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Die Plakate in der Miniaturwelt Knuffingen zeigen unter anderem Menschen in Mastanlagen. Foto: Miniatur Wunderland Hamburg

Gerrit Braun (li.) besuchte zum persönlichen Austausch Landwirt Thomas Andresen in Sillerup. Im Gepäck hatte er ein landwirtschaftliches Miniatur-Gastgeschenk. Foto: Sönke Hauschild

Das Miniatur Wunderland Hamburg gilt mit seinen liebevoll gestalteten Landschaften als Zuschauermagnet für Touristen und Einheimische. Mit einer Plakataktion in der Fantasiewelt "Knuffingen" setzten die Wunderland-Macher kürzlich ein politisches Statement. Viele Landwirte fühlen sich von den Bildern diffamiert.

Menschenfütterung in Mastanlagen, Frauen an Melkmaschinen und Jungen, die geschreddert werden – die Bilder, die das Wunderland seinen Besuchern präsentiert, provozieren. Nachdem die Plakate auf der Facebookseite des Wunderlandes veröffentlicht wurden, kam es zu massiven Protesten aus der Landwirtschaft. Von anderen Social-Media-Nutzern gab es hingegen Lob für die Aktion, was zu teils hitzigen Diskussionen führte und eine enorme Reichweite zur Folge hatte: Bis Mittwochabend wurde der Beitrag fast 4.500 Mal kommentiert und fast 6.000 Mal geteilt.

Landwirt Thomas Andresen aus Sillerup, Kreis Schleswig-Flensburg, erklärte gegenüber dem Bauernblatt, warum auch er die Aktion kritisch sieht: "Wir kennen solche Bilder von Organisationen, die die Tierhaltung in Deutschland abschaffen wollen", verdeutlichte der Rinderhalter. Die Gründer des Wunderlandes, Frederik und Gerrit Braun, räumten ein, die Auswirkungen der Plakate unterschätzt zu haben. Sie beteuerten, dass sie eigentlich die Verbraucher hätten aufrütteln wollen. Gerrit Braun nahm daher gerne die Einladung von Andresen zur Betriebsbesichtigung an, um sich ein Bild von der modernen Landwirtschaft zu machen.

"Das Gespräch war von großer Offenheit geprägt", berichtete der Betriebsleiter. Man teile das Herzblut und die Leidenschaft für den eigenen Beruf. Laut Andresen wolle Braun der klassischen Landwirtschaft zukünftig gerne einen eigenen Platz im Wunderland einräumen. Konkrete Pläne gebe es zwar noch nicht. Dennoch könne sich Andresen aufgrund des guten Gesprächs vorstellen, bei seinem nächsten Hamburg-Besuch auch wieder das Wunderland anzusteuern.

Kommentar: Einmischen, Einladen, Reden

Das Miniatur Wunderland wollte nach eigenen Aussagen die 95 % der Bauern stärken, die „mit Hingabe und Gefühlen ihren Tieren gegenüber unsere Lebensmittel erzeugen“. Doch wer die Bilder ansieht, dem kann auch in den Sinn kommen, was der Bauernverband Schleswig-Holstein (BVSH) auf Facebook postete: „abartig“. Dieses Peta-Niveau scheint aus Sicht der Hamburger gerechtfertigt. Verständnislos stand man sich daher auf Facebook gegenüber. Immerhin: Die Macher des Wunderlandes warfen sich mit Verve in die Diskussion. Sie haben dabei Schrammen abbekommen, sich jedoch fair verhalten. Ihre Verwunderung über die heftigen Reaktionen der Landwirte zeigt, wie weit weg wir voneinander sind. Was kann die Landwirtschaft tun?

Sich einmischen! Der Bauernverband hat die Aktion kritisiert. Dadurch wurde das Thema hochgekocht, was manch einer für falsch hält. Aber hat das Wegducken in der Vergangenheit etwas gebracht?

Einladen! Zahlreiche Landwirte haben die „Wunderländer“ auf ihre Höfe eingeladen. Bauern haben ihre Wagenburg längst verlassen. Der Erfolg lässt auf sich warten, aber er wird kommen.

Miteinander reden! In diesem Fall haben das beide Seiten getan. In den Sozialen Medien wurde tagelang diskutiert. Doch erst beim Hofbesuch entdeckte man Gemeinsamkeiten.

Verantwortung übernehmen! Das Wunderland meinte, verantwortlich zu handeln, leider auf Kosten der Bauern. Will man wirklich etwas erreichen, fängt es jetzt erst an. Bauern übernehmen Verantwortung, mit vielfältigen Strategien zur Tierhaltung, dem Ackerbau, dem Klimaschutz et cetera. Doch reicht das?

Der Vorfall zeigt: Wer Tier und Mensch vergleicht, der greift heute zu solchen Bildern. Doch es bleibt ein Unterschied, ob man Kühe oder Frauen melkt! Noch spiegeln die Gesetze dies wider, doch sind christlich-humanistische Wertvorstellungen im Schwinden. Die Zukunft der Tierhaltung hängt an der ethischen Frage. Reden wir darüber.

Sönke Hauschild, bvsh

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