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Thomas Fabry nutzt die Social-Media-Plattform Snapchat für kreative Öffentlichkeitsarbeit. Fotos: Thomas Fabry

In Deutschland nutzen mehr als neun Millionen Menschen Snapchat. Einer von ihnen ist Thomas Fabry. Der 23-jährige Junglandwirt und Agrarstudent aus Osnabrück zeigt auf dem Account "Ich liebe Landwirtschaft", wie Stallfenster von innen aussehen. Das Bauernblatt hat mit ihm gesprochen.

Aufstehen, Frühstück, Gang durch den Sauenstall, Gerste dreschen, Stroh pressen, Feierabendbier. Auf Snapchat zeigen Sie in einer Mischung aus Videos und Bildern, wie ihr Alltag in der Landwirtschaft aussieht. Wie reagiert Ihre Community darauf?

Thomas Fabry: Durchweg positiv. Die Nutzer haben die Möglichkeit, auf bestimmte Bilder in der Story zu reagieren und Fragen zu stellen, was sehr gut angenommen wird. Ich stehe mit vielen Usern in Verbindung, die keinen Bezug zur Landwirtschaft haben. In der Regel erreichen mich zwei Fragen pro Tag. Bei der Themenwahl des Snaps (Erläuterung im unteren Kasten) beziehe ich diese mit ein.

Haben Sie ein Beispiel?

Neulich habe ich ein kurzes Video aus dem Abferkelstall gesnappt. Dann kam die Frage von einem User, wo die Sau vorher war. Statt ausführlich per Chatfunktion zu antworten, habe ich einfach die gesamte Community mit in den Wartestall genommen und gleich allen gezeigt, wo sie und die anderen Sauen vor dem Umzug leben.

Sie haben sich für Snapchat entschieden und nicht für Facebook oder Instagram. Was macht den Reiz an dem Medium aus?

Snapchat ist spontan und authentisch. Das passt zu mir. Als selbstständiger Landwirt werde ich täglich vor neue Herausforderungen gestellt, sei es durch das Wetter oder einen technischen Defekt. Die Landwirtschaft bietet so viele Facetten, so viele schöne Geschichten, die sich tagtäglich im Umgang mit Tier und Natur ereignen. Das möchte ich mit anderen teilen, genau diesen Moment, ohne vorweg das beste Bild auszusuchen. Das macht das Ganze so echt und lebensnah.

Ihr Kanal heißt "Ich liebe Landwirtschaft". Betreuen Sie ihn allein?

Nein. Im Hintergrund sind Jutta Zeisset und Gabriele Mörixmann sehr aktiv, die "Ich liebe Landwirtschaft" zunächst auf Facebook und auf Instagram ins Leben gerufen haben. Beide stehen mir bei Snapchat strategisch zur Seite und verpassen dem Auftritt etwas Struktur.

Nehmen wir mal einen normalen Arbeitstag. Denken Sie: "Oh, das könnte ich jetzt gut snappen", oder schreiben Sie sich ein Storyboard?

Zwischen dem Betrieb, dem Studium und dem Vorsitz im Verein "Massentierhaltung aufgedeckt" kann es im Alltag schon mal turbulent zugehen, aber genau die will ich auch zeigen, da sich alles um das große Thema Landwirtschaft dreht. Etwas Struktur bekommt die Geschichte über Oberthemen, Stichwort "Storytelling", die wir für eine Woche festlegen. Diese Woche steht die Ernte auf dem Programm. Trotzdem snappe ich ganz spontan auch über anderes, wenn es sich aus dem Alltag heraus ergibt. Das kann auch mal ein Lichtschalter sein, der gewechselt wird. Aber das macht es für mich aus. Ich liebe Landwirtschaft, und auf unseren Kanälen wollen wir den Leuten diesen vielfältigen Beruf näherbringen.

Angenommen, Bauer Petersen überlegt sich, sich im Bereich "Landwirtschaft und Social Media" zu engagieren. Welchen Kanal würden Sie ihm empfehlen?

Jeder Kanal und jede Plattform ist für sich etwas ganz Besonderes. Wo man auf YouTube das Abendprogramm mit Tutorials oder Erntevideos füllen kann, bietet Snapchat die Möglichkeit, zwischendurch und unterwegs mal kurz reinzuschauen. Genauso ist es mit Facebook und Twitter. Wichtig ist, dass man sich mit dem Kanal identifizieren kann und mit den Lesern in den Dialog tritt, denn das macht die sozialen Netzwerke aus.

Vorgestern Sauenstall, gestern Ernte, heute Stroh pressen. Was dürfen wir in naher Zukunft noch alles von Ihnen auf Snapchat und anderen Kanälen erwarten?

Die Landwirtschaft wird nie langweilig. Es gibt jeden Tag neue Aufgaben zu bewältigen und die wohl größte Kulisse für Foto- und Videomaterial. Da werden wir unsere Follower weiter mitnehmen, und Snapchat wird dabei von immer größerer Bedeutung sein.

  

Snapchat: Ein visuelles Tagebuch?
Haben Sie noch eine analoge Kamera? Es ist noch gar nicht allzu lange her, da wurden Fotoapparate dafür genutzt, um Erinnerungen festzuhalten. Dadurch, dass sich die Mobiltelefonbranche stetig weiterentwickelt und jedes Smartphone im Jahr 2016 höchste Bildqualitäten abliefert, ist auch eine Wende in der Kommunikation festzustellen. Bilder werden nicht mehr nur noch als Erinnerungen gesammelt, sondern dienen der Kommunikation mit den Mitmenschen: Screenshot hier, Selfie dort. Bevor eine Situation groß umschrieben wird, schnellt die Hand zum Smartphone und sendet ein Foto via WhatsApp oder Messenger zum Empfänger. Allerdings entsteht durch den Versand der Bildnachrichten eine immense Datenmenge, die die Speicherkapazität des Telefons in die Knie zwingt.
Eine neue App weiß Abhilfe: Snapchat. Snapchat ist ein sogenannter Instant-Messaging-Dienst, mit dem Bilder und Videos (sogenannte Snaps) versendet und empfangen werden können. Die Besonderheit ist, dass sich die Snaps auf dem Endgerät des Empfängers ein paar Sekunden nach der Betrachtung automatisch löschen. Außerdem kann über Snapchat eine sogenannte Story erstellt werden. In einer Story werden Bilder und Videos gesammelt, die – anders als bei normalen, privaten Snaps – immer wieder angeschaut werden können, bis sie 24 Stunden nach der Veröffentlichung automatisch gelöscht werden.

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