochenen Untersuchungen von Marx haben gezeigt, dass in diesem Fall Partikelgrößen von mindestens 6 mm Länge benötigt werden. Solche Partikel würden beim Pressen von Pellets unweigerlich zerstört werden und damit ihre Strukturwirksamkeit im Pansen verlieren. 

Fütterungsstrategie mit Kälber-TMR

Wie kann nun eine Fütterungsstrategie mit einer Kälber-Trocken-TMR aussehen, egal ob die TMR selbst hergestellt oder zugekauft ist? Als Beispiel soll das Aufzuchtprogramm für die Kälber und Jungrinder aus der Herde des Lehr- und Versuchszentrums Futterkamp dienen. Auch hier wird derzeit mit Erfolg eine Kälber-TMR im Rahmen eines Versuches eingesetzt. 

Die Aufzucht beginnt mit einer Ad-libitum-Biestmilch/Vollmilch-Tränke im Einzeliglu. Dort sind die Kälber in den ersten beiden Lebenswochen untergebracht. Die Nuckeleimer werden zwei Mal täglich frisch mit Milch befüllt und bleiben beim Kalb hängen. Die Kälber haben somit zu jeder Zeit Zugang zur Milch, die leicht auf einen pH-Wert von 5,5 angesäuert ist. Anstelle von Heu und Kälberaufzuchtfutter wird ihnen in einer Kraftfutterschale eine Kälber-TMR angeboten. Das darin enthaltene kurz gehäckselte Stroh in Verbindung mit Melasse und Kälberaufzuchtfutter wird sehr früh aufgenommen, wenn auch nur in kleinen Mengen. 

Im Anschluss an die Einzelhaltung kommen die Kälber mit der dritten Lebenswoche in Gruppenbuchten und werden dort über Tränkeautomaten mit Milchaustauscher (50 % Magermilchpulver) versorgt. In der ersten Woche in der Gruppenbox (dritte Lebenswoche) bekommen sie noch 10,4 l Tränke (9 l + 160 g MAT/l = 10,4 l Tränke). Anschließend werden sie bis zur vollendeten neunten Lebenswoche auf 0 l abgetränkt. In der ersten Gruppenbox am Tränkeautomaten bleiben die Kälber drei bis vier Wochen und bekommen über den Futtertrog ad libitum Kälber-TMR zu fressen. In der zweiten Box am gleichen Automaten erhalten sie während der letzten Wochen der Milchtränke zusätzlich zur Kälber-TMR auch schon die Teilmischration der Kühe, die auf 24 l ausgelegt ist. Nachdem die Kälber von der Milch abgesetzt sind, das heißt im vierten und fünften Lebensmonat, bekommen sie weiterhin die Teil-TMR der Kühe, aber nur noch 2,5 kg pro Tier und Tag von der Kälber-TMR. Im sechsten Lebensmonat gibt es nur noch die Teilmischration der Kühe. Die Kälber-TMR wird hier nicht mehr angeboten. Ab dem siebten Lebensmonat wird nur noch eine mineralisierte Trockensteherration ohne Kraftfutter gefüttert.

Die Entwicklung der Kälber ist mit dieser Methode hervorragend. Auffallend sind ein sehr guter Gesundheitsstatus, eine stark ausgeprägte Pansenentwicklung und eine damit verbundene hohe Grundfutteraufnahme. Die Gewichte bei der Umstallung der Tiere in den Jungviehbereich mit einem Alter von sechs Monaten liegen im Mittel bei 230 kg. Entscheidend hierbei ist allerdings, dass die Tiere ihre höchsten Zunahmen in den ersten Lebenswochen beziehungsweise Monaten gehabt haben, um anschließend früh auf eine kraftfutterarme Ration umgestellt werden zu können. Das Ziel ist es, durch die Ad-libitum-Tränke in den ersten Wochen und die frühzeitige Aufnahme von Kälberaufzuchtfutter in der Kälber-TMR die Anlage für eine hohe Grundfutteraufnahme zu legen und es zu ermöglichen, dass die Tiere früh auf eine kraftfutterarme beziehungsweise kraftfutterlose Ration umgestellt werden können.

 

Dr. Hans-Jürgen Kunz

Landwirtschaftskammer 

Tel.: 0 43 81-90 09-48

hkunz@lksh.de

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