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Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht will Wolfspräventionsgebiete ausweisen. Foto: a.s./pixelio

Pläne zur Weiterentwicklung des schleswig-holsteinischen Wolfsmanagements hat Umweltminister Jan Philipp Albrecht am Mittwoch dieser Woche vorgestellt. Danach will das Landwirtschaftsministerium in den vier Landkreisen Dithmarschen, Pinneberg, Steinburg und Segeberg Wolfpräventionsgebiete einrichten und damit in diesen besonders und dauerhaft betroffenen Kreisen eine so wörtlich "neue Konzeption eröffnen". Was dies im Einzelnen bedeutet, bleibt unklar, da die Wolfspräventionsgebiete vom Begriff her nicht mit den sogenannten Wolfsgebieten aus der Wolfsrichtlinie vom 8. Januar 2018 deckungsgleich sind.

In den genannten Kreisen sollen nach Darstellung des Ministers besondere Herdenschutzmaßnahmen finanziert werden, wobei dies zunächst nur für große und besonders gefährdete schafhaltende Betriebe gelten soll. Ab wann ein "großer" Betrieb vorliegt, ist nicht definiert. Offenbar sollen aber für diese Betriebe die Ausgleichszahlungen bei Rissereignissen bestehen bleiben, wenn Herdenschutzmaßnahmen lang- oder kurzfristiger Art beantragt oder umgesetzt wurden. Fest steht, die Kosten für die Arbeitsleistung werden in jedem Fall bei den Betrieben bleiben.

Für die davon offenbar derzeit allein betroffenen großen Schafhaltungen ergeben sich aus diesen Regelungen keine wirklichen Vorteile. Ihnen wird das Risiko eines Rissereignisses aufgebürdet, weil sie Entschädigungen nur dann erhalten, wenn entsprechende Präventionsmaßnahmen beantragt oder durchgeführt worden sind. Nach Auffassung des Berufsstandes ist der Bau von Zäunen ohnehin nicht vollständig zum Schutz vor dem Wolf und zur Verhinderung von Weidetierrissen geeignet. Immerhin sollen allerdings Deich- und Deichvorlandbereiche in den genannten Kreisen von den Regelungen ausgenommen werden.

Es muss nun abgewartet werden, wie die Regelungen im Einzelnen ausgestaltet werden. Schon die bisherige Förderung nach der Wolfsrichtlinie entspricht nicht den Forderungen der Weidetierhalter. Sie sieht keine verbindlichen Ansprüche auf Förderung und Entschädigungszahlungen vor. Zudem war der Fördersatz auf 80 % beschränkt.

Wolf und Weide passen nicht zusammen

Die Weidetierhalter fühlen sich mit dieser unerwarteten Entscheidung aus dem Melund regelrecht hintergangen. Am Freitag (15.2.) findet das nächste Treffen des Runden Tischs zum Wolfsmanagement statt unter Federführung des Landwirtschaftsministeriums. Beim Runden Tisch sind auch Vertreter aus Landwirtschaft und Schafhaltung dabei. Die Nachricht über die Einrichtung der Wolfspräventionsgebiete mussten sie allerdings aus den Medien erfahren.

"Mit dieser Entscheidung geht genau das verloren, wofür Schleswig-Holstein steht, nämlich für eine fast offene Weidehaltung und Familienbetriebe", kommentiert Joachim Becker, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes im betroffenen Kreis Steinburg. "Es geht nicht nur um den Wolf, sondern auch um die Kulturlandschaft in Schleswig-Holstein. Im Kreis Steinburg sind 34.000 ha natürliches Grünland, mehrheitlich Marschweiden, die zur Milchviehhaltung genutzt werden. Bei 70 % der Milchkühe dominiert die Weidehaltung. Durch diese Maßnahme müssten großflächige Einzäunungen errichtet werden. Selbst wenn man die Kosten niedrig ansetzt und von nur 500 €/ha ausgehen würde, kämen schnell 12 Mio. € allein im Kreis Steinburg zusammen, weil ein Großteil der Flächen neu eingezäunt werden müsste."

"Wie will Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht das verkaufen?", fragt Becker. In dieser überraschenden Maßnahme liegt eine gewaltige Gefahr für einen massiv beschleunigten Strukturwandel. Denn soweit, dass die Milchviehhalter auf ganzjährige Stallhaltung umstellen, wird es nicht kommen, eher wird ein Teil der Betriebe aufhören. Das bedeutet in der weiteren Konsequenz, es werden größere Betriebseinheiten entstehen und mehr Stallhaltung. Das wiederum hätte eine stärkere Intensität der Grünlandbewirtschaftung zur Folge und schlechtere Bedingungen für Wiesenvögel. "Es wird in allen Bereichen genau das Gegenteil von dem erreicht, woran wir seit Jahren arbeiten: die Stärkung der landwirtschaftlichen Familienbetriebe, eine artgerechte Tierhaltung und Biodiversität", kommentiert Becker. (mbw)

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