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Werner Schwarz. Foto: Archiv

Was für Werner Schwarz, Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, den Beruf des Landwirts ausmacht, erläuterte er beim Kreisbauerntag Teltow-Fläming am 19. Februar in Jüterbog:

"Was wir tun, bezeichnen manche als industrielle Landwirtschaft. Zwar bedeutet das Wort industriell eigentlich etwas Positives, nämlich regsam und beharrlich zu sein. Das passt sehr gut zu uns Landwirten. Stete Regsamkeit in Verbindung mit einer großen Beharrlichkeit ist die Voraussetzung für einen betrieblichen Erfolg vor allem bei Selbständigen, sei es im Handwerk, der Landwirtschaft oder anderen Berufen. Doch ein Cousin des Dichters Friedrich Schiller übersetzte den Begriff Industrie vor 250 Jahren leider mit "Großgewerbe". Das ist nun wirklich das Gegenteil unserer Landwirtschaft - egal ob Familien- oder Mehrfamilienbetrieb. Doch werden Landwirte heute gerade in den Dimensionen, in denen sie hier vor Ort denken und wirtschaften, als industriell hingestellt. Mit Absicht, denn das Wort erzählt eine Geschichte, eine negative.

Ich denke, wir sollten den Begriff der "professionellen" Landwirtschaft nutzen. Denn wir sind die Profis. Wir wissen, was wir tun. Wir haben es gelernt. Wir bilden uns fort. Wir investieren in unsere Profession, unseren Beruf, damit wir ihn noch besser ausführen. Weitere Merkmale einer Profession sind ein hoher Grad an beruflicher Organisation, die persönliche Entscheidungsfreiheit im Beruf sowie eine Berufsethik. Ich finde mich da wieder, Sie auch? Der Begriff leitet sich übrigens vom Wort "Bekenntnis" ab. Das kommt der Deutung der Agrar-Berufe als Berufung und damit unserer inneren Einstellung sowie Arbeitsweise schon sehr nah, meine ich. Professionalisieren bedeutet in der heutigen Zeit zum Einen, besser ausgebildet zu sein, also genauere Kenntnisse über die Zusammenhänge unserer Tätigkeiten in der Breite zu haben.

Zum Anderen gab es eine grundlegende Veränderung nach 1990. Im Westen Deutschlands haben wir bemerkt, dass es sich auch in größeren Strukturen wirtschaften lässt. Der Osten Deutschlands hat diese Strukturen mit seinen Mehrfamilienbetrieben und Fremdarbeitskräften gelebt, sei es im Ackerbau oder in der Tierhaltung. Nach der Grenzöffnung haben Sie hier im Osten durch die bessere Verfügbarkeit der Produktionsmittel die Intensität im Stall, aber besonders auf den Äckern gesteigert. Wir können das heute deutlich an den Leistungen der Kühe, den Erträgen beim Getreide im Osten und zum anderen bei den Degressionseffekten zum Beispiel der Arbeitserledigungskosten im Westen messen.

Diese hohe Professionalität muss aber mit einem Bekenntnis zu den Anforderungen der Gesellschaft einhergehen, d.h. Auflagen im Tierschutz und Umweltschutz, im Gewässerschutz und der Luftreinhaltung sind einzuhalten. Fragen der Produkt- und der Prozessqualität, des unmittelbaren und mittelbaren Einflusses unserer Produktion auf das Ökosystem müssen auf fachlich-wissenschaftlicher Basis diskutiert werden und zwar als sich entwickelndes System. Denn wir haben heute noch nicht die Kenntnisse, die wir vielleicht in 20 Jahren haben werden. Emotionalisieren ist bei diesem Weg überhaupt nicht angebracht.

Gerade deshalb halte ich die aktuelle Diskussion um unsere Profession für so absurd. Vor allem aber ist die Art des Umgangs mit unseren Bauernfamilien an der Grenze des Erträglichen. Ich habe das Gefühl, dass wir bei den jungen Landwirten an einem Wendepunkt angelangt sind: Das, was man heute mit uns macht, wird von ihnen nicht weiter akzeptiert."

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