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Immer mehr Schafe fallen dem Wolf zum Opfer. Fotos: Joachim Becker (2), Jan Siebels (2)

In Schleswig-Holstein mehren sich die Meldungen von Wolfsrissen. Die jüngsten Fälle waren in Nordfriesland und Rendsburg zu verzeichnen. Es ist kein Märchen, und es gibt nicht genug Uhrenkästen, in denen die Schafe sich verstecken könnten, wenn er kommt. Er kündigt sich auch nicht an, kann in einer Nacht spielend bis zu 70 km zurücklegen und taucht völlig unerwartet auf. Die jüngste Wolfsattacke fand diese Woche südlich von Neukirchen in Nordfriesland statt. Dort wurden in der Nacht auf Mittwoch auf einer Weide mehrere Schafe gerissen. Landes-Wolfsbetreuer Jens-Uwe Matzen bestätigte den Tod von zwei Tieren, weitere Tiere mussten aufgrund ihrer schwerwiegenden Verletzungen getötet werden.

Die Wolfsrisse haben sich gehäuft in diesem Jahr. Nach Angaben des Landes­amtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) gab es seit dem Jahr 2007, als der Wolf erstmals wieder in Schleswig-Holstein nachgewiesen wurde, insgesamt 117 C1-Wolfsnachweise sowie fünf bestätigte C2-Wolfshinweise. Davon fielen 71 Wolfsnachweise in dieses Jahr, allein seit Mai wurden 48 Fälle registriert.

Die jüngsten Attacken in Neukirchen und Brammer sind dabei noch nicht mitgezählt. Hinzu kommen zwei Angriffe auf Kälber in der vorigen Woche. Als Nachweis C1 für einen Wolf gelten ausschließlich harte Fakten, ein lebend gefangenes Tier, ein Totfund, ein genetischer Nachweis, ein Foto oder die Ortung eines Wolfes, der mit einem Senderhalsband ausgestattet ist. Hinweise werden in bestätigte Hinweise Kategorie C2 und unbestätigte Hinweise Kategorie C3 unterteilt.

Jan Siebels, Schäfer aus Blumen­thal, hat es in der vorigen Woche zum dritten Mal getroffen. Auf einer Weide an einem Waldgebiet bei Brammer, Kreis Rendsburg-Eckernförde, hat er am Freitag voriger Woche 14 seiner Schafe tot aufgefunden, durch Kehlbisse getötet. Ein acht Wochen altes Lamm musste später getötet werden. Im Jahr 2015 ist der Wolf gleich zweimal in Herden des Schäfers eingebrochen und hat 34 Schafe gerissen.

Für die Schäfer sind die Risse und Tierverluste nur ein Teil der Causa Wolf. Schlimmer sind teils sogar die weiteren Effekte und möglichen Schäden. Als Folge der Attacken verlammen Mutterschafe, und es kommt zu hohen Abortraten. Nach den Wolfsrissen im Frühjahr 2015 sind Siebels über 20 Lämmer regelrecht verhungert, weil die Mütter totgebissen wurden und die Jungtiere die Nahrung aus den Milch­automaten nicht annehmen.

Siebels hat Sorge vor der Unfallgefahr. Die Tiere erleiden Panikattacken und fliehen vor dem Wolf. Sie können dabei leicht auf eine Straße geraten und Unfälle mit schlimmen Folgen verursachen. Natürlich sind die Weideflächen fachgerecht eingezäunt. Der Schäfer gibt aus seiner Erfahrung jedoch zu bedenken, dass er die als wolfssicher geltenden Litzenzäune mit vier Strom führenden Litzen nicht für ausreichend sicher hält, ebenso die Elektronetze mit Breitbandlitze. "Wenn der Wolf sein Futter riecht, bricht er ein", ist seine Einschätzung. Diese Auffassung vertritt auch Karl-Henning Hinz, Vorsitzender des Landesverbandes Schleswig-Holsteiner Schaf- und Ziegenzüchter. Für den Verband sollte der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen und Entnahmen vereinfacht werden. "Es geht uns Schäfern darum, unsere Tiere zu behalten, und nicht um eine Entschädigung", so Hinz. "Das Herz schlägt für die Schafe."

"Schafe sind leider eine extrem leichte Beute für den Wolf", bestätigt Jens Matzen, der Koordinator Wolfsbetreuung in Schleswig-Holstein. "Sie sind domestiziert und haben keinen Fluchtinstinkt, das weckt den Beutetrieb der Wölfe. Das ist ein natürliches Verhalten, das den Schafen und den Tierhaltern zum Verhängnis wird", das ist Matzen klar, der im Auftrag des Ministeriums für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung des Landes Schleswig-Holstein (Melund) arbeitet. Er kennt die Situation im gesamten Land und sagt, er könne die Situation der Weidetierhalter verstehen. "Doch wolfsfreie Gebiete wird es auch bei Bejagung nicht geben", ist für Matzen sicher, der selbst Jäger ist. "Wir werden uns mit dem Zuwanderer arrangieren müssen."

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